weather-image

Einen Eisbock zum Aperitif

4.2
4.2
Bildtext einblenden
Bei der Bierproduktion immer alles im Blick: Klaus Hesselbach überprüft den riesigen Kupferkessel.
Bildtext einblenden
Bierbraumeister Klaus Hesselbach testet das Berchtesgadener Helle auf seinen Geschmack.
Bildtext einblenden
Bierzutaten im Überblick.

Berchtesgaden – Biertrinken ist Leidenschaft. Zumindest für jene Bierbegeisterte, die mit dem Begriff »Reinheitsgebot« ein verbrieftes Qualitätsversprechen verbinden. Und weil das Reinheitsgebot im April sein 500. Jubiläum feiert, haben die Brauereien, etwa das Hofbrauhaus Berchtesgaden sowie das Bürgerbräu Bad Reichenhall, einige Überraschungen im Jubiläumsjahr geplant.


Ein halbes Jahrtausend hat das Reinheitsgebot auf dem Buckel. Am 23. April 1516 erlassen, gilt es noch immer als das älteste, gültige Verbraucherschutzgesetz der Welt, sagt Josef Stangassinger, Betriebsleiter des Hofbrauhauses Berchtesgaden. Denn dass das Bier nach bestimmten »Regeln« gebraut gehört, war nicht immer so. Bis zum Erlass des Reinheitsgebotes mischte man im Mittelalter oft die abenteuerlichsten Zutaten ins Bier. Darunter Dinge wie Binsenkraut, Späne, Wurzeln, Stechäpfel oder Pech. Das gewünschte Ziel: Die Bierbrauer von einst wollten Aussehen, Geschmack, aber auch die Wirkung des Alkohols auf den Trinker verbessern. Nicht immer gelang das, man vergriff sich in der Dosierung. Mit Folgen für den Biertrinker, der schon mal ein Unwohlsein verspüren konnte. »Der schlimmste Ausgang konnte mit einer Vergiftung auch zum Tode führen«, heißt es in einer Abhandlung der deutschen Bierbrauer zum Reinheitsgebot. Brauer, die es mit »ihrer« Bierbrauweise nicht so ernst nahmen, wurde mit der Verkündung des Reinheitsgebots die Grundlage genommen, nach eigenem Gutdünken Bier herzustellen.

Anzeige

Von der Biersatzordnung zum Reinheitsgebot

Geschichtliche Vorläufer gab es übrigens viele. Bier galt jeher als schützenswert: Vorschriften, die den Bierpreis und die Qualität des Bieres regelten, wurden etwa bereits 1156 für Augsburg erlassen, 1363 für München und knapp 80 Jahre später für Nürnberg. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde der Biermarkt mit immer weiteren regionalen Vorschriften überflutet. Eine Festlegung für München erfolgte durch Herzog Albrecht IV. Er verfügte, wenngleich auch nur auf lokaler Ebene, dass zur Bierbereitung lediglich Wasser, Hopfen und Malz verwendet werden dürfe. Der Vorläufer des heutigen Reinheitsgebotes war dann auch eine 1493 in Landshut durch Herzog Georg für das Teilherzogtum Niederbayern erlassene sogenannte »Biersatzordnung«, die die Rohstoffe Malz, Hopfen und Wasser für die Produktion von Bier vorschrieb.

Viele Jahrzehnte vergingen, ehe die heute als Reinheitsgebot bekannte Verordnung Gültigkeit hatte und auf rechtlich sicherem Fundament fußte. Schon die Urfassung legte fest, »dass Bier nur aus Wasser, Malz und Hopfen gebraut werden darf«. Hefe wurde erst später hinzugefügt, da die Wirkungsweise im Brauprozess anfangs nicht bekannt war und Hefe nicht als Zutat angesehen wurde. Die am 23. April 1516 durch den bayerischen Herzog Wilhelm IV. und seinen Bruder Herzog Ludwig X. erlassene Herstellungsvorschrift, das heutige Reinheitsgebot, verfolgte ursprünglich drei Schutzziele: Erstens sollte das Gesetz die Menschen vor überzogenen Bierpreisen schützen, zweitens den Einsatz des für die Versorgung der Bevölkerung mit Brot bedeutsamen Brotgetreides Weizen zur Produktion von Bier ausschließen und drittens die Zugabe solcher Zutaten verhindern.

Der Eisbock schmeckt

Für das Jubiläum haben die hiesigen Brauereien einige Überraschungen in petto. »Ja, wir werden dieses Jahr gebührend feiern«, heißt es vonseiten des Bürgerbräus Bad Reichenhall. Konkretisieren könne man dies zu diesem frühen Zeitpunkt allerdings nicht. Anders beim Hofbrauhaus Berchtesgaden: Betriebsleiter Josef Stangassinger lässt gar ein eigenes, neues Bier brauen. Etwas, das es in dieser Form bislang noch nicht gab: »Wir produzieren etwa zur Jahresmitte einen handcrafted Eisbock«, sagt er. 16 Prozent Alkoholgehalt, dazu eine besondere Bügelverschlussflasche, verkauft wird der Eisbock in einer speziellen Verpackung. »Das ist ein Aperitif-Bier, eine Sonderedition, die keine Wünsche offen lässt«, so der Bierexperte. Ausgewählte Rohstoffe, Hallertauer Aromahopfen, bayerische Ursprungsbraugerste. Kürzlich haben sie im Hofbrauhaus schon mal einen ersten Testbrauvorgang laufen lassen. »Das ist ein Bier allererster Güte«, schwärmt Stangassinger. Etwas, auf das man sich freuen könne. Das Reinheitsgebot sei im Übrigen das älteste Lebensmittelgesetz. »Es ist nicht schlecht, wenn man so eine Vorgabe hat, die es einzuhalten gilt«, sagt er. Natürlich änderten sich die Zeiten. »Man muss der Bier-Sache aufgeschlossen bleiben.« Kein Verständnis hat Stangassinger aber für »kreative Einfälle, die zu Lasten des Bieres gehen.« So gebe es »handcrafted Bier mit Schokoladengeschmack und Himbeeraroma.« Derartige Kreationen hätten mit Bier »nun wirklich gar nichts mehr zu tun«. Kilian Pfeiffer

- Anzeige -