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Ein »Redhaus« mit grenzenlosem Humor

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In ihrem braunen Buch hatte Burgi Fendt alle ihre Verserl niedergeschrieben. Das Bild entstand zu ihrem 90. Geburtstag vor knapp zwei Jahren. (Foto: Merker)

Ramsau – Sie nahm das Leben stets mit Humor, auch in schwierigen Zeiten – letzten Freitag verstarb Burgi Fendt im Alter von 90 Jahren.


Noch zu ihrem 90. Geburtstag vor knapp zwei Jahren hatte sich Burgi Fendt im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« in erstaunlich guter geistiger und körperlicher Verfassung präsentiert. Am Freitag letzter Woche verstarb die Ramsauer Heimatdichterin nach kurzer, schwerer Krankheit in der Kreisklinik Bad Reichenhall.

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Vor allem ihre Verserl haben Burgi Fendt in der Heimat und weit darüber hinaus bekannt gemacht. Mit Worten konnte sie umgehen, sowohl schriftlich als auch verbal. »Mein Mann hat immer gesagt, wenn wir auf den Berg gegangen sind: Jetzt halt amal die Goschn«, so Burgi Fendt damals zum Reporter des »Berchtesgadener Anzeigers«. Sie bezeichnete sich selbst gerne als »Redhaus«. Und das war auch noch mit grenzenlosem Humor ausgestattet. »Wenn man eine fröhliche Natur hat, ist es besser«, sagte sie.

Ihre Mutter Barbara Punz, die aus dem Königsseer Thalerlehen stammte, war viele Jahre als Sennerin auf der Bindalm und auf der Kammerlingalm. Dort hat sie auch den Vater Dionys Schmidl, einen Weber aus Heiligenblut am Großglockner, der als Almaufseher gearbeitet hat, kennengelernt. Die Eltern wohnten dann im Klettnerhäusl an der Alpenstraße, wo Burgi auch aufgewachsen ist. 1934 zog sie mit ihren Eltern in das neu erbaute Haus »Fichtenstein« an der Hinterseer Straße oberhalb der Marxenbrücke. Sie selbst hat früher bei der Spedition Maier in der Ramsau gearbeitet. Es waren die entbehrungsreichen Zeiten des Krieges. Später hat Burgi im Wimbachschloss ausgeholfen.

Ihren späteren Mann Johann Fendt, einen Zimmerer vom Gratzenlehen, hat sie im Dorf kennengelernt und 1954 geheiratet. Sein Tod im Jahr 1983 war ein schwerer Schicksalsschlag für Burgi Fendt. Ihr Sohn Rudi sowie die drei Enkelkinder Laura, Theresia und Roman, zu denen sich zuletzt auch noch Urenkel Maxi hinzugesellte, haben ihr aber über die schwere Zeit hinweggeholfen. Sie waren ihr ganzer Stolz. Stets war die Oma für ihre Enkel da, umgekehrt hatten die Kleinen ihre Oma sehr ins Herz geschlossen. Und wenn Burgi Fendt neben der Enkelbetreuung und der Gästevermietung einmal Zeit für sich selbst hatte, dann ging sie am liebsten in die Berge und genoss die Natur.

Für die Enkel hatte die Oma auch ein paar lustige Verserl geschrieben und wollte sie beim »Berchtesgadener Anzeiger« drucken lassen. Am Ende entwickelte sich daraus gar ein richtiges Buch. Im Laufe der Jahre sind so vier der bekannten »Boarischen Verserl für Oid und Jung« aus der Feder von Burgi Fendt entstanden. Beobachtetes, Alltägliches, Menschliches und Allzumenschliches hat die Autorin in ihrer unterhaltsamen Art in Versform niedergeschrieben. In den letzten Jahren schrieb Burgi Fendt zwar nicht mehr, dafür las sie immer noch sehr viel. Auch wenn es nach ihrem 90. Geburtstag gesundheitlich etwas bergab ging, so konnte sie sich ihre positive Lebenseinstellung bis zum Schluss bewahren.

Das Requiem für Burgi Fendt mit anschließender Urnenbeisetzung wird am Mittwoch, 3. Mai, um 10  Uhr in der Pfarrkirche Ramsau gefeiert. Ulli Kastner