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Ein Spatenstich mit langer Wunschliste

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Symbolischer Spatenstich für den Haltepunkt Freilassing-Hofham unter dem Zeltdach bei strömendem Regen (v.l.): Landrat Georg Grabner, Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für den Freistaat Bayern, Helmut Zöpfel von der DB, Leiter des Bahnhofsmanagements Oberbayern, Staatsminister Joachim Herrmann, Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber und Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher. Foto: Susanne Wünsche-Reitter

Freilassing/Berchtesgaden – Lang war die Wunschliste, die sich der bayerische Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann anhören musste, als er mit heimischen Bürgermeistern von Freilassing bis Berchtesgaden im Führerstand der Berchtesgadener Land Bahn (BLB) die Strecke von Freilassing nach Berchtesgaden fuhr. Anlass für den Termin war in Freilassing der Spatenstich für den neuen Haltepunkt Hofham, der mit dem Fahrplanwechsel im Dezember in Betrieb gehen soll (wir berichteten kurz). 1,3 Millionen Euro haben Bund, der Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn für den 180 Meter langen und 2,75 Meter breiten Bahnsteig locker gemacht. Er ist ausgestattet mit einem taktilen Blindenleitsystem, einer Wetterschutzanlage sowie einer digitalen Schriftanzeige.


Zu den 1,3 Millionen Euro gibt die Bahn heuer noch vier Millionen für die Bestandssanierung der Strecke bis Berchtesgaden aus. Geschätzte Dauer der Bauarbeiten: Sechs Wochen. Diese Einzelheiten teilte der oberste Bahnchef für Bayern, Klaus-Dieter Josel, mit.

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In seiner Begrüßung betonte Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher zwar, wie wichtig diese Verbesserung der Bahnanbindung für die Bewohner Hofhams sei, vergaß jedoch nicht zu erwähnen, dass der Freilassinger Bahnhof auch eine Barrierefreiheit brauche und insgesamt einer dringenden Verbesserung bedürfe.

»Wir bauen weiter an der Zukunft Bayerns«, so Verkehrsminister Herrmann und weil Bayern ein Bahnland sei, sei er gerne, auch für eine kleine Maßnahme, hierhergekommen. Die Bahn solle nicht nur für Güter, sondern auch für Menschen attraktiv sein. Seit 1996 seien in Bayern 60 neue Haltepunkte geschaffen worden.

Allerdings, und damit richtete der Minister sich an Freilassings Bürgermeister, sei der Umbau des Bahnhofs zur Barrierefreiheit nicht im laufenden Investitionsprogramm bis 2018 enthalten, Freilassing käme erst im folgenden Programm zum Zuge.

Während der anschließenden Zugfahrt nach Berchtesgaden versuchten dann die Bürgermeister der Gemeinden an der Strecke gemeinsam mit BLB-Verkehrsdirektor Gunter Mackinger den Minister von der, aus ihrer Sicht, Notwendigkeit weiterer Haltepunkte zu überzeugen. Mackingers Leitmotiv dabei: Die Haltepunkte sollten möglichst nah für möglichst viele Menschen sein.

Und dann ging es Schlag auf Schlag: Verbesserung des »mickrigen« Haltepunktes in Ainring, der nicht angemessen für 4 000 Bürger sei; Wunschhaltepunkt Feldkirchen; die Gemeinde Piding hat schon den Bahnhof gekauft und will ihn umbauen; Bad Reichenhall braucht drei neue Haltepunkte: Staufenbrücke, Bad Reichenhall Nord und Mitte, wobei letzterer schon zugesagt ist. Ein bahntechnisches Ärgernis sind zwei Steilstrecken mit 40,8 Promille Steigung, bei Bayerisch-Gmain und Hallthurm, denn ab 40 Promille muss immer ein zweiter Lokführer mitfahren. Diese Vorschrift lockte den Minister ein wenig aus der Reserve: »Ist das denn sinnvoll? Muss das denn sein? Wir haben doch heute keine Heizer mehr, die für die Steigung eine Schaufel Kohle nachlegen müssen«, die mitfahrenden Experten sahen das ähnlich wie Joachim Herrmann. Bei Bayerisch Gmain zeigte die Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber auf einen gefährlichen Bahnübergang: »Hier passieren die meisten Fahrgastunfälle«. Bei Hallthurm möchten Mackinger und der Bürgermeister, dass der Zug wegen der Wanderer hält, die Bayerische Eisenbahngesellschaft ist dagegen, es seien zu wenig Ein- und Aussteiger. Trotzdem wird möglicherweise der Haltepunkt aktiviert. Beim Panoramapark wäre ebenfalls ein Haltepunkt nötig, in Winkl ist er schon zugesagt. Der Bahnhof Bischofswiesen ist noch in Privatbesitz, die Gemeinde will ihn kaufen und plant den Bau von Unterführungen. Während der Zug in Berchtesgaden einrollt, äußert Gunter Mackinger einen letzten Wunsch: eine Verlängerung der Bahnstrecke bis zur Watzmanntherme.

Über die Finanzierung wurde bei all den Vorschlägen und Wünschen nicht gesprochen, nur so viel: Den Nahverkehr muss Bayern bezahlen. Bei der Fahrt wurde wieder einmal deutlich: So schön die Strecke Freilassing-Berchtesgaden auch ist, für die Lokführer ist sie eine Herausforderung. Laufend gibt es unbeschrankte Bahnübergänge, auch an unübersichtlichen Stellen, an denen der Zug auf zwanzig Stundenkilometer abgebremst werden muss, ein Zug, der eigentlich bis 160 km/h zugelassen ist. Auf der Strecke Freilassing-Berchtesgaden gibt es nur eine Schnellstrecke. Sie ist bei Feldkirchen. Da fährt er 90 km/h. Susanne Wünsche-Reitter