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Ein Kompromiss ohne erkennbare Wirkung?

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Den Erhalt der historischen Kehlsteinwege hat sich Klaus Gerlach zum Ziel gesetzt. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Dass er mit seinen Mitstreitern einst vom Satiremagazin »Quer« in die rechte Ecke gestellt worden war, ärgert Klaus Gerlach immer noch. Seinen Kampf um den Erhalt alter Nazibauwerke am Obersalzberg will er dennoch fortführen.


Schließlich ist der 73-jährige Schönauer überzeugt, dass sie für die Erinnerungskultur eine zunehmend wichtige Rolle spielen werden. Aktuell geht es um die Sanierung der alten Kehlsteinwege. Den am »runden Tisch« erzielten sogenannten »Kompromiss« sieht Gerlach mehr als kritisch. Nur wenn alle Wege dauerhaft unter Schutz gestellt werden, können die Wege nach seiner Ansicht für die Nachwelt erhalten werden.

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Großen Jubel gab es jüngst auf allen Seiten um den »Kompromiss« bei der geplanten Sanierung der Kehlsteinwege (wir berichteten). Nur Klaus Gerlach war an diesem Tag eher zum Weinen zumute, wenngleich er sich beim abschließenden Pressegespräch vornehm zurück hielt. Schließlich befürchtet der 73-jährige Schönauer, dass trotz eines guten Gesprächsklimas am »runden Tisch« für den langfristigen Erhalt der Kehlsteinwege wenig erreicht wurde. »Im Endeffekt wird es nicht viel anders kommen, als die Bayerischen Staatsforsten im ersten Entwurf vorgestellt hatten«, sagt Klaus Gerlach. Die Breite der ausgebauten Wege reduziere sich lediglich um 50 Zentimeter, auf großen Strecken werde der Teer ausgebaut und durch Sand ersetzt, die Wege würden insgesamt breiter. Nur ein kleiner Teil der Wege soll erhalten, in einigen Bereichen neu asphaltiert werden. Dass man mit dem Konzept die alten Stützbauten erhalten will, reicht für Gerlach nicht aus. Spätestens in 50 Jahren, vermutet er, seien auch diese zerstört.

»Der Denkmalschutz spielte bei allen Diskussionen überhaupt keine Rolle«, bedauert Gerlach. Denn während Kehlsteinhaus, Serpentinenweg zum Haus und Kehlsteinstraße unter Denkmalschutz stehen, ist dies bei den Kehlsteinwegen nicht der Fall. »Die Gründe für diese differenzierte Betrachtung beim Landesamt für Denkmalschutz kenne ich nicht«, sagt Gerlach und wirft der Behörde »Geheimniskrämerei« vor.

Klaus Gerlach sieht die Kehlsteinwege auf lange Sicht in Gefahr. Die einzige Möglichkeit für den dauerhaften Erhalt sieht der Schönauer in der Einrichtung einer »Europäischen Erinnerungslandschaft« am Obersalzberg. Mit einer entsprechenden Petition Gerlachs beschäftigt sich aktuell der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag. Mit einer Entscheidung rechnet der Schönauer in Kürze, viel Hoffnung auf einen positiven Bescheid macht sich der 73-Jährige allerdings nicht.

Unterstützung für seine Idee bekam Klaus Gerlach bereits vor einigen Jahren von Professor Egon Greipl, bayerischer Generalkonservator. Zum Zwei-Säulen-Konzept, das aus Dokumentation und Tourismus am Obersalzberg besteht, sagte er einst: »Es gibt kein Gebäude, das von zwei Säulen getragen wird. Auch das Gebäude der Erinnerung und geschichtlichen Aufklärung beim Obersalzberg braucht eine dritte Säule: die originalen Reste, die zugleich Zeugen und Quellen für die künftigen Generationen sind.«

Für Klaus Gerlach ist am Obersalzberg schon in den vergangenen Jahren zu viel falsch gelaufen. »Alles ist einfach eingestampft worden, da sind schon schlimme Sachen passiert«, sagt der Schönauer und nennt als Beispiel den Abriss des Platterhofs inklusive der Reste der ehemaligen Pension »Moritz«, bei der es sogar noch einen Deckenbalken aus dem 14. Jahrhundert gegeben habe. Und Klaus Gerlach fürchtet, dass sich genau diese Fehler bei den alten Kehlsteinwegen wiederholen werden. Aus historischer Sicht hält er deren Erhalt für enorm wichtig: »Der Besucher soll nachvollziehen können, wie Menschen mit so kranken Hirnen in so fantastischer Umgebung so perverse Pläne entwickeln konnten.«

Ganz nebenbei spricht Klaus Gerlach auch von einer »verheerenden Öko-Bilanz«, was die Entsorgung der 31 000 Tonnen giftigen Teers von den alten Kehlsteinwegen betrifft. Die werden, so will es der Schönauer wissen, im niederländischen Rotterdam thermisch entsorgt. Doch Gerlachs Sorgen werden mittlerweile nur noch am Rande wahrgenommen, er ist zu einem Einzelkämpfer geworden. Die meisten Mitstreiter in der Bürgerinitiative haben sich mit dem »Kompromiss« arrangiert, bei den Bayerischen Staatsforsten steckt man bereits in den Startlöchern.

Bei aller Unzufriedenheit über das (Nicht)-Erreichte, ist sich Klaus Gerlach mit den Verantwortlichen von Bayerischen Staatsforsten und Landratsamt wenigstens in einem einig: »Es waren am runden Tisch faire Gespräche auf Augenhöhe.« Weitere Informationen soll es für die Bevölkerung bei einem Infoabend der Bürgerinitiative am 30. März im »Bräustüberl« geben. Ulli Kastner