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Eine Lawine als Mordwaffe

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Beim Frühjahrsputz kann es schon mal zu Leichen kommen.

Berchtesgaden – Franz Holzhammer ermittelt wieder. In seinem inzwischen vierten Fall muss der rundliche Hauptwachtmeister aus Berchtesgaden den Tod eines Skitourengehers im Seilergraben aufklären. Fredrika Gers hat wieder einen spannenden und amüsanten Berchtesgadenkrimi verfasst, der sich gut in eine Reihe mit seinen Vorgängern fügt.


Die Autorin meint es nicht gut mit ihrer Hauptperson, denn sie verlangt dieses Mal einiges von ihrem wohlbeleibten, gerne Weißbier trinkenden Hauptwachtmeister ab. Da ist zunächst seine Frau, die das sonst so gemütliche Heim auf den Kopf stellt, um einen ordentlichen Frühjahrsputz durchzuführen. Da würde sich Holzhammer gerne in seine Gartenlaube zurückziehen, doch auch das ist ihm nicht vergönnt.

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Ein offener Streit zwischen dem Hotelbesitzer Roman Altbauer und dem Souvenirladenbetreiber Beppo Hirsinger in der Seestraße droht zu eskalieren. Der eine will durch den Verkauf eines Grundstücks, wo dann ein großes Wellnesshotel entstehen soll, sein eigenes schon längst in die Jahre gekommenes Hotel sanieren, während der andere in der Bürgerinitiative aktiv war, die sich gegen das Hotelprojekt formiert hatte.

Die beiden Streithähne waren nicht zum ersten Mal aneinandergeraten. Das Hotelprojekt war Thema Nummer eins in der Gemeinde und heiß umstritten. Holzhammer kann beruhigend eingreifen, doch die Ruhe währt nicht lange. Denn Christine, das Nordlicht, das es in die Schönau verschlagen hatte und ihm bei der Lösung der Fälle immer unter die Arme gegriffen hatte, entdeckt bei einer Skitour eine große Lawine, die am Seilergraben abgegangen war. Glücklicherweise wurde sie von dem jungen Polizeianwärter Müllerhuber und dem Bruder ihres Freundes Michael begleitet. Denn der Polizist erkennt sofort, dass jemand verschüttet sein musste. Schließlich graben sie einen Skitourengeher aus, für den jede Hilfe zu spät kommt. Zur Verblüffung aller ist es der Hotelbesitzer Roman Altbauer. Allerdings lassen Spuren darauf schließen, dass noch jemand dabei gewesen war, sich aber aus dem Schnee befreien konnte und, ohne die Bergwacht zu alarmieren, abgehauen war.

Für völlige Verwirrung sorgt die Entdeckung, dass ein Schneeschuhwanderer ebenfalls im Seilergraben beim Lawinenabgang unterwegs gewesen sein muss. Holzhammer ahnt, dass das alles nicht mit rechten Dingen zuging, aber wo ansetzen? Nach und nach setzt der Hauptwachtmeister das Puzzle zusammen, wie immer mithilfe seiner Freunde. Aber dafür muss er einige Strapazen auf sich nehmen, im Wimbachgries herumwandern, mit balzenden Auerhähnen kämpfen und seinen Vorgesetzten Dr. Fischer gerade so viel an Information geben, damit der ihn in Ruhe lässt.

Fredrika Gers ist das aber noch nicht genug. Holzhammer muss bei einem Wadlstrumpfwettbewerb des Frauenbundes vor dem Gasthaus Neuhaus auf Drängen seiner Frau mitmachen und bedingt durch den Frühjahrsputz daheim, gibt es nur lauwarme Wiener anstatt einem g'schmackigen Schweinsbraten – armer Holzhammer.

Wie immer hat die Autorin allerhand kuriose Ereignisse aus Berchtesgaden in die Geschichte mit eingeflochten. Der schwarze Sarg vor einem Geschäft in der Seestraße, der aus Protest gegen die Bestimmungen um die Sonntagsöffnung aufgestellt wurde, darf nicht fehlen, und der von der Schönauer Gemeinde in die Königsseer Ache geschobene Schnee, zwecks schneller Entsorgung, ebenfalls nicht. Bei anderen Geschichten weiß man nicht so genau, ob sie tatsächlich so passiert sind, oder ob sie sich die Autorin ausgedacht hat. Da wäre der »Schwarzmarkierer«, der im Krimi seit Jahren durch die Berchtesgadener Berge zog und Steige markierte, die nicht im offiziellen Wegenetz enthalten waren. Oder der aufstrebende Jungpolitiker aus Schönau am Königssee, der sich in einer Diskothek mit einer Wahlhelferin vergnügt hatte.

Doch gerade diese vielen kleinen so nebenbei erzählten Geschichten sorgen für die richtige berchtesgadnerische Stimmung. Und auch wenn die Einheimischen durchaus etwas skurril wirken, wird deutlich, dass gerade das ihren Charme ausmacht. Am Ende klärt Holzhammer natürlich alles auf, aber so schwer wie dieses Mal hatte es Fredrika Gers ihm noch nie gemacht.

»Frühjahrsputz« von Fredrika Gers ist im Rowohlt-Verlag erschienen, hat 286 Seiten und kostet 9,99 Euro. Christoph Merker