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Einfach mal die Fräse halten

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Der schwarze Mann und der Schnee: Rüdiger Runge stellte sich dem Kampf mit den weißen Massen. Und hat gewonnen. (Foto: privat)

Schönau am Königssee – Die Sonne scheint. Die Straßen sind wieder frei, die Vorratskammer gefüllt. Jetzt können sie wieder kommen, die Gäste. »Vorderbrand«-Wirt Rüdiger Runge freut sich auf ein richtig gutes Wochenende. Hinter ihm und seiner Belegschaft liegt eine tiefwinterliche Woche.


»Schnee, Schnee soweit das Auge blickt. Und kein Ende in Sicht.« Via Facebook haben die Wirtsleute vom Vorderbrand ihre treuen Gäste aus nah und fern auf dem Laufenden gehalten, die Schneesituation regelmäßig fotografisch dokumentiert. Während sich einige Sorgen um Familie Runge machten, freuten sich andere über die weiße Pracht. Bereits am Samstag betrug die Schneehöhe auf Vorderbrand 1,20 Meter.

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Losgegangen mit dem winterlichen Treiben war es am Donnerstag. Runges Ehefrau Hildegard hat die Witterung im Kalender genau notiert. »Bei so viel Schnee kam da keiner mehr die Straße rauf«, weiß der Wirt. Um 8.30 Uhr hat er dann zum ersten Mal geräumt. Um 13 Uhr wieder. »Es darf nicht zu viel werden. Sonst kommt der Holder, ein kleiner Traktor, nicht mehr durch.«

Dann kam die Härte. Schneeregen in Kombination mit heftigem, eiskalten Wind brachte gefährliche Glätte. »Hier oben hat es so richtig geblasen«, erinnert sich Rüdger Runge. Dann hat es wieder durchgeschneit. Der Chef hat seine Leute heimgeschickt, bevor eine Autofahrt zu riskant wurde. »Die müssen ja irgendwie heil runterkommen zu ihren Familien«, sagt der Wirt.

Am Sonntag war das Wetter dann ruhig. Im Gasthaus dafür umso weniger. »Wir hatten eine Taufgesellschaft zu Gast«, so Runge. Am Montag kam dann wieder der Schnee. Und der »Vorderbrand«-Wirt hat wieder geräumt und gefräst. Genauso wie am Dienstag, wo gleich noch mehr runter kam. »Wir haben keine Nachbarn. Deshalb kriege ich den Schnee gut weg«, erklärt Runge. Da im Wirtshaus nichts zu tun war, hat er auf dem Parkplatz eine Eisstockbahn angelegt. Seine Kreativität, die der Spitzenkoch sonst in der Küche auslebt, ließ er eben anderweitig freien Lauf.

Jetzt steht ein strahlend blaues Wochenende vor Tür. Alles ist ausgefräst, die Straßen sind frei. Mit Winterreifen kommt man problemlos über den Faselberg nach Vorderbrand. Noch bequemer geht es über den Obersalzberg. Für Samstag und Sonntag hat Familie Runge bereits mehrere Reservierungen. Darunter eine Diamantene Hochzeit und einen 80. Geburtstag. Verständlicherweise ist im »Vorderbrand« aber nur tagsüber viel los. Mittwochs und donnerstags hat das Gasthaus jetzt im Winter generell geschlossen.

Außer natürlich, es meldet sich eine größere Gruppe an. So wie am Sonntagabend. Der Chef hatte sein Personal gerade nach Hause geschickt, als eine Gruppe hungriger Bergwachtler vor der Gasthaustür stand. Für Rüdiger Runge war klar: »Zu der Bergwacht darf man nie nein sagen. Denn die helfen ehrenamtlich anderen Menschen.« Also, hat der Wirt geschaut, was noch so da ist. Schließlich gab es deftige Krautfleckerl. Und Bier. Genau das Richtige bei dem Wetter. Christian Fischer