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Ein Textilstück aus der Vergangenheit

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Bürgermeister Herbert Gschoßmann (2.v.r.) und Anderl Beer freuen sich über das wertvolle Ausstellungsstück. (Foto: Amort)
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Diese original Ramsauer Tracht aus der Zeit um 1800 ist jetzt in der Ramsauer Tourist-Info zu bewundern. (Foto: Voss)

Ramsau – Die Gemeinde Ramsau ist seit einiger Zeit um eine Attraktion reicher. Im Eingangsbereich der Tourist-Info ist hinter einer Glaswand in einer Nische eine Männerfigur ausgestellt, die ein Original-Trachtengewand aus dem frühen 19. Jahrhundert trägt.


Wie Nachforschungen ergeben haben, hat sich das Aussehen der Tracht in Ramsau im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt. Auf einer Reihe von Votivtafeln in den Wallfahrtskirchen Ettenberg, Maria Gern und Kunterweg ist der Trachtenwandel historisch festgehalten. Zur Dokumentation der Ramsauer Tracht hatte Kronprinz Maximilian im Jahr 1846 den Berchtesgadener Maler Anton Lanzlott damit beauftragt, die Tracht um das Jahr 1800 auf einem Gemälde darzustellen. Ebenso wurde der bekannte Schriftsteller Josef Friedrich Lentner aufgefordert, die Tracht dieser Zeit zu beschreiben.

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Nach diesen Aufzeichnungen trugen die Männer einen schwarzen Zwilch-Langrock aus dichtem Leinen- oder Baumwollstoff, eine schwarze kniefreie Zwilchhose mit einem ledernen Hosenträger, schwarze Manchesterweste und einen mit Zinn beschlagenen oder federkielbestickten Leibriemen (Geldkatze). Dazu wurden an Festtagen weiße Strümpfe aus Hasenwolle und Riemenschuhe getragen. Die Einfachheit dieser Männertracht unterstrich ein niedrig gehaltener schwarzer Filzhut mit Goldschnur und Quaste.

Die in Ramsau aufgestellte Trachtenfigur entspricht damit genau den Angaben dieser Zeit. Unter dem Einfluss der königlichen Hofjagden sowie der Jagdgesellschaften des Prinzregenten Luitpold fand das jagerische Liachtgrau mit grüner Bandzier, Krageneinfassung, Schützenhut, Lederhose, Wadelstrümpfen und Haferlschuhen seinen Zuspruch bis in die heutige Zeit. Der Prinzregent, der oftmals in den Berchtesgadener Bergen zur Jagd ging, wurde so zum Leitbild der jetzigen Tracht.

Animiert durch eine alte Aufnahme seines Vaters stellte Sebastian Votz senior (Fendei) Nachforschungen an, um die auf dem Bild dargestellte Tracht aufzufinden. Es stellte sich heraus, dass Teile davon im Bauernanwesen Flodermühle aufbewahrt wurden. Mithilfe mehrerer engagierter Ramsauer Bürger gelang es, die über 200 Jahre alte Männertracht zu erwerben und zu vervollständigen. Schnell war auch ein würdiger Platz in der Gemeinde gefunden.

Zur Ausstellungseröffnung in der Tourist- und Gemeindeverwaltung kam neben Bürgermeister Herbert Gschoßmann und Kurdirektor Fritz Rasp auch Radiomoderator Christian Riedl vom Bayerischen Rundfunk. Sein Interesse galt natürlich dem Auffinden der Tracht, bis hin zur Aufstellung der Figur. Interviewpartner waren vor allem Anderl Beer vom Bauernhof Flodermühle und die Initiatoren der Ausstellung, Sebastian Votz senior und Michael Gröll. Große Beachtung fand auch der Berchtesgadener Schnitzer Kurt Becker, der in seiner unnachahmlichen Art schilderte, wie er die ursprünglich sitzende Schaufensterfigur zu dem jetzt stehenden Trachtenträger umgearbeitet hatte. Hierzu musste er die Füße begradigen und neue Hände und einen neuen Kopf schnitzen. Das beeindruckende Ergebnis seiner Schnitzkunst fand bei allen Betrachtern vollste Anerkennung. Insbesondere die fein ausgearbeiteten und klaren Gesichtszüge und die markante Nase des Trachtenmannes spiegeln die harten Bedingungen und das entbehrungsreiche Leben seiner Zeit wider.

Bürgermeister Herbert Gschoßmann freute sich über das wertvolle »Stück aus der Vergangenheit« und dankte im Namen der Gemeinde allen, die zum Gelingen der für die Öffentlichkeit zugänglichen Ausstellung beigetragen haben. Alois Amort