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Ein neuer Blickwinkel

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Seit der offiziellen Amtsübergabe Anfang August im »Haus der Berge« hat sich Roland Baier gut eingearbeitet. (Foto: Nationalpark Berchtesgaden)

Berchtesgaden – Die Aussicht darauf, viel bewegen zu können und ein Herz, das für das Thema Nationalpark schlägt, brachten ihn zurück nach Berchtesgaden. Dr. Roland Baier hat mittlerweile seine ersten 100 Arbeitstage als neuer Nationalparkleiter hinter sich und noch einiges vor.


Der Zufall brachte den gebürtigen Bayerwäldler bereits vor einigen Jahren erstmals zum Nationalpark Berchtesgaden. Damals noch als Stellvertretenden Leiter, gleichzeitig die Försterstelle im Nationalpark. »Erst durch die Ausschreibung habe ich erfahren, dass es diese Stellen im Nationalpark überhaupt gibt«, so Baier, der in Weihenstephan Forstwissenschaft studiert hat. Er bewarb sich, bekam die Stelle und »merkte erst da, wie toll das Thema Nationalpark ist«.

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Dabei waren Natur und Naturschutz schon immer wichtig für ihn. Bereits als Kind hat er sich für Natur interessiert. Heute erinnert er sich, dass er früh Insekten gesammelt oder ein Pflanzenbestimmungsbuch gekauft hat. »Da war aber noch nicht klar, dass ich einmal im Nationalpark landen würde.« Vielmehr war es Ausgangsposition für sein Forststudium. Später war er im Forstministerium für Naturwaldreservate zuständig.

Roland Baier sagt von sich selbst, dass er jemand ist, der Chancen ergreift, wenn sie sich ihm bieten. So geschehen vor drei Jahren, als ihm die Stelle des Stellvertreters am Bayerischen Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP) in Teisendorf angeboten wurde. Mit Aussicht darauf, Leiter der Behörde zu werden. Dass er noch einmal zum Nationalpark zurückkommen würde, dachte Baier damals nicht. Doch gerade dann, als er die Leitung des ASP übernehmen sollte, bekam Baier eine andere Stelle angeboten: die Leitung des Nationalparks Berchtesgaden.

»Mein Herz schlägt eigentlich für den Naturschutz und das Thema Nationalpark«, begründet Baier seine Entscheidung, zurückzukommen. Außerdem habe man einen großen Gestaltungsspielraum und die Chance, viel zu bewegen. »Hier wird mir in den nächsten 20 Jahren sicher nicht langweilig.«

Langweilig war ihm auch in den vergangenen Monaten nicht. Anfangs teilte er seine Woche noch zwischen dem Nationalpark und dem ASP auf, wo er mitarbeitete, bis ein neuer Leiter gefunden war. Im Nationalpark führte er während der ersten Wochen viele Gespräche mit seinen Mitarbeitern, die er ja zum größten Teil bereits kannte. Eine Tatsache, die vieles vereinfacht habe. Auch die Themen seien ihm schnell wieder präsent gewesen. Den Abstand, den er in den drei Jahren beim ASP hatte, ist für Baier auch ein Vorteil. »Ich betrachte dadurch vieles aus einem neuen Blickwinkel.« Die größte Herausforderung sieht Baier in seinen neuen Aufgaben in verschiedenen Gremien und Netzwerken, etwa bei Alparc, dem Netzwerk Alpiner Schutzgebiete.

Viel zu tun also. Aber: »Wenn man für eine gute Sache arbeitet, von der man überzeugt ist, macht man es auch gern«, ist Baier überzeugt. Das sei auch eines der Dinge, auf die es bei einem guten Nationalparkleiter ankomme. Das Wichtigste sei, dass einem der Naturschutz am Herzen liege sowie eine große innere Begeisterung. Außerdem sollte man gerne mit Menschen zusammenarbeiten, zuhören können und bereit sein, Kompromisse einzugehen. Und: »Bei mir weiß man, woran man ist. Wenn etwas besprochen ist, gehe ich die Dinge auch an.«

Woran sie bei ihm sind, können Einheimische im kommenden Jahr auch selbst herausfinden. Dann plant Baier nämlich selbst einige Führungen in den Nationalpark zu leiten. Zwei sollen gemeindespezifisch angeboten werden, um das direkte Gespräch mit den Einheimischen zu suchen. »Kritische Fragen sind willkommen«, bekräftigt Baier. So könne man sie im direkten Dialog ausdiskutieren. »Die Ziele des Nationalparks sind oft einleuchtend. Man muss sie nur erklären.«

Der neue Nationalparkleiter hat einiges vor. Um dabei nicht außer Atem zu kommen, hilft ihm Bewegung, mit dem Rad aber auch zu Fuß. »Auslüften«, wie er sagt. Im Nationalpark ist er dafür übrigens am liebsten am Forstbegangssteig im Klausbachtal unterwegs. Im Bayerischen Wald ist es die Buchberger Leite. »Das Naturerlebnis an diesen Orten ist etwas Besonderes – es entstehen immer neue Eindrücke. Da ist das Potenzial in der Natur greifbar.« Alexandra Rothenbuchner