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Eine Herkulesaufgabe am Königssee

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31 Tonnen wiegt das Seekabel, das am Montag über den Königssee gebracht und von St. Bartholomä nach Salet verlegt wird. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – Am Königssee wird derzeit alles für die Verlegung eines Seekabels von St. Bartholomä nach Salet vorbereitet. Durch diese Stromversorgung wird im von Gebirge umgebenen Kessel auch der BOS-Behördenfunk ermöglicht. Das 3 159 Meter lange Seekabel aus Haaksbergen in den Niederlanden wiegt 31 Tonnen und wird zunächst mit einem gut 100 Tonnen schweren Ponton über den Königssee geführt. Die Spezialfirma Maltan hievte das Seekabel am letzten Mittwoch mit zwei Kränen auf die Fähre, die ab Montag, 19. Oktober, das Kabel über den See bringt.


Mit der Verlegung des Kabels ist die Firma Freimoser aus Ruhpolding betraut, die sich bereits im Bereich Stromversorgung für Industrie, Trafostationen sowie in der Beschneiung und Beleuchtung von Skipisten auch international einen guten Namen gemacht hat. Dennoch ist dies die bisher herausforderndste Aufgabe in der Firmengeschichte.

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Das Seekabel wird ab Montag von einem Ponton aus mit zwei Zugbooten mit GPS-Überwachung von der Bayerischen Seenschifffahrt backbord und steuerbord nach St. Bartholomä gebracht. Tags drauf folgt die Verlegung des Seekabels von St. Bartholomä nach Salet, wo am 21. Oktober angelandet werden soll. Dazu wird in St. Bartholomä und Salet eine Spülbohrung angesetzt. Für diese wurde von Land aus in den See gebohrt und ein Leerrohr gelegt, welches das Kabel aufnimmt. Das Kabel wird vom Ponton aus durch eine zwölfköpfige Spezialtauchergruppe begleitet, die sich bis zu 110 Meter tief im Wasser befindet. Ein Mischgasverfahren macht den großen Tiefgang der Taucher möglich. Die Verlegung des Seekabels findet über eine Seilwindentechnik statt und wird in der Folge an Land gezogen und nach einem sogenannten »Hang off Head« verankert. Dadurch bekommt das Kabel an Land einen Fixpunkt.

Die gesamte Verlegemaßnahme wird mit einem, von einem Tauchteam bedienten Tauchroboter überwacht. Das große Fragezeichen bei der aufwendigen Maßnahme ist die Beschaffenheit des Seebodens. Das Seekabel darf nicht beschädigt werden. Daher wird ständig kontrolliert, wie es liegt.

Im Kabel ist eine Datenlinie über LWL-Technik (Lichtwellenleiter mit Glasfaserkabel) integriert. Es handelt sich dabei um eine 20 KV-Leitung, die mit 10 KV beaufschlagt wird und später auf die höhere Spannung umzustellen ist. An beiden Anlandungspunkten steht eine Kommunikationslinie in Glasfasertechnik.

Etwa 1 000 Meter von Salet entfernt, befindet sich, gut in die Landschaft integriert, ein BOS-Mast für den Digitalfunk der Rettungskräfte. Die neue Leitung wird diesen mit Strom versorgen. Von Salet aus wird eine Versorgungsleitung auf der Niederspannungsebene mit 400 Volt verlegt. Außerdem wird ein Übergabepunkt mit einer Trafostation erstellt, die den Strom von 10 KV auf die 400-Volttechnik runtertransformiert.

Der Verlegevorgang wird im Schichtbetrieb abgearbeitet, weil man mit dem Ponton nicht ankern kann. Alle beteiligten Spezialkräfte von der Firma Freimoser, die an mehreren Punkten eingesetzt sind, sowie schottische Spezialisten an der Abspuleinrichtung für das Seekabel und die Tauchergruppe, sind doppelt besetzt. Jeder Taucher wird von einem anderen überwacht. Es handelt sich dabei um eine Industrietauchergruppe, die weltweit im Einsatz ist und große Erfahrung mitbringt. Christian Wechslinger

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