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Ein schriftstellerischer Blattschuss

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Koch Andi Striemitzer (l.) und die beiden Autoren Lisa Graf-Riemann und Ottmar Neuburger präsentieren jeweils ihre Version eines »Rehragouts«. Foto: Anzeiger/Merker

Berchtesgaden – Nach »Hirschgulasch« hat das Autorenduo Lisa Graf-Riemann und Ottmar Neuburger nun seinen zweiten Kriminalroman »Rehragout« vorgestellt. Bei der Premierenlesung in »Striemitzers Esszimmer« gab es natürlich das zu essen, was der Romantitel vorgab. Wie schon in »Hirschgulasch«, sind die Ukraine und Berchtesgaden Schauplatz der abenteuerlichen Räuberpistole.


Marjana, Luba und Wiktor sind zurück. Das Kleinganoventrio aus Kiew hat im ersten Band »Hirschgulasch« einen sagenhaften Nazi-Goldschatz im Hohen Göll gefunden. Jetzt kehren die drei reich zurück in ihre Heimat Kiew. Der Nachfolgeband »Rehragout« setzt unmittelbar beim Rückflug an. Doch die drei sind den Umgang mit so viel Geld nicht gewöhnt. Es zerrinnt ihnen schneller durch die Finger, als gedacht. Jeder verbraucht es auf seine Weise und fast tun sie einem beim Lesen leid, wie sie das Geld schneller ausgeben, als ihnen lieb ist.

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Noch dazu gibt sich Jurij, der Mafia-Pate von Kiew, nicht zufrieden. Er wittert unermesslichen Reichtum und da passt es ihm nur zu gut, dass er mit den Dreien noch eine Rechnung offen hat. Währenddessen verbringt die Schönauer Kommissarin Leni Morgenroth einen anstrengenden, aber durchaus beschaulichen Sommer auf der Alm. Doch als das Trio wieder im Berchtesgadener Talkessel auftaucht, wittert die Kommissarin kriminelle Machenschaften. Nur beweisen kann sie es nicht und so muss sie auf eigene Faust ermitteln. Am Ende gibt es einen Schuss in der Goldhöhle und für einen kommt jegliche Hilfe zu spät.

Lisa Graf-Riemann und Ottmar Neuburger erzählen die Geschichte der drei Ukrainer so weiter, dass auch jeder, der den ersten Band nicht kennt, erfährt, auf welchen abenteuerlichen Wegen sie in der Sperrzone um Tschernobyl zu einer Schatzkarte aus dem Zweiten Weltkrieg gelangten. Der unermessliche Nazi-Goldschatz in einem Höhlensystem im Hohen Göll wartet verlockend darauf, weiter geborgen zu werden. Doch wer kann wem trauen, und welche Absichten hegen die Beteiligten? Das Ganoventrio hat es nicht einfach und sowohl die Berchtesgadener Berge, als auch die Kommissarin und der Pate von Kiew werden zur eigentlichen Herausforderung.

Wieder ist dem Autorenduo ein flüssiger und spannender Kriminalroman gelungen. Die Beschreibungen aus der Ukraine lesen sich sehr authentisch, auch wenn die Autoren ihre geplante Reise dorthin wegen der politischen Lage absagen mussten. Trotzdem schaffen sie es, ein stimmiges Bild des Landes in der ersten Hälfte des Romans zu beschreiben.

Die zweite Hälfte ist wieder in Berchtesgaden angesiedelt und da spielen einige lokale Gegebenheiten mit hinein. Das Haus der Berge mit seiner umstrittenen Architektur, die Entlassung der Rundgangsleiter in der Dokumentation Obersalzberg oder die enorme Strahlenbelastung im Berchtesgadener Land nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl.

Die erste Frage des Publikums betraf den Schreibvorgang der beiden. Ist es nicht schwierig, zu zweit einen Roman zu schreiben? »Das geht eigentlich sehr gut«, erklärten Graf-Riemann und Neubauer. »Wir entwickeln zusammen den Plot, also das Grundgerüst der Geschichte und dann verteilen wir die Szenen. Jeder schreibt seine Szene und dann tauschen wir sie aus.« Dabei sitzt jeder an seinem Schreibtisch und man schickt sich per Mail die fertigen Texte zu. Dass zwei Autoren die Geschichte geschrieben haben, merkt man dem Buch nicht an. Alles fügt sich stilistisch passend aneinander. »Ich muss immer die Polizeiszenen nehmen«, so Graf-Riemann lachend. »Ottmar mag die nicht schreiben.«

Dass es gelegentlich auch zum Streit über Details kommt, verheimlichen die beiden nicht. »Aber es ist besser geworden.« Um den Überblick über die handelnden Personen nicht zu verlieren, haben sie sich Playmobil-Figuren zugelegt und die Szenen aufgestellt – wer befindet sich wann wo. »Schließlich standen da 40 Figuren herum«, erzählen sie. Denn es gibt verschiedene Handlungsstränge, die noch dazu auf verschiedenen Zeitebenen spielen.

Die Geschichte um die Drei aus der Ukraine ist nun abgeschlossen. Doch die nächsten Projekte sind schon in Arbeit, wie die Autorin und der Autor berichteten. Nun sind sie vorerst glücklich, nach einem halben Jahr intensiver Schreibzeit das »Rehragout« fertig gekocht zu haben. Wie schon bei »Hirschgulasch«, ist ihnen dabei eine gute Mischung aus verschiedenen Genres gelungen, die nicht nur wegen des Berchtesgadener Lokalkolorits Spaß macht zu lesen.

»Rehragout« ist im Emons-Verlag erschienen, umfasst 330 Seiten und kostet 10,90 Euro. Christoph Merker