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Ein wichtiger Baustein der Spitzenförderung

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Schönau am Königssee - Spitzenförderung Dürreck
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Die Außenansicht des neuen »Haus der Athleten« am Dürreck. (Fotos: Bittner)
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Der Blick aus einem der Konferenzräume im Erdgeschoss.
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Zahlreiche aktive und auch ehemalige sportliche Ehrengäste kamen zur Einweihung (v.l.): Hilde Graßl (Gerg/Ski alpin), DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier, Alexander Resch (Rodeln), Anke Wöhrer (Karstens/Snowboard) und Anja Selbach (Huber/Skeleton).
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Symbolische Schlüsselübergabe an (v.l.) die Leiter des CJD Bayern Dr. Veronika Seiberl und Christian Hinterbrandner durch die Architekten Bernhard Putzhammer, Fred Meier und Eberhard Steinert aus Garmisch Partenkirchen.

Schönau am Königssee – Das neue »Haus der Athleten« mit der Hausnummer 4 am Dürreck steht kurz vor seiner Fertigstellung. Am Freitag konnten Besucher bei der feierlichen Einweihung mit symbolischer Schlüsselübergabe auf rund  200 Metern einen Rundgang in der neuen Einrichtung machen.


Im Innenhof fällt der erste Blick auf große Porträts ehemaliger Schüler, der Olympiasieger Andi Wellinger und Laura Dahlmeier, die einst hier oben an der CJD Christophorusschule die Schulbank drückten. Nachwuchsathleten, die Kader-Status besitzen, werden künftig in den Genuss der neuen Einrichtung kommen und mitten im alpinen Gelände ein familiäres Zuhause in einer großen Gemeinschaft finden.

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Das barrierefreie Haus, zum Großteil von heimischen Firmen errichtet, schmiegt sich gelungen an den Hang: Hochmodern, den aktuellen Ansprüchen mehr als genügend. Eine Dienstwohnung, Zimmer für die Betreuer, Schulungsräume, Seminar-, Aufenthalts- und Gemeinschaftsräume, Physiotherapie-, Trocken-, Lager-, Wachs-, Wasch- sowie Werkstatt- und 64 Wohnräume mit 75 Plätzen sind in knapp zwei Wochen bezugsfertig.

Darunter fünf für beeinträchtigte Sportler wie Nikolai Sommer vom TSV Waging: Der alpine Rennläufer aus Kirchanschöring verunglückte am 11. Mai 2017 im Training schwer und ist seitdem querschnittsgelähmt. »Für den heute 17-Jährigen wird ein Wohnraum behindertengerecht eingerichtet«, informierte Christian Hinterbrandner, Gesamt- und Kaufmännischer Leiter des Christlichen Jugenddorfwerks Bayern. Er bezeichnete den Neubau – ein in Deutschland einzigartiges Inklusionsprojekt – als »wichtigen Baustein der Spitzensport-Förderung im Berchtesgadener Talkessel«. Die Architekten und Baufirmen schufen ein Projekt, welches Lehrern wie Sportlern, also den Schülern, die Arbeit erleichtert und verschönert.

Seit fast 50 Jahren werden an den CJD Christophorusschulen Berchtesgaden Nachwuchssportler betreut. Zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft und ehemalige wie aktive Sportgrößen aus der Region scheuten den steilen Weg aufs Dürreck nicht, um den Feierlichkeiten beizuwohnen: Schorsch Hackl, Hilde Graßl (Gerg), Anja Selbach (Huber), Anke Wöhrer (Karstens), die Rodel-Tobis Wendl und Arlt, Alexander Resch, Anna Fernstädt, Regina Häusl, DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier, Helmut Weinbuch oder der ehemalige Bundestrainer der Biathlon-Damen, und Uwe Müßiggang waren zugegen.

1 900 m² Nutzfläche auf 1 200 Höhenmetern

Architekt Eberhard Steinert aus Garmisch-Partenkirchen informierte im Namen seiner beiden beteiligten Kollegen Bernhard Putzhammer und Fred Meier über Planung und Umsetzung des stolzen Bauwerks auf zweieinhalb Etagen, lichtdurchflutetem Innenhof und 1 900 Quadratmeter Nutzfläche bietend. »Auf Felsen sind wir nicht gestoßen, wir mussten also nicht sprengen. Das schwierigste war jedoch der Aushub in dieser doch außergewöhnlichen Lage«, so Steinert.

Von der ersten Idee der Einrichtung bis zur Fertigstellung vergingen 16 Jahre. Dazu gehörten zunächst die Ertüchtigung der Ganztagesschule sowie der Bau einer Doppel-Turnhalle. Das Auswahlverfahren für das »Haus der Athleten« begann, nachdem es 2013 wieder auf die Tagesordnung des Kultusministeriums kam, Ende 2014. Nach zwei Jahren Planungs- und 18 Monaten Bauzeit steht das neue Internatsgebäude nun kurz vor seiner Vollendung.

Den kirchlichen Segen für das Gebäude, alle Mitarbeiter und seine künftigen Bewohner erteilten der katholische Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob und sein evangelischer Kollege, Pfarrer und Diakon Peter Schulz. Sie gedachten bei dieser Gelegenheit dem kürzlich verstorbenen CJD-Verbindungslehrer Kurt Heinz.

Sportliche Erfolge ermöglichen Spenden

Der Festakt wurde in die 2010 erbaute CJD-Sporthalle verlegt, musikalisch eingerahmt von der Bläsergruppe der Realschule unter der Leitung von Schuldirektor Wolfgang Greiner. Grußworte sprachen Hans Wolf von Schleinitz, Vorstand des CJD Deutschland, Stefan Kantsperger, Leiter des CJD-Gymnasiums am Dürreck, der 2. Bürgermeister von Schönau am Königssee Richard Lenz, ein Vertreter aus dem Kultusministerium für den verhinderten Minister Bernd Sibler und Dr. Sven Baumgarten vom Deutschen Olympischen Sport-Bund (DOSB). Ihm oblag zusammen mit dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband die Aufgabe, das CJD Berchtesgaden unter 43 Sport-Eliteschulen in Deutschland zum dritten Mal als »erfolgreichste Eliteschule des Jahres« auszuzeichnen.

In diesem Zuge überreichte Sparkassen-Vorstandsmitglied Christian Maltan eine Urkunde und 17 000 Euro an Stefan Kantsperger. Der Schulleiter sagte erfreut: »Diese Spendensumme ist nur durch die sportlichen Erfolge unserer Athletinnen und Athleten möglich.« Das Geld fließe komplett in das neue Gebäude: »Für Dinge, die in der Grundausstattung nicht enthalten waren«, informierte Hans Wolf von Schleinitz auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. CJD-Sportkoordinator Christian Scholz stellte das Team vor, welches hinter Österreich die Silbermedaille bei den Internationalen Winterspielen gewann.

In Abwesenheit wurde der »CJD-Sportler des Jahres« ausgezeichnet: Skispringer Constantin Schmid belegte unter anderem bei seiner zweiten Vierschanzentournee 2017/18 Gesamtrang 18. Er steckt bereits mitten in den Trainingsvorbereitungen und konnte somit nicht an der Ehrung teilnehmen. Bei der Sport-Gala in diesem Jahr war er bereits als »Herausragender Absolvent des CJD Berchtesgaden« geehrt worden.

Eine Brotzeit und Führungen durch das neue Haus beschlossen den feierlichen Einweihungstag am Dürreck. Hans-Joachim Bittner