weather-image
26°

Eigenes Fernheizkraftwerk für die Siedlung Winkl?

3.2
3.2
Bildtext einblenden
Die Möglichkeiten für den Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks für Winkl werden aktuell geprüft. Dieser Ausblick auf die Siedlung – ein wenig beeinträchtigt durch Bäume – offenbart sich dem Wanderer vom Panoramaweg aus. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Für den Gemeinderat Bischofswiesen wäre es ein »Leuchtturmprojekt« im Rahmen des Energienutzungsplans: Mit einem Biomasse-Fernheizkraftwerk, wie es auch beim Bergfriedhof in Schönau am Königssee steht, könnte die Siedlung Winkl inklusive Gewerbegebiet beim Panorama Park mit Wärmeenergie versorgt werden.


Arnold Fellinger, Geschäftsführer der Bioenergie Berchtesgadener Land GmbH, präsentierte den aktuellen Prüfungsstand am Dienstag im Gemeinderat.

Anzeige

Fellinger wie auch Bürgermeister Thomas Weber machten klar, dass noch nichts entschieden sei. Man müsse die Datenerhebungen abwarten, die etwa in zwei Wochen abgeschlossen sein sollen, sagte Arnold Fellinger. Aktuell ist er in Winkl unterwegs, um unter anderen den Bedarf in den Häusern zu ermitteln. Als Standort für ein künftiges Kraftwerk sieht Fellinger den Steinbruch Greinswiesen als geeignet an. Von dort aus könnte das gesamte Winkler Siedlungsgebiet inklusive Gewerbegebiet Panorama Park mit Fernwärme versorgt werden.

Beheizt werden soll es wie die Anlage in Schönau am Königssee mit Hackschnitzeln mit Landschaftspflegeholz aus der Region. Die Leistung soll bei rund 4,3 Millionen Kilowattstunden jährlich liegen, in der Schönau produziert man aktuell rund 51 Millionen Kilowattstunden. Für das Projekt in Winkl müssten 2 800 Meter Hauptleitungen und 1 500 Meter Hausanschlussleitungen verlegt werden. »Ich gehe davon aus, dass wir am Ende des dritten Quartals wissen werden, ob die Anlage gebaut werden kann oder nicht«, sagte Arnold Fellinger. Dann könnte man über den Winter die Genehmigungen einholen. Wer die Anlage am Ende betreiben wird, soll nach den Worten von Bürgermeister Thomas Weber noch geprüft werden. Die Gemeinde will aber in irgendeiner Form »die Hand drauf« haben.

Dass in der Schönau 95 Prozent des Holzes aus einem Umkreis von maximal 50 Kilometern angeliefert werden, erfuhr Hans Metzenleitner (SPD) auf seine Frage. Aktuell habe man 40 Lieferanten. Allerdings weiß Michael Sturm (Grüne), dass viele heimische Waldbauern ihr Holz in der Schönau nicht los bekommen. Außerdem erkundigte sich Sturm nach den Möglichkeiten einer Stromproduktion in Winkl. »Eine Verstromung ist in diesem kleinen Leistungsbereich sehr schwierig«, räumte Arnold Fellinger ein. Eine Prüfung sagte er zwar genauso zu wie Bürgermeister Thomas Weber. Allerdings betonte Weber, dass man die Anlage mindestens mit einer schwarzen Null betreiben wolle. Das sei Voraussetzung für alle Planungen.

Bedenken wegen des aktuell geplanten Standortes Greinswiesen, der sich in einem Landschaftsschutzgebiet befindet, äußerte Paul Grafwallner (UBB). Das werde die Ökobilanz negativ beeinflussen, zumal sich dadurch der jetzt schon erhebliche Lkw-Verkehr noch einmal verstärken werde. Andererseits können durch den Betrieb eines Biomasse-Heizkraftwerks erhebliche Mengen an Heizöl eingespart werden, wie Arnold Fellinger auf eine Frage Bernhard Heitauers (CSU) erklärte. Bei der Anlage am Bergfriedhof sind es rund 6,5 Millionen Liter Öl jährlich.

Wenig Chancen gab Fellinger einer von Oliver Schmidt (CSU) angesprochenen Variante, auch die Gewerbegebiete im Pfaffenfeld anzuschließen. »Das wird bei dieser Entfernung sehr schwierig.« Auch andere Teile Bischofswiesens werden wegen der Entfernung nicht vom Winkler Heizkraftwerk profitieren können. Die Stanggaß soll dagegen vermutlich ans Fernwärmenetz der Anlage in Schönau am Königssee angeschlossen werden. Beschlüsse sind aber am Dienstag noch nicht gefallen. Ulli Kastner