weather-image
24°
»Stillen Tag« beim Kriegerdenkmal begangen – Franz Rasp spricht über aktuelle Weltpolitik

»Einen respektvollen Umgang angewöhnen«

Zwölf Abordnungen von Vereinen und Institutionen legten am Volkstrauertag beim Kriegerdenkmal für die beiden Weltkriege Kränze nieder. Auch der erste Bürgermeister des Marktes Berchtesgaden, Franz Rasp. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag, der zu den sogenannten »Stillen Tagen« gehört. Seit dem Jahr 1952 gedenkt man an Kriegsmonumenten zwei Sonntage vor dem ersten Advent der Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft in allen Nationen.


Am Kriegerdenkmal des Schlossplatzes versammelten sich nach ökumenischen Gottesdiensten wie in jedem Jahr mehrere Abordnungen von Institutionen sowie Vereinen und legten Kränze nieder. Marktkapellmeister Michael Kunz spielte zu Beginn des Festaktes mit seinen Musikanten zum Einzug der Geistlichkeit den »Introitus«. Pfarrer Peter Schulz sprach Glaubensworte, ehe Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob Fürbitten mit den Gläubigen sprach. Marktbürgermeister Franz Rasp hatte nach eigener Aussage seine Rede kurzfristig verändert, nachdem ihn sein neunjähriger Sohn Michael beim Frühstück gefragt hatte, wie es Hitler geschafft habe, den Zweiten Weltkrieg anzufangen, dem Millionen von Menschen zum Opfer gefallen sind.

Anzeige

Der Vater versuchte dem Sohn dies mit einem Blick zu den Wahlen in den USA zu erklären, erzählte er bei der Gedenkfeier. Nach Meinung des Marktbürgermeisters hat nicht Trump gewonnen, sondern es sei vielmehr das bestehende System abgewählt worden. Dies sei Teil einer grenzüberschreitenden Bewegung gegen »die da oben« und möglicherweise nur der Anfang. Vor 90 Jahren sei dies in Deutschland ähnlich gewesen, sagte Rasp. Das damalige Feindbild seien die Juden gewesen, während es heute »die Ausländer« seien.

Dennoch sieht Rasp keine Gefahr eines neuen Weltkrieges. »Wir müssen uns jedoch einen respektvolleren Umgang mit Menschen anderer Meinungen angewöhnen« forderte Rasp ein. Ferner betonte er, dass keiner dumm sei, nur weil er keine Bildung genossen habe. Der Bürgermeister hat einen festen Glauben in die Demokratie, die freilich auch etwas aushalten müsse.

Nach diesen bewegenden Worten legten zwölf Vereine und Institutionen am Kriegerdenkmal Kränze nieder. Als die Marktkapelle das Lied »Ich hatt' einen Kameraden« anstimmte, hallten vom Herzogberg drei laute Kanonenschüsse herüber. Mit der Bayernhymne und der Deutschen Nationalhymne endete am Volkstrauertag ein würdiger Akt. Christian Wechslinger