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»Ein bissl fürs Hirn und ein bissl fürs Herz«

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Einer der Garanten für einen vergnüglichen Abend für Auge und Ohr: Sängerin Nadine Hammer.
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Formation zum »letzten Tanz« der Kaiserin Elisabeth: Nadine Hammer und Zoltan Tombor. (Fotos: Meister)

Berchtesgaden – Eine perfekte Mischung aus Kunst und Unterhaltung, die für Gänsehaut und Stimmung sorgte, hatte Espen Nowacki im Programmheft zu den »Musical Moments« angekündigt. Stimmgewaltig, schwungvoll, spritzig und äußerst unterhaltsam sollte es sein. Im Grunde hatte er recht. Jedenfalls kamen die Liebhaber des Musicals am Donnerstagabend im Berchtesgadener Kongresshaus auf ihre Kosten. Ob es tatsächlich »einige der besten Allround-Talente aus ganz Deutschland« waren, die auf der Bühne des Großen Saales standen, wer kann das wissen. Gut waren sie jedenfalls alle. Die Sängerinnen und Sänger, die Tänzerinnen und der Tänzer des augenscheinlich sehr engagierten achtköpfigen Ensembles, entließen nach etwa dreistündigem »Feuerwerk« ihr vorwiegend zufriedenes Publikum.


Neben den oben genannten in Erwartungshaltung versetzenden Versprechungen gab es Nebel auf der Bühne. Viel Nebel, aus dem die Akteure auftauchten und wieder verschwanden, dann, sehr oft optisch gewandelt, wieder kamen. Immer wieder. Melodien aus 20 Musicals hatte Tourchef Espen versprochen und sein Wort gehalten. Zoltan Tombor und Nadine Hammer mühten sich erfolgreich vor dem Berchtesgadener Publikum um den Nachweis, dass sich in einer Tourneetruppe durchaus hervorragende Stimmen sammeln können, was auch Simone Geyer eindrucksvoll gelang, szenisch begleitet vom Miniballett von Dominik Halamek und beispielsweise den familiennamenlosen Tänzerinnen Anuschka und Anna.

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Unterhose in Übergröße und »Liebe stirbt nie«

Am Anfang war das gespielte Chaos. Eine Sängerin suchte ihre Noten, eine andere ihre Unterhose, die sie endlich in Übergröße geliehen bekam. Dann aber ging es zur Sache. »Ein bissl fürs Hirn und ein bissl fürs Herz« ziemlich am Anfang und das sollte wohl das Motto sein. »So sehr fehlt mir Dein Gesang« aus dem Musical »Liebe stirbt nie« sang Espen, dessen Name merkwürdigerweise an einen norwegischen Skispringer denken lässt. Der Tag kommt, der Tag geht, sang er. Dann ging der Tag, doch der Norweger blieb noch lange.

Nach ihm kam Elsa, die Eiskönigin und dann die »Blues Brothers« Espen und Zoltan, Letzterer wohl der Spezialist für das Rockige. »Evita« gab schmalzig-sympathisch die Empfehlung »Wein nicht um mich Argentinien«, auch wenn man dies gar nicht vorgehabt hätte. Und schließlich kam der Vampir Espen Nowacki, um seine Kollegin Nadine Hammer zu beißen, was schade gewesen wäre für den Fortgang des Abends. Pocahontas schlich sich dann mit süßem Stimmchen in die Publikumsgunst und dann wurde »Der Schuh des Manitu« genüsslich probiert. Angeführt von einem rosafarbenem Indianer und dem Rest des Stammes, die Einblick gaben, »Wo Schoschonen schön wohnen«.

»Les Miserables« eröffnet den zweiten Teil

Dann war Pause. Deren Ende Espen und Konsorten weidlich zum »Nahkampf« mit dem Publikum nutzten und als zwielichtige Viktor Hugos elende Gestalten vor der Bühne flanierten. Den zweiten Teil eröffneten sie mit einer Szene aus »Les Miserables«. Zoltan Tombor holte sich dann eine »Maria« aus dem Publikum und dann trieb Zahnarzt Espen Nowacki sein Unwesen im »Kleinen Horrorladen« dessen Opfer ein AOK-Patient aus dem Publikum wurde. Sissi kam dann im weißen Festgewand in Gestalt von Nadine Hammer, die mit Tod Zoltan zum letzten Tanz ansetzte. Rasch gewandelt und weit lebendiger rockte der gebürtige Ungar mit Queen-Titeln. »We are the Champions«, na wenigstens für ein Weilchen.

»Time of my life« aus »Dirty Dancing« drückte noch ein wenig auf die für Melancholie empfänglichen Antennen, dann kam ein Abba-Block aus »Mamma Mia«, von vielen im Publikum lange erwartet. Wer noch niemals in New York war, hat das mit Udo Jürgens gemeinsam, wenigstens hat er das so gesungen und dann auch noch mit 66 Jahren, aber alles »Bitte mit Sahne«. Am Ende gab es Zugaben und einen Blick auf alle acht Akteure, die den Abend zu einem schönen Erlebnis gemacht hatten. Nicht nur für ausgewiesene Musicalfreunde. Espen verabschiedete sich und seine Kollegen charmant vom Berchtesgadener Publikum und mit dem Versprechen, im Foyer für Fotos, Autogramme und diverse andere Dinge zur Verfügung zu stehen. Draußen erwartete das Publikum wieder Nebel, aber der war lange nicht so schön und aufregend, wie der auf der Bühne. Dieter Meister