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Ein großer Festtag für Maria am Berg – Altar der  sanierten »Seimekirch« eingeweiht

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Zeigten tiefe Verbundenheit zur »Seimekirch« (v.l.): Pfarrer Thomas Frauenlob, Kardinal Reinhard Marx, Diakon Michael König und Prälat Isidor Vollnhals (Fotos: Pfnür/Beierl)
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Ist seit Jahrzehnten die Mesnerin der Kapelle: Soferl Pfnür.
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Hat die Sanierung gekonnt gemanagt: der Verwalter von Maria am Berg, Michael Koller.

Berchtesgaden – Die Kirche Maria am Berg wurde jetzt nach einer grundlegenden Sanierung und Reinigung mit einem großen Fest wieder »in Betrieb« genommen. Die Festpredigt hielt Kardinal Reinhard Marx.


Zuvor hatte Pfarrer Thomas Frauenlob den Kardinal und die zahlreichen Gläubigen willkommen geheißen. Er wies darauf hin, dass diese Kirche aus festem Glauben zweier Menschen heraus in schwieriger Zeit errichtet worden war (wie berichtet). »Das erneuerte Gebäude ist nur ein Sinnbild für die Gläubigen von Maria am Berg, die sich als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus zusammenfügen lassen«, so Frauenlob. Es sei eine besondere Ehre, dass der Erzbischof selber diese Altarweihe vollziehe.

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Die Renovierung und Umgestaltung einer Kirche gleicht einer teilweisen Profanierung, weshalb bei der Altarweihe die einzelnen liturgischen »Gerätschaften« nacheinander wieder in das »Heilige« eingefügt werden: Der Ambo wird vor der Lesung gesegnet, Reliquien – an diesem Sonntag des seligen Otto von Freising und des seligen Kaspar Stanggassinger – in die Altarplatte bestattet und durch Michael Koller eingemauert. Die Salbung des Altars durch den Bischof mit Chrisam und das Verbrennen von Weihrauch auf den fünf eingemeißelten Kreuzen auf der Altarplatte sind eindrucksvolle, archaische Bestandteile der Feier. Der Raum bleibt bis zur Schmückung des geweihten Altares ohne Beleuchtung, wenn auch der Altarraum an diesem prächtigen Sommertag von gleißendem Sonnenlicht erfüllt war. Lediglich die von Maria Hasenknopf eigens für diesen Tag angefertigte hohe Votivkerze auf dem neuen Osterleuchter spendete bis zur Gabenbereitung etwas Kerzenlicht. Erst nachdem das Altartuch ausgebreitet und die Kerzen entzündet sind, erstrahlt der Raum in feierlichem Glanz, den die neue Lichtanlage ermöglicht.

Anspruchsvolle Liturgie

Die anspruchsvolle Liturgie der Altarweihe wurde durch den Gesang der zahlreichen Gläubigen, unterstützt vom Kirchenchor Au und Maria am Berg unter der Leitung von Simone Resch, Kasimir Wilgodzki an der Orgel und Rupert Maltan als Kantor, der den Antwortgesang und die Allerheiligenlitanei vortrug, eindrucksvoll und beschwingt gestaltet. Für die Ministranten von Maria am Berg war dieser außergewöhnliche Gottesdienst eine besondere Herausforderung, die sie aber bestens meisterten.

Maria am Berg ist nun vom Dach über den Vorplatz grundlegend erneuert. Der Zelebrationsaltar wurde in seiner Breite erheblich verkürzt, um den störenden »Barrierecharakter« zu beseitigen. Nun umhüllt eine leicht und zugleich edel wirkende Eichenholzummantelung den ursprünglichen Stein. Ambo, Sedilien und Ministrantenbänke sind aus demselben Eichenstamm nach dem künstlerischen Entwurf des bekannten Laufener Bildhauers Friedrich Koller angefertigt worden. Altar- und Osterleuchter setzen einen schlichten Akzent. Das aus Acryl gefertigte abstrakte Altarkreuz mit den fünf Wundmalen Jesu, auf einer Art Blutlanze stehend, dürfte für manchen Besucher etwas gewöhnungsbedürftig sein, lädt aber zum Nachdenken ein.

Besonders augenfällig sind die nun wieder auf Stangen aufgestellten Rosenkranzschilde, die sich bisher im Umgang befunden haben. Die ehemaligen Seitenaltäre wurden untermauert und mit einer lateinischen Inschrift versehen. Die Madonna am Kriegerdenkmal erstrahlt durch einen vergoldeten Hintergrund in neuem Licht und wird durch eine hohe Josefsfigur mit dem Jesusknaben flankiert.

»Heimat gibt Orientierung«

»Das Bild der Mutter mit dem Sohn – mit dem Kind auf den Armen oder mit dem gekreuzigten Herrn im Schoß – ist Heimat für einen Christen und diese Heimat gibt Orientierung in allen Lebenslagen«, so der Kardinal in seiner Predigt. Die Suche nach Orientierung durchziehe die ganze Heilige Schrift, den Weg des Volkes Gottes zu allen Zeiten. Doch Gott gehe oft weit über die Vorstellungen des Menschen hinaus, weshalb er nicht auf ein Bild oder einen Ort reduzierbar sei, sondern als der »Ich-bin-da« bezeichnet werde. Maria am Berg habe gerade in der Zeit des Nationalsozialismus den Suchenden Orientierung geben können, was es letztlich heiße, Christ zu sein. Maria am Berg konnte in Verwirrung Heimat und Identität stiften. Gott gehöre die Kirche und wo Er und seine Mutter verehrt werden, da sei Heimat. Wer sich in dieser Haltung bewusst vor Gott hinstelle, könne kein Mensch des Hasses, des Krieges und der Spaltung sein, so der Kardinal in seiner engagierten Predigt.

Nach der Weihe wurde erstmals auf dem Altar Eucharistie gefeiert. Mit dem Erzbischof standen am Altar der Rektor der Kirche, Pfarrer Thomas Frauenlob, der Guardian des Franziskanerklosters, Pater Terencjan, sowie Pater Heribert Niederschlag, der mit Bischof Scheele von Würzburg alljährlich einen Gottesdienst in Maria am Berg hält, und Prälat Isidor Vollnhals, heute Generalvikar von Eichstätt und vormals als Militärpfarrer viele Jahre als Gottesdienstaushilfe in Maria am Berg tätig.

Michael Koller dankte als ehrenamtlicher Verwalter am Schluss des Gottesdienstes allen beteiligten Firmen. Besonders betonte er die Entwicklung der künstlerischen Neugestaltung, die auf Basis der Überlegungen und der Idee des Bildhauers Friedrich Koller aus Laufen im Dialog mit Kirchenrektor, Verwalter, Michael Wendl und dem Schreinermeister Stefan Maltan und seinem Sohn Joggerl eindrucksvoll umgesetzt werden konnte. Koller betonte, dass bis auf Altar, Ambo und Osterleuchter lediglich vorhandene Kunstgegenstände restauriert und neu in den Raum integriert wurden.

Verbundenheit mit der »Seimekirch«

»Bedenkt, was für eine große Ehre und Glück es ist, den Herrn auf eigenem Grund und Boden aufnehmen und ihm eine Wohnung bereiten zu dürfen« – mit diesem Zitat von Sophie Brandner an ihre Kinder begann Michael Koller seine Dankadresse an Kardinal Marx am Ende des Gottesdienstes. Dieses Privilegs seien sich auch die heutigen Bewohner des Untersalzbergs bewusst, was die besondere Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrer »Seimekirch« ausmache. Der Mesnerin Soferl Pfnür und ihrem Bruder, Josi Pfnür, dankte er, weil sie täglich für die Kirche ihrer Großeltern mitsorgen. »Es ist seit dem Tod von Pater Mandl 1991 noch nie ein Gottesdienst ausgefallen«, betonte Koller. Grund dafür ist sicherlich das Wirken von Soferl Pfnür, die durch ihre Kontakte und Umsicht hier federführend tätig ist. Kardinal und Kirchenrektor bekamen durch zwei Urururenkelinnen des Gründerehepaares je ein weihnachtliches Bild der Kirche und einen Alpenstrauß überreicht.

Pfarrer Frauenlob ergriff nun nochmals das Wort und dankte seinerseits auch im Namen der Gottesdienstgemeinschaft von Maria am Berg Michael Koller. »Von nix kommt nix«, sagte er launig – ohne Michael Koller als treuem Verwalter mit unerschöpflicher Kreativität, einem Durchhaltevermögen, das »einem Marathonläufer gleichkommt« und großer Verlässlichkeit wäre vieles nicht realisierbar. fb