weather-image

Ein Abend im »Hause Lustig«

3.3
3.3
Bildtext einblenden
»Im Photoatelier« (v.l.): Sylli Stöckl, Rudi Fendt und Annemie Palzer.
Bildtext einblenden
Im Kampfgebiet Standesamt (v.l.): Matthias Boigs, Luitgard Erben, Lisi Graßl, Lisi Hopfinger, Hansi Resch, Bärbl Resch, Waltraud Hopfinger und Sylli Stöckl. (Fotos: Meister)

Ramsau – Die Laienbühne »Ramsauer Provisorium« feiert in diesem Herbst ihr 25-jähriges Bestehen und präsentiert ihrem Stammpublikum zwei Einakter, die prächtig geeignet sind, »dass die Leute was zu lachen haben«. Karl Valentin war der eigentliche Auslöser, der vor einem Vierteljahrhundert die Lust der Ramsauer sowohl am Theaterspielen wie zum Theaterschauen weckte. So zeigt das »Provisorium« nun die Valentin-Groteske »Im Photoatelier«. Zuvor darf der geschätzte Zuschauer einem bedenklich-komischen Akt im Standesamt bei Regina Harlanders Einakter »Die Traumhochzeit« beiwohnen.


Als »impertinente Kuh« und »penetrante Goaß« bezeichnen die beiden Mütter und angehenden Schwiegermütter ihr jeweiliges Gegenüber. Waltraud Hopfinger und Bärbl Resch bewegen sich und ihr loses Mundwerk so stilsicher im Standesamt, als hätten sie beide jede Menge dieser Art in ihrem Erfahrungsschatz. Was auch auf den jeweiligen Ehegatten der beiden zutreffen kann. Der blasengeschwächte Willi und der duckmäuserische Alfons, trefflich dargestellt von Sylli Stöckl und Matthias Boigs, sind studierte Waschlappen und fast gänzlich verstummt in langer Ehe. So überlassen sie mehr oder weniger freiwillig auch hier bei der Eheschließung von Tochter beziehungsweise Sohn das Feld ihren Giftspritzen. Was letztlich zum Abbruch der Zeremonie, zu Tränen und allgemeinem Ungemach führt. Zwangsläufig, denn wer kann sich schon sicher fühlen im Schlammkugelhagel, auch wenn es »der schönste Tag im Leben« ist oder wenigstens werden soll.

Anzeige

Die Oma bringt die Dinge wieder ins Lot

Da ist aber noch Lisas Oma, senil, schwerhörig und eigentlich nur störend. Die, überzeugend gespielt von Lisi Graßl, bringt die Dinge wieder ins Lot und den eigenen Sohn und zugleich den zukünftigen Schwiegervater der Enkelin Lisa zum kleinen Aufstand gegen die Bissgurken der Familien in Kampfstellung. Und nun endlich können Lisa (Lisi Hopfinger) und Heinz (Hansi Resch) vor die Standesbeamtin (Annemie Palzer) treten, was auch Lisas Schwester Lena (Luitgard Erben) freut. Und nun gibt es ein Happy End und Friede herrscht im Haus. Wie lange das währen wird, sagt das Stück nicht.

Rudi Fendt hat ein Näschen für das Komische. Das haben er und seine Kollegen beiderlei Geschlechts im letzten Vierteljahrhundert hinreichend bewiesen. Diesmal hat er sogar eine ganze Nase davon, genauer genommen, einen Zinken. Wie ihn auch Karl Valentin gelegentlich trug in Sketchen mit Partnerin Liesl Karstadt. »Im Photoatelier« von Meister Sylli Stöckl gibt Annemie Palzer die Liesl, respektive den Photolehrling Alfons, der mit dem Gehilfen Heinrich, eben der mit dem gewaltigen Zinken, gegen die Tücken des Objekts und gegen die vermutlich genetisch bedingte Faulheit kämpft.

Eine eigene Note

Um es vorwegzunehmen: Beide zeigen sich in Hochform, immer nah angelehnt an das Original und die Originale, sich denen zu nähern sie auf ihre Weise im Laufe des Einakters immer mehr imstande sind. Das berühmte Münchner Duo von damals zu kopieren, ist wohl unmöglich. Ihnen nachzueifern und dabei eine eigene Note zu finden, schon. Und genau das gelingt den beiden brillant. Rudi Fendt als langsam denkender, tollpatschiger Photogehilfe Heinrich und genauso Annemie Palzer als durchaus pfiffiges, an Einfalt dem Heinrich kaum nachstehendes Bürschchen.

Silly Stöckl gibt den Meister, der am Ende ob des angerichteten Schadens in Ohnmacht fällt, souverän. Stöckl kann auf seine lange Provisoriumserfahrung bauen und überzeugt mit seiner Leistung, was meist auch auf die illustre Kundenschar im Photoatelier und ihre Begegnung mit unwilligem Vertretungspersonal zutrifft. Waltraud Hopfinger ist die schlichte Oma, die sich statt des Enkels zum Ausziehen bereit findet, Mathias Boigs der herrische, emotionsbeschränkte Scharfrichter, der die Unmöglichkeit eines schönen Bildes von sich verlangt, und letztlich treten Phillip und Hansi Resch als anatomisch bizarres Brautpaar auf die Bühne und in aufsehenerregende Erscheinung, um die beiden Hauptprotagonisten noch mehr zu verwirren.

Witze und Anekdoten

Das war ein Abend im Ramsauer Rathaus, der die Lachwilligen beflügelte und die anderen einfach mitriss. In der Pause hielt Rudolf Plieninger das Publikum zuverlässig in fröhlicher Stimmung, mit teilweise regional und auf Zeitnähe geformten Witzen und Anekdoten.

Weniger witzig, dafür höchst anerkennungswürdig war der Auftritt von Hedi Kellner nach der launigen Jubiläums-Begrüßungsrede von Rudi Fendt. Hedi Kellner erzählte eindrucksvoll vom indischen Lepradorf Little Flower, das auch von den Spenden-Einnahmen der 25. Provisoriums-Auflage profitieren soll. Das ist auch eine längst Tradition gewordene Geste der Ramsauer Laienbühne, die den ungebremsten Beifall verdient, ebenso wie die Leistungen der Protagonisten auf der Bühne. Dieter Meister