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»Eine der schönsten Pfarreien, die es gibt«

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Schon fleißig bei der Arbeit: Berchtesgadens neuer Pfarrer, Monsignore Dr. Thomas Frauenlob. Foto: Anzeiger/Fischer

Berchtesgaden – Der angehende Pfarrverband Berchtesgaden-Marktschellenberg-Au hat einen neuen Pfarrer: Monsignore Dr. Thomas Frauenlob. Der gebürtige Pidinger war zuletzt sieben Jahre im Vatikan tätig. Am Sonntagabend wird der 50-jährige Geistliche offiziell in sein Amt eingeführt (siehe Kirchenanzeiger). Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach vorab mit Pfarrer Frauenlob über seine neue Aufgabe.


Thomas Frauenlob ist stark beschäftigt. So ein Umzug ist anstrengend. »Ich muss noch einiges besorgen«, sagt der Geistliche in astreinem Bairisch. Er hätte den Satz auch auf Altgriechisch, Latein, Hebräisch, Aramäisch, Italienisch, Englisch, Spanisch und Französisch sagen können. Denn der Monsignore ist sprach- und wortgewandt. Er redet langsam, sagt nicht zu viel und nicht zu wenig. »Ich bin halt ein typischer Bayer«, lacht Frauenlob. Geprägt von der jesuitischen Indifferenz, bringt den schlicht gekleideten, groß gewachsenen Mann mit dem kräftigen Händedruck so schnell nichts aus der Ruhe. »Ich muss den Willen Gottes akzeptieren. Ich muss dorthin, wo ich mich am besten entfalten kann«, erklärt Frauenlob ganz selbstverständlich. Und dieser Ort ist jetzt Berchtesgaden.

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Und eines will der Geistliche gleich mal klarstellen. Seine Versetzung nach Berchtesgaden habe nichts mit dem neuen Papst zu tun. »Meine Entscheidung stand schon vor der Rücktrittsankündigung Papst Benedikts fest«, betont der Pfarrer. Bereits am 2. Januar habe Frauenlob mit Kardinal Marx darüber gesprochen. Überhaupt sei es nie geplant gewesen, für immer im Vatikan zu bleiben. Frauenlob sei von Anfang an klar gewesen, dass er maximal zehn Jahre in Rom bleiben wollte. Denn »Pfarrer zu sein, ist kein Schreibtisch-Job«. Im Vatikan sei sein Arbeitsbereich doch stark eingeschränkt gewesen. Verwaltung, Politik.

Und deshalb freut sich der Monsignore schon auf seine neue Pfarrei. »Hier beschäftige ich mich mit der ganzen seelsorgerischen Bandbreite. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes von der Wiege bis zur Bahre.« Vor großen pastoralen Neuerungen bräuchten sich die Berchtesgadener übrigens nicht zu fürchten. »In der Gesamtausrichtung unterscheide ich mich nicht von meinem Vorgänger Peter Demmelmair«, betont Thomas Frauenlob.

In seiner Heimat, dem Berchtesgadener Land, wirken zu dürfen, gefalle dem Geistlichen gut. Nach 32 Jahren habe er endlich seine eigene Pfarrei, einen eigenen Haushalt. Pfarrer zu sein bedeute für ihn die »größte Freiheit«. Frauenlob freut sich darauf, in einer intakten Dorfgemeinschaft zu arbeiten. »Ich hoffe, dass ich einiges positiv bewirken kann«, sagt er. »Ich bin zuversichtlich, dass es klappt. Ich schaffe keine Distanz, ich falle aber auch nicht gleich jedem um den Hals. Ich brauche schon eine gewisse Zeit der Eingewöhnung.« Und fügt lachend hinzu: »Ich bin schließlich Bayer.«

Besonders am Herzen liegen dem Geistlichen die Traditionen, das Brauchtum. »Das sind Ausdrücke von Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit, sich für Werte einzusetzen, die woanders schon weggebrochen sind.« Richtig begeistert ist Frauenlob zum Beispiel vom Berchtesgadener Advent. Weil hier die ganze Gemeinde zusammenarbeitet und sich für echtes Brauchtum und gegen Kitsch einsetzt. »Traditionen befriedigen grundsätzliche Bedürfnisse«, ist sich der Monsignore sicher. Aber: »Brauchtum darf nicht zur Folklore verkommen.« Deshalb möchte sich Berchtesgadens neuer Pfarrer bemühen, die Tradition »theologisch zu unterfüttern«.

Hobbys hat Thomas Frauenlob natürlich auch. Er spielt leidenschaftlich gerne Klarinette. Er ist Mitglied der Musikkapellen Garmisch, Piding und St. Leonhard am Wonneberg, wo er in seiner Vatikanzeit immer wieder als Aushilfspfarrer gewirkt hat. Außerdem fährt der Monsignore Mountainbike. »Da bin ich aber in letzter Zeit etwas aus dem Tritt gekommen«, gibt der Pfarrer zu. Christian Fischer