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Ehrliche Politik für Bischofswiesen möchte SPD-Bürgermeisterkandidat Josef Angerer machen

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Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg strebt SPD-Bürgermeisterkandidat Josef Angerer in Bischofswiesen an. Foto: privat

Bischofswiesen – »Keine glückliche, aber eine ehrliche Geste« war der Stinkefinger von Peer Steinbrück im Bundestagswahlkampf, meint Josef Angerer, Spitzenkandidat der Bischofswieser SPD – nicht gegen die Menschen gerichtet, sondern gegen die Presse, die ihn vor sich hergetrieben habe. Ehrlichkeit und Offenheit sind für Angerer wichtige Werte, gerade auch auf lokaler Ebene. Am 16. März tritt er für die Bischofswieser SPD als Bürgermeisterkandidat an.


Zur Ehrlichkeit gehört es für Angerer, im Wahlkampf keine nicht einlösbaren Versprechungen zu machen. Drei, vier »fette Brocken« kämen ohnehin in den nächsten Jahren auf die Gemeinde zu, etwa der Neubau des Rathauses und die Sanierung des alten Feuerwehrhauses. Diese Maßnahmen seien notwendig und bereits beschlossen, da bleibe neben diesen »Riesenposten« im Haushalt nicht mehr allzu viel Spielraum. Deshalb stünden in seinem Wahlprogramm auch »lauter Sachen, die nichts kosten – außer meine Zeit«. Er betont darin das Miteinander – sei es mit den Nachbargemeinden, im Gemeinderat oder im Austausch mit den Bürgern. Dazu sollen etwa regelmäßige Bürgermeistersprechstunden und Bürgerversammlungen dienen sowie Gesprächsrunden mit den Ortsvereinen, um das ehrenamtliche Engagement zu unterstützen. Beim momentan größten Problem der Gemeinde, der Asylbewerberunterbringung, plädiert er für Menschlichkeit: »Einfach abschieben gibt's bei mir nicht.« Man müsse sich eben auf die Asylbewerber vorbereiten, meint er, und beispielsweise pensionierte Lehrer für den Deutschunterricht gewinnen.

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Mit eigenen Jugendsprechstunden und der Gründung eines Jugendsenats möchte er der Jugend in der Gemeinde eine stärkere Stimme verleihen. Die Jugend steht schon lange im Zentrum seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten. Seit mittlerweile 23 Jahren ist er Jugendleiter beim Trachtenverein GTEV D'Watzmanner, seit neun Jahren Gaujugendleiter. Zudem ist er schon sieben Jahre lang Schulungsreferent für Jugendleiterausbildungen. Regelmäßig fungiert er als Wertungsrichter beim Dirndldrahn und Preisplattln. Seit 15 Jahren sitzt er außerdem im Ausschuss des Gauverbandes. Sein Vater Adolf war Gründer der Jugendgruppe der »Watzmanner«, und so war ihm diese Arbeit gewissermaßen in die Wiege gelegt: Schon seit 34 Jahren ist der 39-Jährige Mitglied im Trachtenverein.

Als Bürgermeister möchte er freilich nicht nur bei den Trachtlern den Nachwuchs fördern, sondern sich für die ganze junge Generation in der Gemeinde einsetzen. »Irgendwo muss man Geld ausgeben«, meint Angerer, und mit einer personellen Aufstockung beim Hort und der Schaffung von weiteren Betreuungsangeboten für Grund- und Mittelschüler könne man mit relativ geringem finanziellem Aufwand viel für Kinder und Eltern tun. Möglichkeiten, Kosten in verschiedenen Bereichen zu sparen, sieht er außerdem durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden des Talkessels gegeben. Die Bürger der Gemeinde möchte er bei der Straßenbausatzung entlasten oder zumindest bei entstehenden Kosten früher, als dies bisher der Fall war, informieren. Es solle, so Angerer, eine Dringlichkeitsliste erarbeitet werden, wann welche Straße in den nächsten sechs bis acht Jahren saniert werde, sodass Anwohner, die gegebenenfalls einen Teil der Kosten zu tragen haben, sich rechtzeitig darauf einstellen können. Härtefälle könnten so vermieden werden.

Wichtig ist Angerer auch der Umwelt- und Naturschutz. Weitere Flächenversiegelungen im Außenbereich möchte er vermeiden und dafür den Ortskern weiter ausgestalten und attraktiver machen. Als die Grünen damals mit dem Thema Umweltschutz angefangen hätten, meint er, seien sie nur ausgelacht worden, mittlerweile habe jeder kapiert, wie wichtig dieses Thema sei. Die Grünen rechnet er neben der UBB zu den Parteien, mit denen die SPD in der vergangenen Wahlperiode, in der er als Gemeinderat und 3. Bürgermeister aktiv war, gut zusammengearbeitet habe. Gerade auf kommunaler Ebene solle die Parteizugehörigkeit ohnedies keine große Rolle spielen. Jeder wolle letztlich das Beste für den Ort und dafür müsse man gemeinsam arbeiten. Wenn jemand seine Einzelinteressen über das Wohl der Gemeinde stellt, ist ihm das ebenso ein Dorn im Auge wie die verfilzten Strukturen in der gesamtbayerischen Politik.

Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg ist Angerer aus dem privaten Rahmen gewohnt, denn Franz Rasp, Bürgermeister Berchtesgadens, ist sein Schwager. Natürlich werde da bei Familientreffen, wie in jeder Familie, auch mal »politisiert«, erzählt Angerer, aber das gute Verhältnis der beiden Kommunalpolitiker beeinträchtige das nicht. Sich selbst sieht er als einfachen Menschen, den seine Kindheit Bescheidenheit gelehrt hat.

Zusammen mit seinen fünf Geschwistern hat er sich ein Zimmer geteilt. Mittlerweile ist er seit 15 Jahren mit seiner Frau Eva verheiratet und Vater von vier Töchtern. Die Älteste ist fünfzehn, die Jüngste wird am 29. Februar sechs Jahre alt. Im Grubenweg hat er ein Grundstück geerbt und dort mit 23 Jahren ein Haus gebaut, das die Angerers nun gemeinsam mit seinem Onkel bewohnen. Mit dem Häuserbauen kennt sich der Bauunternehmer als gelernter Maurer und Fliesenleger aus. Seit zwei Jahren betreibt er eine eigene kleine Firma mit einem Angestellten. Seine Frau hilft dem Unternehmer bei den Büroarbeiten. Neben der Arbeit für die Firma, dem kommunalpolitischen Engagement und der Arbeit für den Trachtenverein bleibt ihm wenig Raum für Hobbys, wenn er auch noch Zeit mit seinen Töchtern verbringen will. An freien Wochenenden findet man den Hobbykletterer am ehesten in der Kletterhalle des DAV in der Strub.

Sein Geschäft müsste Josef Angerer freilich aufgeben, wenn er gewählt wird, denn den Betrieb auf seine Frau weiterlaufen zu lassen kommt für ihn nicht infrage. »Als Bürgermeister muss man Idealist sein«, meint Angerer. Für Bischofswiesen würde er es gerne machen. Markus Schüssler