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Ein Nadelöhr, durch das der Zug muss

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»Stellt Marktschellenberg die richtigen Weichen?« Um etwas Licht ins Dunkel des RSB-Projekts zu bringen, luden Clemens Wagner (CSU-Ortsvorsitzender Marktschellenberg, l.) und Hans Pfnür (CSU Marktschellenberg, r.), den stellvertretenden Obmann Gottfried Mayer (Mitte) zu einer Infoveranstaltung ein. Anzeiger-Foto
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Lang, lang ist's her: Doch vielleicht kommt der Schienenverkehr bald wieder nach Marktschellenberg zurück. Die Bahnlinie Salzburg - Berchtesgaden war von 1907 bis 1938 in Betrieb. Foto: privat

Marktschellenberg - Einblicke in das Jahrhundertprojekt »EuRegioBahnen Salzburg - Bayern - Oberösterreich« bekamen die Marktschellenberger Bürger am Mittwochabend im Mehrzweckraum des Feuerwehrhauses. Auf Initiative des CSU-Ortsvorsitzenden und 2. Bürgermeisters Clemens Wagner referierte Gottfried Mayer, stellvertretender Obmann des Vereins zur Förderung der »Regional Stadt Bahn«, zu möglichen Trassenführungen, zu Kosten sowie einer Machbarkeitsstudie.


»Wir glauben an ein Jahrhundertprojekt, nur darf es nicht mehr hundert Jahre dauern«, eröffnete Gottfried Mayer seinen Vortrag. Der RSB-Verein (Verein zur Förderung der »Regional Stadt Bahn Salzburg - Bayern - Oberösterreich«) hat sich auf die Fahne geschrieben, ein regionen- und grenzübergreifendes öffentliches Verkehrssystem für Salzburg, Bayern und Oberösterreich zu realisieren. »Wir können den Verkehr in der Zukunft nicht mehr nur über die Straße abwickeln, bereits heute kollabieren große Städte wie Salzburg täglich unter dem Pkw- und Lkw-Verkehr«, so Mayer. Auch in Marktschellenberg ist ein erhöhter Durchgangsverkehr zu den Stoßzeiten nach Salzburg deutlich erkennbar. Aus diesem Grund appellierte der stellvertretende Obmann für einen Produktmix aus Straße und Schiene. Vorbild dafür soll das »Karlsruher Modell« sein. Durch eine Kombination aus Stadtbahn, Regionalbahn und Nahverkehr verschwand der Pkw-Verkehr nahezu komplett aus der Karlsruher Innenstadt, die Gemeinden rundherum konnten sich positiv entwickeln: Anstieg der Bevölkerung, Anstieg der Gewerbesteuer.

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Das möchte der RSB-Verein nun auch für Salzburg und das angrenzende Bayern erreichen. Die drei touristischen Großregionen Berchtesgadener Land, Salzburg und das Salzkammergut sollen miteinander verbunden werden. »Insgesamt wären davon 1,6 Millionen Menschen betroffen«, prophezeit Mayer, »für die heimische Wirtschaft und den Tourismus ein Trumpf.« Derzeit sind 29 bayerische und österreichische Gemeinden Mitglieder im Verein. Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee und Marktschellenberg haben sich ebenfalls angeschlossen.

Wo konkret die Schienentrassen beispielsweise vom Mondsee zum Königssee verlaufen sollen, soll eine Machbarkeitsstudie herausfinden: »Wo macht es Sinn die Schienen zu installieren? Wo reicht als Querverbindung eine Buslinie?« Fragen wie diese sollen bis 2014 geklärt werden, dann muss ein Ergebnis vorliegen. Insgesamt kostet die Machbarkeitsstudie 1,1 Millionen Euro, dafür gibt es eine EU-Förderung von 50 Prozent aus Brüssel, der Rest teilt sich auf Finanzierungspartner, Verein und Gemeinden auf. »Die Einwohner einer beteiligten Gemeinde kostet die Machbarkeitsstudie 37 Cent pro Kopf«, informierte Mayer. Für den Einzelnen ein überschaubarer Betrag.

Im Moment feilen die Fachmänner an den Plänen zum Trassenverlauf, da es sich aber lediglich erst um noch nicht abgestimmte Vorschläge handelt, ist öffentlich noch nichts bekannt. »Für Marktschellenberg wollen wir bis Januar eine Diskussionsgrundlage schaffen«, zeigt sich Mayer zuversichtlich. Allzu viel konnte er noch nicht verraten, aber derzeit sollen die Schienen für die hochmodern elektrisch angetriebenen Straßentriebwagen mit Oberleitung von Grödig durch Marktschellenberg bis nach Berchtesgaden neben der Bundesstraße verlaufen. Wie schon länger bekannt, soll der Weg dann weiter neben der Straße durch Unterstein bis zum Königssee folgen. »Seitlich der Bundesstraße ist eine gute Lösung, die Schienen sollen bloß nicht in den Berg hinein, ihr müsst euren Ort herzeigen«, appellierte Mayer an die Schellenberger Bürger.

Ziehen Landes-, Stadt- und Regionalpolitik an einem Strang, könnte die erste Trasse bereits in fünf bis sieben Jahren realisiert sein. Laut dem Obmann wird dort begonnen, wo es jetzt schon die größten Verkehrsprobleme gibt: die Strecke Mondsee - Königssee. Als zweites würde die Trasse Anif - Hallein folgen, als drittes wäre die Trasse Flughafen Salzburg dran. Insgesamt müssten rund 160 Kilometer Schienenstrecke neu gebaut werden, dazu kämen rund 600 Kilometer bereits vorhandene Schienenstrecke. Das Herzstück der Regionalbahn soll die Stadtdurchfahrt von Salzburg werden. Doch all dies ist noch Zukunftsmusik, zuerst müssen alle Beteiligten ihr o. k. geben. Erst dann können weitere konkrete Schritte wie Grundstücksverhandlungen eingeleitet werden. Bislang stellt sich der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden aber immer noch quer. Doch Mayer ist zuversichtlich: »Das Problem wird sich lösen, Politiker sind nicht ewig am Zug.«

Insgesamt sind für das Jahrhundertprojekt RSB-Bahn 25 bis 30 Jahre veranschlagt. Kann das Schienennetz komplett oberirdisch gebaut werden, rechnet der Verein mit Gesamtkosten von 1 Milliarde Euro. Kosten für Grundstückserwerbe sind dabei noch nicht eingerechnet. ci