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Ein Mann für alle Felle

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Berchtesgaden - Im Talkessel gibt es immer mehr Katzen. Steffen Mockler, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Berchtesgaden sieht darin ein Problem. »Viele Menschen lassen ihre Vierbeiner nicht kastrieren«. Die Folge: eine unkontrollierte Vermehrung. Zum Leidwesen der Tiere.


Er ist ein Tierfreund durch und durch: Seit Steffen Mockler mit 18 Jahren seinen ersten Hund bekam, zeigt er ein Herz für Katzen, Hunde und alle anderen Haustiere. Mockler selbst hat zwei Hunde, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Er hat sie aus dem Tierheim geholt. Denn dort warten viele Tiere auf ein neues Dach über dem Kopf. Die Arbeit beim Tierschutzverein erfordert viel seiner Freizeit. Bis zu drei Stunden ehrenamtliche Tätigkeit pro Tag. »Das ist nicht immer ganz einfach«, sagt er.

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Aber die Erfolge können sich sehen lassen. Um 552 Tiere hat er sich im vergangenen Jahr gekümmert. Ausgesetzt, verwahrlost, anonym abgegeben. »Die Leute rufen zum Beispiel an und sagen, sie hätten ein paar Katzen«. Hin und wieder ziehen Menschen weg - die Tiere lassen sie einfach zurück. Mockler schüttelt mit dem Kopf. Kein Verständnis zeigt er für solches Verhalten.

Wenn Tiere alleingelassen werden, dann muss er ran und überlegen, was er machen kann. »Unsere Aufgabe ist es, einen Übergangsplatz zu finden.« Bis die Tiere - im besten Fall - weitervermittelt werden können. 12 000 Euro braucht er pro Jahr - vor allem für Tiernahrung und Arztkosten. Die Summe ist überschaubar, oft reicht sie aber nicht aus.

Grundsätzlich gilt: Herrenlose Tiere sind Gemeindesache. Deshalb haben sich die drei großen Gemeinden des Talkessels - Bischofswiesen, Berchtesgaden und Schönau am Königssee - dazu verpflichtet, pro Einwohner und Jahr 20 Cent an den Tierschutzverein zu überweisen. Eine kalkulierbare Summe, der Rest kommt über Spenden.

220 Mitglieder zählt der Verein momentan. »Heute hat eine Dame wegen mehrerer Meerschweinchen angerufen«, erzählt Mockler. Sie möchte die ausgesetzten Tiere aufnehmen. Der Tierfreund ist glücklich. Vor ein paar Tagen noch ist eine Kornnatter reingekommen. Beheimatet ist sie in Nordamerika. »Der Besitzer hat sie einfach ausgesetzt«, sagt Steffen Mockler.

Die Vermittlung ist in so einem Fall nicht einfach. Tierheime nehmen die Tiere nicht. In Salzburg ist der Tierschutzvorsitzende aber bereits fündig geworden. Die Kornnatter hat einen neuen Platz gefunden. So einfach ist die alltägliche Arbeit aber nicht immer. Ob Schildkröte, Hase oder Ratte - vor allem nicht kastrierte Katzen machen Mockler zu schaffen. »Die vermehren sich zwei Mal im Jahr«.

Die Katzenpopulation im Talkessel ist kaum mehr zu überschauen. Als der Tierfreund den Vereinsvorsitz vor sechs Jahren übernommen hat, wurden nur halb so viele Katzen abgegeben wie heute. »Es gibt zahlreiche Streuner«, weiß er. Und auch diese benötigen viel zu fressen. In Marktschellenberg ist eine Gruppe beheimatet. Und auch am Königssee, in der Nähe des ehemaligen Asylbewerberheims, existiert eine große Katzenpopulation: »Als die Einrichtung damals aufgelöst wurde, wurden alle Tiere einfach zurückgelassen«, erzählt er. 40 Stück waren es anfangs. Heute sind es zwischen zehn und 15.

Katzen, die vom Tierschutzverein Berchtesgaden zwei bis drei Mal pro Woche gefüttert werden. Im Winter sogar täglich. 40 Kilogramm Nassfutter und 30 Kilogramm Trockenfutter pro Sommermonat. Hinzu kommen Tierarztkosten. Das geht ins Geld. Und die »Baustellen« werden nicht weniger. »Wir erhalten regelmäßig anonyme Briefe, in denen wir über nicht tragbare Zustände informiert werden«, berichtet er. Kein Verständnis zeigt er, wenn Bürger den Tierschutzverein einschalten (»Machen Sie mal was!«), weil etwa fremde Katzen durch die Katzenklappe in die Wohnung kommen. »Solche Anrufe kommen häufiger vor, als man meint«, sagt er.

Seit Kurzem hat der Tierschutzverein eine Futterspenden-Box in einem großen Lebensmittelmarkt am Triftplatz aufgestellt. Mockler freut es, dass dort drin regelmäßig Futterdosen landen. Das erleichtert ihm und seinen Mitstreitern die Arbeit erheblich. Und diese wird immer wichtiger. Denn immer mehr Menschen wollen ein Tier. »Sie sollten aber bedenken, dass damit auch eine große Portion Verantwortung verbunden ist«. kp