weather-image

Eingriff ins Landschaftsbild

4.1
4.1
Bildtext einblenden
Beim Ramsauer Felsentor soll eine Kleinwasserkraftanlage entstehen. Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz haben etwas dagegen. Foto: privat

Ramsau (BN) – Auf ihren Vorstandssitzungen beschlossen die Kreisvorstände von Bund Naturschutz (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV), gegen den Bescheid zum Bau der Wasserkraftanlage am Felsentor in der Ramsau zu klagen und sich dabei gegenseitig fachlich und finanziell zu unterstützen. Über fünf Jahre hatte es gedauert, bis im Juli 2014 der Genehmigungsbescheid durch das Landratsamt erteilt wurde.


Im Oktober/November 2009 hatte das Landratsamt die Unterlagen für das Kleinwasserkraftwerk am Felsentor ausgelegt. Jetzt, über fünf Jahre danach, wurde der Bescheid erlassen. »Ohne dass es nochmals zu einer Auslegung gekommen wäre«, betont der BN und stellt fest, dass nach Ansicht des Landratsamtes auch keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich sei.

Anzeige

Gemäß Bundesnaturschutzgesetz ist es laut BN verboten, naturnahe Bereiche eines Fließgewässers zu zerstören. Das Landesamt für Umwelt sei bei einer Geländeeinsicht 2013 zu dem Ergebnis gekommen, dass durch das Vorhaben rund 250 Meter oberhalb und rund 400 Meter unterhalb des Felsentores ökologisch hoch empfindliche Bereiche im Eingriffsbereich lägen und gemäß Bestimmungsschlüssel als naturnah zu bewerten seien. Um den Verbotstatbestand zu umgehen, müssten sie durch gleichartige Flächen ausgeglichen werden. Wie die Untere Naturschutzbehörde in ihrer Stellungnahme schreibt, handele es sich um ein gesetzlich geschütztes Biotop und erfordere deshalb eine Ausgleichsmaßnahme, um die beeinträchtigten Funktionen des Naturhaushalts in gleichartiger Weise auszugleichen. »Aber die vom Landschaftsplaner vorgeschlagenen Ersatzmaßnahmen entsprechen nicht den Erfordernissen«, kritisieren Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz.

Der Klimaschutzmanager des Landkreises argumentiert laut BN mit dem Klimaschutzkonzept des Landkreises. Dort heißt es, dass das Wasserkraftpotenzial des Landkreises bereits gut genutzt werde. Hinsichtlich des Projektes am Felsentor befürchten die Naturschutzverbände deshalb, dass mit diesem Projekt ein Präzedenzfall geschaffen werden soll, mit dem dann auch alle weiteren Kleinwasserkraftwerke zu genehmigen sind, von denen noch einige in der Planung sind. BN-Kreisvorsitzende Rita Poser: »Deshalb mussten wir Klage einreichen und sind sehr froh darüber, dass der LBV uns dabei unterstützt.«

Bereits 2009 hatten die Naturschutzverbände gemeinsam mit den Fischern in einer Pressemitteilung und ihren Stellungnahmen das Vorhaben abgelehnt, unter anderem wegen des Eingriffs in das Landschaftsbild, der Zerstörung der Wasseramselreviere und wegen der Nachteile für Fische und andere Kieslücken bewohnende Tierarten. »Dies wurde im Genehmigungsbescheid unzureichend oder gar nicht gewürdigt, weshalb wir die Klage des Bund Naturschutz unterstützen«, so LBV-Kreisvorsitzender Peter Friedrich.

- Anzeige -