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Ein Provisorium, das hält

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Katherl (Lisi Hopfinger) kleidet den feschen Knecht (Hansi Resch) für ein Theaterstück ein. Sodann folgt Verwechslung auf Verwechslung.
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Ende gut, alles gut: Die jungen Liebespaare haben sich gefunden, die Eltern sind zufrieden. Lisi Graßl, Hansi Resch, Bärbel Resch, Waltraud Hopfinger, Rudi Fendt, Lisi Hopfinger und Seppi Boigs (v.l.) überzeugten mit ihrer schauspielerischen Leistung im Einakter »D'Generalprob'«. Fotos: Anzeiger/tp

Ramsau - Zur düsteren Jahreszeit erheitern die Theaterbühnen des Berchtesgadener Talkessels das Gemüt der Einheimischen. Eine Besonderheit ist die Ramsauer Laienbühne unter der Leitung von Rudi Fendt. Sie besteht seit 21 Jahren und ist gemeinnützig. Die Vorverkaufsgebühren werden bei der Kartenabholung zurückerstattet oder man kann sie spenden. Ein Teil der Spende geht an eine bedürftige Familie in Ramsau, der andere Teil geht an ein Projekt in Tansania. Initiatorin Gerda Kurz erläuterte zusammen mit Rudi Fendt eingangs der Vorstellung, dass das Geld direkt und ohne Verwaltungskosten nach Tansania gebracht und dort zielgerichtet eingesetzt wird. Von dem Erlös aus dem Getränkeverkauf gibt es kein Honorar für das Ensemble, sondern einen Ausflug zu einem anderen Theater mit dazugehöriger Einkehr.


Was die Ramsauer Laienbühne mit ihren beiden Einaktern »Die Nervensäge« und »D'Generalprob« auf die Beine gestellt hat, gehört eindeutig zu einem erheiternden Herzenswärmer in der kalten Jahreszeit. Wie im richtigen Leben erscheint einem die weibliche Nervensäge (Waltraud Hopfinger) des Theaterautors Fritz Klein samt unterdrücktem Ehegespenst (Mathias Boigs), von welcher die Familie Walter nach 20 Jahren plötzlich heimgesucht wird und deshalb ihren wohlverdienten Urlaub nicht antreten kann. Denn die Nervensäge macht ihrerseits Urlaub bei ihnen und bringt die gutmütige Hausfrau (Annemarie Palzer) mit Ehemann (Sylvester Stöckl) und Tochter (Lisi Graßl) mit Freund (Seppi Boigs) an den Rand des Zusammenbruchs. Bis sich herausstellt, dass es im Ort noch eine Familie Walter mit »h« gibt. Aber zu dem Zeitpunkt haben sich die beiden Ehemänner bei etlichen Schnapsei längst angefreundet. Und so, wie ein Schnapsei das Völlegefühl nach einer zu üppigen Mahlzeit zu beseitigen vermag, hilft es auch, dominante bessere Hälften in den Griff zu bekommen und den allgemeinen Hausfrieden wiederherzustellen.

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Die Premierenbesetzung der Provisorimusi (Gitarre: Christian Leitner, Ziach: Bernhard Gruber, Posaune: Michael Liebl) stimmte, wie schon zu Anfang den Einstand, die Pause an, und läutete flott den Beginn des zweiten Einakters »D'Generalprob'« von Josef Zeitler ein. Der ländliche Schwank entspinnt sich aufgrund einer Verwechslung, als die hübschen, befreundeten Bauerntöchter Reserl (Lisi Graßl) und Katherl (Lisi Hopfinger) den knackigen Knecht (Hansi Resch) für die Generalprobe eines Theaterstücks einkleiden. Just in diesem Moment betritt der angereiste und vermögende Bauer (Rudi Fendt) samt feschem, aber nicht ganz hellem Sohn (Seppi Boigs), den Raum, und dem Knecht in Frauenkleidern bleibt angesichts der Gefahr, seine Auserwählte an den Bauernsohn zu verlieren, nichts anderes übrig, als mitzuspielen. Virtuos hangelt er sich durch das Geschehen, eine Verwechslung folgt der nächsten - bis zum »Showdown«, als er sich als Knecht zu erkennen gibt und die Bäuerin und Mutter (Bärbel Resch) von Reserl gezwungen ist, ihr Ja zum Glück der standesgemäß ungleichen jungen Leute zu geben. Katherls Mutter (Waltraud Hopfinger) kann sich dann über die treffliche Verbindung ihrer Tochter mit dem Jungbauern freuen.

Für die größten Lacher sorgten eingeflochtene Pointen auf Persönlichkeiten und Gegebenheiten in Ramsau. Oder ein kleiner Texthänger, welcher von der Souffleuse (Veronika Stöckl) gekonnt pariert wurde, sorgte auf beiden Seiten für eine Lachpause. Und das machte diese Premiere so sympathisch. Der »Hänger« war nicht schlimm, sondern menschlich. Das, was die Laienbühnen hier im Talkessel spielen, wird zwar nie ganz an professionelle Bühnen heranreichen, aber darum geht es gar nicht. Einzig und allein die Herzen will es erreichen. Nur darauf kommt es an. tp