weather-image
28°

Eine Unterkunft als Kulturgut

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Dr. Martin Spantig, Geschäftsführer der Bayern Tourismus Marketing GmbH. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Urlaub für Augenmenschen verspricht die Marke Sightsleeping Hotels. Die Bayern Tourismus Markting GmbH erfand die Auszeichnung im Jahr 2005, 2007 durften sich bereits elf Hotels in ganz Bayern mit dem Prädikat auszeichnen, mittlerweile sind es 38 Herbergsbetriebe. Im Rahmen der Tagung des Wirtschaftsbeirates Bayern am Mittwoch im »Haus der Berge« referierte Dr. Martin Spantig, einer der beiden Geschäftsführer der Bayern Tourismus Markting GmbH, über das Konzept der Sightsleeping Hotels. Was die Auszeichnung überhaupt bedeutet, wie Architektur und Tourismus kombiniert werden und wo eigentlich ein Geschäftsführer der Bayern Tourismus Marketing GmbH persönlich am liebsten Urlaub macht, verriet der gebürtige Kölner vorab dem »Berchtesgadener Anzeiger«.


Herr Dr. Spantig, was versteht man unter der Architekturmarke Sightsleeping Hotels?

Anzeige

Dr. Martin Spantig: Sight-sleeping Hotels wenden sich direkt an kulturinteressierte Urlaubsgäste. Damit eine Unterkunft die Auszeichnung erhält, muss sie etwas für das Auge bieten, das Sightseeing muss beim Aufwachen beginnen. Design-Hotels, Burgen, Schlösser, Gebäude mit historischem Mobiliar oder baudenkmalgeschütze Architektur mit zeitgenössischer Möblierung – seit 2005 wurden 38 Betriebe in ganz Bayern in die Marke Sightsleeping Hotels aufgenommen, etwa doppelt so viele haben sich bislang um die Auszeichnung beworben.

Wieso entstand die Marke?

Spantig: Uns von der Bayern Tourismus Marketing GmbH ist aufgefallen, dass es Hotels für alle möglichen Zielgruppen gibt, Kinder, Sportler, Wellness. Nur für kulturinteressierte Urlauber gab es bis dato nichts in Bayern. Bei Sightsleeping Hotels wird Unterkunft als Kulturgut bewertet. Dabei sind Sterne oder die Größe keine Bewertungskriterien, ein vergoldeter Wasserhahn ist schließlich noch keine Sehenswürdigkeit.

Das Intercontinental Berchtesgaden Resort ist seit 2008 das einzige Sightsleeping Hotel im Berchtesgadener Land. Wieso wurde es aufgenommen?

Spantig: Die Bauherren haben mutig und konsequent zeitgenössische Architektur am Berg gestaltet, welche sich in die Umgebung einfügt. Damit wurde ein Zeichen gesetzt.

Einmal Sightsleeping Hotel, immer Sightsleeping Hotel?

Spantig: Nein. Die Kriterien werden alle drei Jahre überprüft, eine Burg mit historischem Mobiliar bleibt natürlich sehenswert, aber ein zeitgenössischer Bau muss sich immer der Zeit anpassen und seine Akzente neu setzen, um das Prädikat weiter führen zu können.

Architektur in touristischen Einrichtungen in Berchtesgaden löst immer wieder Diskussionen aus: Das Haus der Berge ist in modernem Stil gehalten, das Hotel Edelweiß im regionalen Stil erbaut, nun soll eine neue Anlage am Königssee entstehen. Wie müsste man diese gestalten, damit sie Einheimischen wie auch Touristen gefällt?

Spantig: Grundsätzlich: Man wird es nie allen recht machen können, sogar innerhalb der Einheimischen oder Touristen gibt es Unterschiede. Bezüglich der Touristen muss man sich die Frage stellen: Baue ich es für Kurzurlauber, für Dauergäste oder beispielsweise für Sportler. Auf alle Fälle darf am Königssee nichts entstehen, was die Naturszenerie zerstören würde. Hier muss sich die Architektur anpassen, deutlich dezenter gestaltet werden.

Touristische Architektur in Städten unterscheidet sich deutlich von touristischer Architektur auf dem Land: Was gefällt, Ihrer Meinung nach, Touristen besser?

Spantig: Man kann auch die ländliche Tradition zeitgenössisch neu interpretieren, das heißt, dem Stil zwar treu bleiben, sich aber trotzdem alpin weiterentwickeln, beispielsweise mit viel Holz bauen. Der Großteil der hiesigen Urlauber kommt aus Großstädten, sie bringen ihren urbanen Designgeschmack mit. Hiesige Vermieter sollten also bei ihrer Einrichtung darauf achten.

Stichwort Einrichtung: Wo fängt der bayerische Kitsch an?

Spantig: Kitsch ist extrem subjektiv, es gibt keine richtige Definition für Kitsch. Nimmt man das Beispiel Hirschgeweih: Man kann damit einen Raum als alpenländischen Kitsch gestalten, man kann damit aber auch einen Raum mit Holz und alpinem Blumenschmuck im traditionellen Stil gestalten. Oftmals macht es oft die pure Menge aus, von vielem zu viel ist schnell kitschig. Grundsätzlich profitieren viele Zimmer oder Hotels sehr, wenn man die Hälfte der Dekoration rausnimmt.

Wo macht ein Geschäftsführer der Bayern Tourismus Marketing GmbH persönlich am liebsten Urlaub?

Spantig: In sehenswerten Hotels, wo das Auge gut unterhalten wird. Caroline Irlinger