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Ein Bergdrama mit vielen Fragezeichen

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Bis zur Nebelgrenze suchte der Polizeihubschrauber in den letzten Tagen mehrfach das mittlerweile verschneite Gelände im Bereich des Hohen Göll ab. (Foto: Alexander Stocker)

Schönau am Königssee – Keine Erklärung gibt es bislang zum Verschwinden des 23-jährigen Ampfingers, der seit Samstag im Gebiet des Hohen Göll vermisst wird. Die Chancen, den Mann doch noch lebend zu finden, gehen bei Minustemperaturen am Berg gegen null. Die Suche ist seit Montagabend eingestellt. Erst bei flugtauglichem Wetter will die Polizei noch einmal einen Hubschrauber losschicken, um noch einmal den Gipfelbereich abzusuchen.


»Es ist nicht sicher, dass wir den Mann überhaupt noch finden«, sagt Polizeibergführer Andreas Hölzl von der Polizeiinspektion Berchtesgaden, der intensiv an der Suche beteiligt war. Er klingt ratlos, zumal die Einsatzkräfte der Bergwachtbereitschaften Berchtesgaden und Ramsau bereits alle Steige im gesamten Göll- und Brettbereich abgesucht haben. Auch die Absuche der Bereiche Pflugtal, Alpeltal, Göll-Sanden und Göllaufstieg mit der Wärmebildkamera des Polizeihubschraubers brachte keinen Erfolg. »Die Kamera hätte den Vermissten hundertprozentig erfasst«, sagt Hölzl. Ohne Ergebnis blieben auch weitere Erkundungsflüge durch den bayerischen Polizeihubschrauber »Edelweiß« am Montag und durch den österreichischen Polizeihubschrauber »Libelle« im Bereich der Göll-Ostwand. Allerdings konnten die Maschinen am Montag nur bis zu einer Höhe von rund 2 000 Metern fliegen, weil der Gipfelbereich im Nebel lag. »Wenn in den nächsten Tagen noch einmal flugtaugliches Wetter herrscht, dann wird noch einmal mit Hubschraubern der Gipfelbereich abgesucht«, erklärt Andreas Hölzl. Vom Einsatz weiterer Bodensuchmannschaften verspricht man sich nichts mehr, zumal in höheren Lagen bis zu 15 Zentimeter Schnee liegen.

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Dass das Bergdrama eine ziemlich schräge Vorgeschichte hat, erfuhren die Polizeibeamten im Zuge ihrer Ermittlungen. So war die Tour auf den Göll für den Vermissten erst die zweite Bergtour überhaupt. Entsprechende konditionelle Schwierigkeiten muss er auch während des Aufstiegs gehabt haben. Ein dritter junger Mann, der aus Ampfing mit angereist war, fühlte sich bereits beim Anblick der Tour überfordert und trat wieder die Heimreise an. Nur der junge Bergsteiger, der schließlich Alarm schlug, war bereits früher mit den Struber Gebirgsjägern in den Berchtesgadener Bergen unterwegs gewesen. Er hatte am Gipfel des Kleinen Göll alleine den Abstieg angetreten, weil er um einiges schneller war als sein erschöpfter Gefährte. Der wollte ganz langsam und alleine den Rückweg ins Tal bewältigen, wo er aber nie ankam. Nun muss die Polizei klären, ob weitere Details ausschlaggebend für das Drama waren: Hat es auf dem Gipfel Streit gegeben? Haben die beiden dort vor dem Abstieg einen Joint konsumiert? War Alkohol im Spiel? Polizeibergführer Andreas Hölzl sagt dazu nur diplomatisch: »Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.« Ulli Kastner