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Eine weitere Schule für die Kinder im Braldotal

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Viele Kinder werden durch Patenschaften unterstützt und können nun eine Schule besuchen.
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Das Mädchenwohnheim ist ein Vorzeigeprojekt im Braldotal. 70 Mädchen können von hier aus eine der Schulen in Skardu besuchen. (Fotos: Archiv Hirschbichler)
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Die nützlichen Solarlampen stammen von dem inzwischen aufgelösten Verein »solarprojekt-freilassing e. V.«.
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Das im Bau befindliche Studentenwohnheim soll um ein Stockwerk erhöht werden.

Schönau am Königssee – Die Lebensbedingungen für die Bevölkerung im pakistanischen Braldotal sind noch lange nicht gut, doch sie werden besser und besser. Hauptverantwortlich dafür ist der von Barbara Hirschbichler ins Leben gerufene Verein Himalaya-Karakorum-Hilfe. Zusammen mit ihrem Ehemann Ghulam Rasool treibt die Schönauerin, die auch Vereinsvorsitzende ist, im Braldotal (Baltistan) unermüdlich ein Projekt nach dem anderen voran. Nun will man mit Unterstützung vieler Spender, zu denen auch die Extremkletterer Alexander und Thomas Huber gehören, eine weitere Schule bauen.


Uneingeschränktes Vertrauen vonseiten der Bevölkerung und der Behörden genießt die Himalaya-Karakorum-Hilfe im gesamten Braldotal. »Unsere Buchhaltung wird regelmäßig überprüft und für gut befunden«, betont Barbara Hirschbichler. Das sind gute Voraussetzungen für den Verein, von dem sich viele Dorfbewohner die Hilfe erhoffen, die es von anderer Seite nicht gibt. Vor allem der durch die Klimaerwärmung ausgelöste Wassermangel stellt die Bevölkerung aktuell vor große Probleme. Hier gibt es noch viel zu tun.

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Einen großen Schritt weiter ist man dagegen bei den Bildungsangeboten für die Jugend. Als wichtiges und erfolgreiches Projekt nennt Barbara Hirschbichler vor allem das Sternstunden-Mädchenwohnheim, von wo aus die Mädchen die verschiedenen Schulen in Skardu besuchen. Die 70 hier untergebrachten Mädchen kommen aus allen 20 Dörfern im Braldotal. »Die Mädchen sind unbeschreiblich glücklich über diese Chance auf ein besseres Leben und entwickeln sich zu selbstbewussten, fröhlichen jungen Frauen«, freut sich die Vereinsvorsitzende. Hinter dem Haus gibt es einen großen Gemüsegarten, um den sich alle Mädchen kümmern. Das im letzten Jahr gebaute Glashaus hat sich bestens bewährt. Die vielen Obstbäume – Aprikosen, Äpfel, Birnen und Walnüsse – ermöglichten heuer eine Rekordernte.

Ein positiver Effekt des Wohnheims ist es, dass einige Einheimische hier eine Anstellung und damit ein Einkommen haben. Außer dem Koch und seiner Frau sind das der Heimleiter, dessen Familie ebenfalls hier wohnt, und zwei Hausmeister beziehungsweise Wachmänner, die abwechselnd anwesend sind.

Das Bubenwohnheim gibt seit nunmehr sechs Jahren den begabtesten und fleißigsten Buben des Braldotals die Chance auf höhere Bildung, denn auch sie besuchen von hier aus die Schulen in Skardu. Auch heuer haben wieder alle Buben ohne Ausnahme das Klassenziel erreicht, zum überwiegenden Teil mit hervorragenden Noten. Die Buben, die im letzten Jahr erfolgreich die 10. Klasse abgeschlossen haben, entschlossen sich alle dazu, auf das College zu gehen. Der Verein will sie dabei weiterhin unterstützen.

Studentenwohnheim wird noch größer

Das noch im Bau befindliche Studentenwohnheim, das Platz für über 100 Studentinnen und Studenten bieten wird, kann erst etwas später als geplant eröffnet werden. »Wir haben uns dazu entschlossen, ein weiteres Stockwerk zu bauen«, erklärt Barbara Hirschbichler. Eigentlich wollte man das erst in einigen Jahren tun, aber es ist bereits jetzt absehbar, dass die Nachfrage sehr groß sein wird. Nun muss nur noch die Inneneinrichtung finanziert werden: Teppiche, Matratzen, Regale und Kochgelegenheiten. Prognosen zur Fertigstellung will man aktuell nicht abgeben, weil sich erfahrungsgemäß immer wieder unvorhergesehene Verzögerungen ergeben.

Neben diesen großen Projekten gibt es zahlreiche weitere Hilfsmaßnahmen, mit denen die Lebensbedingungen im Braldotal verbessert werden. So zahlt man beispielsweise die Gehälter für zwölf Dorfschullehrer, man unterstützt die Schule für Waisenkinder finanziell, vermittelt Schulpatenschaften für Kinder in den Bergdörfern, stellt Medikamente für die Krankenstationen bereit und kümmert sich um Krankentransporte. Außerdem finanzierte man eine Wasserleitung, man kaufte Wasserrohre für eine Polizeistation, leistete finanzielle Hilfe nach einem Erdrutsch, man erwarb ein kleines Grundstück, das als Friedhof genutzt werden soll, und richtete die beiden Jeeps des Vereins wieder her. Gut entwickelt hat sich auch das Selbsthilfeprojekt der Agentur »Shipton Treks und Expeditions«, die heuer so viele Trekking- und Expeditionsgruppen betreute wie noch nie.

Schulbesuch soll für alle Kinder möglich werden

Besonders freut man sich bei der Himalaya-Karakorum-Hilfe darüber, dass ein weiteres Projekt, von dem man schon lange träumt, Wirklichkeit werden kann. Der Bau einer Grundschule und einer weiterführenden Schule mit angeschlossenem Internat im Braldotal wird vom Sternstunden e. V. teilfinanziert werden. Schließlich sind die Aufnahmemöglichkeiten in den Wohnheimen sehr begrenzt, deshalb können jedes Jahr nur relativ wenige neue Schüler aufgenommen werden. »Künftig können dann endlich alle Kinder in den Bergdörfern einen höheren Schulabschluss machen«, freut sich Barbara Hirschbichler.

Das riesige Grundstück, auf dem die Schule entstehen wird, liegt zentral zwischen mehreren Dörfern. Der Verein bekam es von den Dorfbewohnern geschenkt. Barbara Hirschbichler: »Einen besseren Beweis dafür, dass auch die Einheimischen inzwischen von der Bedeutung von Bildung überzeugt sind, kann es nicht geben.«

Weitere Informationen zu den Projekten der Himalaya-Karakorum-Hilfe gibt es unter www.himkara.de. Ulli Kastner

 

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