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Eine Frage der Philosophie

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Blicken auf eine gelungene Informationsveranstaltung zurück: (vorne v.l.) Tobias Hipp, Christina Schwann, Beppo Maltan; (mittlere Reihe v.l.) Herbert Gschoßmann; Jörg Ruckriegel, Hanspeter Mair und Fritz Rasp (hinten). Foto: Anzeiger/Scheidsach

Ramsau – Das Vorhaben der Gemeinde Ramsau, künftig nach dem Vorbild des Österreichischen Alpenvereins den Titel »Bergsteigerdorf« zu tragen, nimmt langsam Formen an. Nach Einreichung der nötigen Bewerbungsunterlagen fand am Mittwoch im Gasthof »Oberwirt« in der Ramsau ein Infoabend statt. Der Ramsauer Bürgermeister Herbert Gschoßmann präsentierte gemeinsam mit Verantwortlichen des Deutschen Alpenvereins und der Projektleiterin des ÖAV, Christina Schwann, den rund 100 Zuhörern das Konzept »Bergsteigerdorf«. Erklärtes Ziel sei es, die Philosophie Bergsteigerdorf den Bürgern näherzubringen. Dass dafür die Voraussetzungen gegeben seien, stellten Gschoßman, der Vorsitzende der DAV-Sektion Berchtesgaden, Beppo Maltan und weitere Fürsprecher gemeinsam fest. Lediglich die Anforderungen für regionale Vermieter ließen bei den Bürgern Fragen offen.


Gschoßmann erläuterte den Gästen zu Beginn seiner Rede die Bedeutung »Bergsteigerdorf« und die strengen Grundsätze, die eine Gemeinde als Träger dieses Titels zu erfüllen hätte. Ursprünglichkeit, Tradition und Kultur seien wesentliche Aspekte. Nicht weniger wichtig seien aber auch die Ziele der Alpenkonvention, Ortsbild, Berglandwirtschaft und Bergwaldwirtschaft sowie Natur- und Landschaftsschutz. Generell gehe es um eine »klare Aussage und Ausrichtung im Tourismus«, nämlich ein Leben mit der eigenen Tradition und der Bekenntnis zur Heimat. »Es wird ein andauernder Prozess sein, in den so viele wie möglich einzubinden sind«, stellte der Bürgermeister fest und er wisse, dass es zwar kein reibungsloser, aber »am Ende der richtige Weg sein wird«. Bei einer erfolgreichen Bewerbung wäre die Ramsau voraussichtlich die erste deutsche Gemeinde, die dieses Prädikat trägt.

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Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter für Hütten, Naturschutz und Raumordnung beim DAV, erklärte, das Projekt solle ein Zeichen gegen Massentourismus setzen und eine Alternative bieten. Es brauche Zeit, die Begeisterung »Bergsteigerdorf« zu übertragen, jedoch sei es »eine Art Philosophie und die soll im Herzen der Bürger getragen werden«, sagte Mair.

DAV-Ressortleiter für Natur- und Umweltschutz, Jörg Ruckriegel, gab bekannt, dass eine genaue Finanzierung und Organisation noch geklärt werden müsse, denn man stehe noch am Anfang des Vorhabens. »Bisher gibt es keine konkreten Förderungen, aber die Ausgaben und Kosten müssen natürlich finanziert werden«, ergänzte Ruckriegel. Dr. Roland Baier, stellvertretender Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, zeigte sich ebenfalls zuversichtlich. »Wir haben eine sehr intakte Infrastruktur und viel Geld in alpine Steige gesteckt«. Zudem hätte das Projekt viele Berührungspunkte mit dem Nationalpark.

Partnerbetriebe gesucht

In einem langen Vortrag führte Christina Schwann, Projektleiterin des ÖAV, den Ramsauern noch einmal die Philosophie »Bergsteigerdorf«, wie sie seit 2008 in insgesamt 20 Gemeinden in Österreich gelebt wird, vor Augen. Dort haben Beherbergungs-Gaststätten die Möglichkeit, als Partnerbetrieb des Bergsteigerdorfes zu fungieren. Diese müssen jedoch auch gewisse Auflagen erfüllen, um dieses Prädikat tragen zu können.

Dazu zählen eine anspruchsvolle Serviceleistung für Bergsteiger, wie etwa ein Wärmeraum für das Trocknen nasser Ausrüstung und ein Frühstück ab vier Uhr morgens. Des Weiteren ist ein zehnprozentiger Rabatt für Alpenvereinsmitglieder zu gewähren und ein Mitgliedsbeitrag, der sich nach Betriebsgröße richtet, abzugeben. Dadurch kam die Frage auf, ob heimische Vermieter diese Auflagen stemmen können und ob eine gewisse Anzahl von Partnerbetrieben vorgeschrieben sei.

Projekte müssen zur Philosophie passen

Tourismusvereins-Vorsitzende Birgit Gschoßmann argumentierte, dass es ein ähnliches Prädikat im Form der »Vital Natur Erlebnis Gastgeber« bereits gäbe und zeigte sich zuversichtlich, geeignete Betriebe zu finden. Bürgermeister Herbert Gschoßmann nannte das CVJM-Aktivzentrum am Hintersee, welches kürzlich ihr Konzept »Alpen Experience« vorgestellt hatte, als voranschreitendes Beispiel. Christina Schwann beruhigte zudem, dass Partnerbetriebe zwar gewünscht seien, aber nicht der Pflicht entsprechen. Die Anzahl der Partnerbetriebe pro Bergsteigerdorf sei ohnehin begrenzt. Auch kam die Frage auf, ob das Prädikat »Bergsteigerdorf« den sinkenden Übernachtungszahlen entgegen wirkt. Aus eigenen Erfahrungen heraus musste Schwann verneinen, denn auch in den Bergsteigerdörfern im Nachbarland seien die Buchungen relativ kurzfristig und wetterabhängig.

Eine zuletzt an Bürgermeister Gschoßmann gestellte Frage war, ob sich die Gemeinde mit diesem Projekt andere Entwicklungsmöglichkeiten verschließen würde. Gschoßmann erklärte darauf, dass bei zukünftigen Vorhaben hinterfragt werden müsse, ob sie sich mit der neuen Philosophie verbinden lassen. Gleiches gelte für spätere Bauprojekte. Zwar seien die Regelungen der Bergsteigerdörfer nicht rechtlich bindend, aber auch dabei müsse man überlegen, »ob es zur Philosophie Bergsteigerdorf passt«.

»Der einzig richtige Weg«

Der Koordinator für das Projekt »Bergsteigerdorf«, Tobias Hipp, vom DAV, präsentierte den Zuhörern die Ziele und Grundsätze des Projekts. Dazu gehöre eine aktive Förderung eines naturnahen Alpintourismus, die Sicherung der Zukunftsfähigkeit von Generationen und die praktische Umsetzung der Alpenkonvention auf Gemeindeebene. Auch er bekräftigte erneut, dass das Vorhaben zwar vom DAV initiiert werde, es alleine aber nicht verwirklicht werden könne. Die weiteren Schritte seien die Prüfung der Bewerbungsunterlagen, danach die Auswahl von Partnerbetrieben und im Anschluss die Unterzeichnung der Deklaration. Erst dann folge die gemeinsame Ausarbeitung von Programmen, wie der nachhaltigen Dorfentwicklung.

Abschließend betonte der Bürgermeister noch einmal, dass dies der »einzig richtige Weg« sei. Zwar dürfe nicht erwartet werden, dass sich durch diesen Schritt die touristische Welt »von heute auf morgen verändert«, jedoch sei er davon überzeugt, dass bei einer guten Zusammenarbeit, jeder einzelne finanziell profitieren könne. Beni Scheidsach

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