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»Eine diffizile Angelegenheit«

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Die Schilder werden immer wilder: Das Landratsamt möchte nun eine Lösung für die Schachernkreuz-Problematik finden. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Der Streit um die Werbeschilder am sogenannten Schachernkreuz im Nonntal geht weiter. Nachdem sich der selbst ernannte »kreativpraktische Weisheitsfreund« Heiko Dosseh nicht dazu durchringen konnte, die Schilder mit der Aufschrift »Flying Organic« (wir berichteten) aus den Fenstern seiner Mietwohnung zu nehmen, hat nun Heinz Krawinkel das Landratsamt informiert. Dort ist man laut Pressesprecher Stefan Neiber um eine gütliche Lösung für alle Beteiligten bemüht.


Heinz Krawinkel ist richtig sauer. Gemeinsam mit Michael Koller hatte er in mühevoller Kleinarbeit das Schachernkreuz wieder hergerichtet. Die denkmalgeschützte Kreuzigungsgruppe stammt aus dem 17. Jahrhundert. Unmittelbar nach der Verschönerungsaktion ist Heiko Dosseh mit seiner Familie in die Wohnung direkt hinter dem Kreuz gezogen. Und hat zwei Schilder vor seine Fenster gestellt. Nach eigenen Aussagen, um damit weisheitsliebende Menschen auf seine Homepage zu locken.

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Seitdem versuchen Krawinkel und Koller zu erreichen, dass die Schilder entfernt werden. Erste Gespräche mit Dosseh haben zu nichts geführt. Das Ordnungsamt in Berchtesgaden sah sich für die Angelegenheit nicht zuständig, auch die Polizei konnte nichts unternehmen. Deshalb wandte sich Heinz Krawinkel an die Denkmalschutzabteilung im Landratsamt. Und fand diesmal den richtigen Ansprechpartner.

Inzwischen hat sich ein Sachbearbeiter die Situation im Nonntal angeschaut. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, hält sich Pressesprecher Neiber mit Auskünften zurück. Doch eines steht fest: »Es ist eine diffizile Angelegenheit.« Denn erstens handelt es sich nicht um reine Werbeschilder. Und zweitens sind sie nicht direkt am Schachernkreuz angebracht. Für Neiber Indizien dafür, dass Dosseh weiß, wie weit er gehen kann. Dass der »Tilgerninger«, wie sich Dosseh auch nennt, gerne und oft einen ausführlichen Schriftverkehr mit Behörden pflegt, gibt der 41-Jährige offen zu.

Stefan Neiber zeigt sich jedoch zuversichtlich, eine gütliche Lösung für alle Beteiligten zu finden. Man wolle Heiko Dosseh darauf hinweisen, dass sich einige Berchtesgadener in ihren religiösen Gefühlen verletzt sehen.

Während das Landratsamt nach einer Lösung für die Schachernkreuz-Problematik sucht, freut sich Heiko Dosseh über den Werbeeffekt seiner Aktion. Er berichtet von enormen Zugriffszahlen auf seine Homepage. Er lobt sogar die »hervorragende« Berichterstattung im »Berchtesgadener Anzeiger«. Und das, obwohl der »Tilgerninger« als massiver Medienkritiker bekannt ist. Christian Fischer