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Ein Wurf mit Bumerangeffekt

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Im Frühjahr soll feststehen, wer das »Schloss Fürstenstein« bekommt. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Das »Schloss Fürstenstein« über den Dächern Berchtesgadens gehört mit drei weiteren Gebäuden in der Nachbarschaft dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), der seinen Sitz in München hat. Das Ensemble steht derzeit zum Verkauf. Eine Initiative »Ein Schloss für alle«, vertreten durch Lena Wichmann und Jürgen Merks, bewarb sich früh um den Erwerb und holte Mitstreiter ins Boot, die als Gewicht in weiteren Verhandlungen eine Rolle spielen sollten. Ein von der Initiative lancierter Artikel in der Lokalzeitung machte allerdings viele weitere Interessenten erst auf die Verkaufsabsicht aufmerksam. Nun sieht sich die Initiative beim Run um das Mitte des 18. Jahrhunderts von Fürstpropst Michael Balthasar Graf von Christalnigg in Auftrag gegebene Schlösschen, in dem Generationen von Lehrerinnen und Lehrern ihre Ferien verbrachten, ausgebootet.


Manchmal gehen selbst gut gezielte Schüsse nach hinten los. Die Initiative »Ein Schloss für alle« hatte ein Konzept vorgelegt, das vorsah, das Schloss Fürstenstein künftig als Wohnraum für Schnitzschüler und als Treffpunkt von Vereinen sowie zu Veranstaltungen zu nutzen. Dieses Konzept, so bestätigte Dr. Dieter Reithmeier, Geschäftsführer des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), der Eigentümer der insgesamt vier Gebäude umfassenden Anlage ist, habe ihm durchaus gefallen, zumal zum Zeitpunkt der Erst-Kontakte mit den Initiatoren Lena Wichmann und Jürgen Merks noch keine weiteren Interessenten in Sicht waren.

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Weitere Interessenten

Das hat sich geändert mit einem Artikel im »Berchtesgadener Anzeiger«, in dem sich »Ein Schloss für alle« vorstellte, Unterstützer nannte und um weitere warb. Inspiriert hat der Text vor allem weitere Interessenten an der lukrativen Immobilie, denn inzwischen liegen dem BLLV mehrere Angebote mit entsprechenden Konzepten vor, die vor allem finanziell weit über der Offerte von Lena Wichmann und Jürgen Merks liegen. Ohne den erwähnten Artikel hatten diese Bieter gar keine Kenntnis von der Verkaufsabsicht des Lehrer- und Lehrerinnenverbandes und sind durch ihn erst gewissermaßen aufmerksam geworden.

Die Initiative »Ein Schloss für alle« sieht sich nun herausgedrängt aus dem Prozedere, weil ihr mitgeteilt wurde, dass sie im weiteren Findungsverfahren keine Rolle mehr spiele. Das teilte sie in einer Presse-Verlautbarung mit. Das Finanzielle, räumt Geschäftsführer Dr. Dieter Reithmeier ein, sei tatsächlich der Grund, warum der Verband nicht mehr mit der Initiative plane, böten sich doch mit den anderen Interessenten weit mehr Möglichkeiten einer sinnvollen Weiternutzung. Der jetzige Eigentümer habe auch eine Verantwortung für das Anwesen und sei daran interessiert, dass es durch den Verkauf in die richtigen Hände gelange, die nicht nur über das nötige Fingerspitzengefühl, sondern auch über die finanzielle Potenz verfügten, dem vierteiligen Ensemble eine gute Zukunft zu garantieren.

Sanierung kostet bis zu 4 Millionen Euro

Zwischen 2 und 4 Millionen Euro seien nötig, so Reithmeier, um die historischen Häuser erst einmal zu sanieren und in einen Zustand zu bringen, der den Erhalt sichert, abgesehen von laufenden Kosten, die den Erhalt der Bauten sicherten. Das traue er den anderen Interessenten in höherem Maße zu als einer Initiative, die kaum Grundkapital mitbringe. Er, sagte Dr. Dieter Reithmeier, sei vom Artikel im »Anzeiger« überrascht worden und auch ein wenig verärgert gewesen, weil dort Angaben veröffentlicht wurden, die als vertraulich abgesprochen waren. Das sei aber letztlich nicht der Grund gewesen, das weitere Vorgehen ohne die Initiative »Ein Schloss für alle« zu gestalten. »In der Not hätte ich gesagt, ja, das ist ein möglicher Weg in die Zukunft von Schloss Fürstenstein, aber nun ist die Situation eine ganz andere«, bekannte Reithmeier.

Er schätzt, dass im Frühjahr nach ausgiebiger Prüfung die Entscheidung falle, wer letztlich den Zuschlag bekomme. Dabei spielten aber nicht nur die verfügbaren finanziellen Mittel eine Rolle. Dem Lehrer- und Lehrerinnenverband sei auch die künftige Nutzung der Häuser ein großes Anliegen. Der momentane teilweise Leerstand der Gebäude mache sie nicht besser, koste aber dennoch viel Geld. Weil man beispielsweise heizen müsse, um die Bausubstanz nicht weiter zu verschlechtern. Dieter Meister

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