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Ein Ostfriese schippert auf dem Königssee

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Er ist passionierter Tüftler: Herbert Neitzert aus Ostfriesland. (Foto: Wechslinger)
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Das Modell des Seenotkreuzers »Neuharlingersiel« beim »Schifferlfahren« in der Bucht Echostüberl. (2 Fotos: Waßmuth)
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Der Ostfriese Herbert Neitzert hat seine Modellschiffe mal nicht in der Nordsee, sondern im Königssee schippern lassen.

Schönau am Königssee – Der Seenotretter und Modellbauer Herbert Neitzert aus Ostfriesland hat am Mittwochabend seine Schätze im Königssee schwimmen lassen. Er ist nicht nur Mitglied der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, sondern auch der Interessengruppe Schiffsmodelbau Berchtesgadener Land (IGS). Sein Modell des Berchtesgadener Bahnhofs ist bald im restaurierten Gebäude in einem Glaskasten zu bewundern.


Herbert Neitzert, 80 Jahre, aus Altharlingersiel in Ostfriesland macht derzeit zum 25. Mal Urlaub in Berchtesgaden. Hier lebt er auch sein Hobby aus und lässt seine Modellschiffe im Königssee schippern. Der ehemals selbstständige Elektro-Maschinenbaumeister kennt Berchtesgaden gut. Schon seine Hochzeitsreise im Jahr 1961 führte ihn in die Ramsau.

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Im vergangenen Jahr lernte Herbert Neitzert den Vorsitzenden der Interessengruppe Schiffsmodelbau Berchtesgadener Land (IGS), Peter Mistlbacher, kennen. Neitzert trat zusammen mit seiner Frau der IGS bei und befuhr mit seinem Seenotkreuzer am Mittwoch zusammen mit den Berchtesgadenern den Königssee.

Den gebürtigen Solinger Herbert Neitzert hat es vor über 20 Jahren an die Nordsee verschlagen, weil er sich im dortigen Klima Linderung seiner chronischen Nebenhöhlenerkrankung verschaffen wollte. Neitzert schloss sich dort der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) an und leistet seit 20 Jahren ehrenamtlichen Dienst auf dem Seenotkreuzer »Neuharlingersiel«, den er bis ins Detail als Schiffmodell nachgebaut hat.

Die Mannschaft der großen Seenotkreuzer besteht immer aus vier Männern, die allesamt das Schiff manövrieren können. Neben dem Vormann (Steuermann) sind das ein Bordfunker, ein Navigator und ein Maschinist. Das Quartett versteht sich jedoch auf alle Funktionen und auch auf die Wasserrettung. Die Seenotretter sind auch medizinisch ausgebildet und können via Kamera in Verbindung mit Cuxhaven nach Vorgaben von Medizinern auf hoher See erste Rettungsmaßnahmen durchführen. »Leider bestehen die heutigen Schiffe nur noch aus Hightech mit Chipkarten und Modulen und so kann ich bei Problemen im Gegensatz zu früher nicht mehr helfen«, bedauert Neitzert.

Im Notfall werden die Seenotkreuzer von der Zentrale in Bremen gerufen und fahren dann in den Einsatz, der sich stets unterschiedlich gestaltet. Aus Bremen wird das Boot in den Einsatz gerufen, das am schnellsten am Havaristen sein kann. Die kleinen Seenotkreuzer decken das Wattenmeer um die Inseln ab, während das Einsatzgebiet der großen Rettungskreuzer oberhalb von Helgoland bis nach England reicht. Für den südlichen Bereich der Nordsee sind die Niederländer zuständig, während für die ostwärtigen Gebiete die Dänen verantwortlich zeichnen. Zwar werden Schiffbrüchige oder Erkrankte sowie Verletzte weitgehend von Hubschraubern geborgen, doch bei Nebel oder in der Nacht können die Hubschrauber nicht fliegen – dann sind die Rettungskreuzer im Einsatz.

Nachdem sich Herbert Neitzert vor 20 Jahren als Freiwilliger der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger angeschlossen hat, begann er gleichzeitig mit dem Modellbau von Seenotkreuzern.

Bahnhof aus 1960er Jahren im Modell nachgebaut

Als passionierter Modellbauer schuf Neitzert in den 1970er Jahren neben vielen Modellen wie den Lokschuppen in Freilassing auch einen maßstabsgetreuen Nachbau des Berchtesgadener Bahnhofs, der in den nächsten Wochen in einer Vitrine im Inneren des Gebäudes einen Ehrenplatz bekommen soll.

Der neue Besitzer des Bahnhofs, Ralph Müller, hat bei den Fahrdienstleitern ein Foto von Neitzerts Modell des alten Bahnhofs gesehen und nachgefragt, wo denn dieses Modell stehe. Nach einem Anruf Müllers gab Neitzert zu verstehen, dass er das Modell vor 20 Jahren bei seinem Umzug von Solingen nach Ostfriesland verkauft habe. Neitzert trat mit den jetzigen Besitzern des Berchtesgadener Bahnhofsmodells in Verbindung und kaufte das Modell zurück. Derzeit wird der etwas lädierte Miniaturbahnhof an der Nordsee restauriert. In der nächsten Woche trifft sich der Modellbauer mit Bahnhofbesitzer Müller, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Christian Wechslinger