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Einsatz für die Roboter

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Beweglich wie ein Balletttänzer: Dieses Gerät steht auf jedem Untergrund stabil.
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Digitaler Durchblick: Dieser Aufklärungsroboter sieht alles.
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... müssen Maschinen ran. Zum Beispiel die Rettungsspinne des THW. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
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Nicht gerade gesund: Wenn Menschenkraft nicht mehr ausreicht ...
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Geländewagen: Hindernisse sind für dieses Fahrzeug kein Problem.
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Da weiß man gleich, wo man ist.
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»iRobot« heißt dieses pfiffige Kerlchen.
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Vierfach bereift, zu allem bereit.
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Ach, wie süß: ein Roboter mit Patschhändchen.

Berchtesgaden – »Noch ein paar Sekunden, dann heißt es ›Go‹«, sagt Frank Schneider, Wertungsrichter beim internationalen Eurathlon-Roboterwettbewerb, der noch bis Freitag am Triftplatz stattfindet. Der ehemalige Bahnhofstunnel ist verhüllt, eine Nebelwand versperrt jede Sicht. Also müssen Roboter ans Werk – und zeigen, was die Technik draufhat.


Ein schwerer Unfall, einige Fahrzeuge sind beteiligt, es brennt, Qualm, Hitze – und das alles in einem Tunnel. Für Menschen? Ein tödliches Szenario. Also müssen Roboter zum Brandherd geschickt werden und dort inspizieren, was los ist. So auch beim ehemaligen Bahnhofstunnel.

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Verhängt ist dieser mit riesigen Siloplanen, sodass der künstlich erzeugte Rauch nicht entweichen kann. Im Tunnel ist es stockfinster. Frank Schneider sagt, dass ein Mensch mit Taschenlampe nicht weiter als 50 Zentimeter schauen kann. »Nach zwei Metern im Tunnel hat man keinerlei Orientierungssinn mehr«, weiß der Experte. Dem Roboter hingegen, so groß wie ein Bobby-Car-Auto, ist das egal. 200 000 Euro teuer ist das hoch technisierte Gefährt, das von Menschenhand ferngesteuert wird. Es fährt auf Ketten, wenige Stundenkilometer schnell. Dafür kann es präzise Aufträge erteilt bekommen. Denn ausgestattet ist das futuristische Fahrzeug mit allerhand Schnickschnack. Thermokameras und Gerätschaften zum Beurteilen von Stoffen etwa.

Dann folgt der große Moment. Es geht los für den Roboter. Frank Schneider öffnet die Plane, dichter Rauch dringt aus dem Tunnel. »Ungiftig«, sagt ein Beteiligter. Ein anderer möchte mit in den Tunnel hinein. »Besser nicht«, meint sein Gesprächspartner. Denn einmal die Orientierung verloren, macht sich schnell Panik breit.

Der Roboter rollt in Richtung Tunneleingang, zunächst wird der ausfahrbare Arm getestet. »Alles roger.« Die Batterien sind geladen, von jetzt an hat das Gerät eine halbe Stunde Zeit, das Brandszenario zu erkunden und sich durch einen Hindernisparcours hindurchzuschlängeln. Rampen, Holzbarrikaden, Container, Löcher im Boden. Möglichkeiten zu scheitern gibt es für den Roboter und dessen Steuermann viele. So schnell wie nötig und so exakt wie möglich muss der Ausflug in die Dunkelheit durchgeführt werden. Über vier Monitore beobachten Kollegen und Interessierte das Geschehen, sehen, wie die Bordinfrarotkamera des Roboters aktiviert wird. Dank Thermosicht und Infrarotmessinstrumenten ist der Rauch kein Problem mehr. »Ein Mensch hätte hier selbst mit technischer Ausstattung seine Schwierigkeiten – allein schon wegen der Temperaturen, die im Notfall jegliches Durchkommen unmöglich machen.

Der Einsatz der von Menschenhand gefertigten Roboter ist in vielen Situationen bereits Realität, wenngleich die spezialisierten Fahrzeuge, die selbstständig Hindernisse überwinden, viel Geld kosten. »Schon heute wird die Bundeswehr in Krisengebieten mithilfe von Aufklärungsrobotern entlastet«, sagt ein Teilnehmer. Menschen kommen bei solchen Aktionen meist nicht zum Einsatz. Zum Beispiel dann, wenn eine Bombe vermutet wird, die jede Sekunde explodieren könnte. »Falls ein Roboter beschädigt wird, ist es nur Geld, das verloren geht.« Bei einem Menschenleben schaue das schon anders aus.

Noch immer sucht das Gefährt auf Ketten nach dem Brandherd im Tunnel. Der Parcours ist geschickt aufgebaut, präzises Fahren ist notwendig, um nicht an der nächsten Ecke hängen zu bleiben. Kein Problem, der Roboter hat sein Ziel erreicht. Über die Monitore und die Messinstrumente können die Wissenschaftler abschätzen, was im Folgenden zu machen ist.

Vergleichbar spannend soll auch die nächste Aktion am Freitag zum Abschluss des Eurathlon-Wettbewerbs sein: ein Bombenfundszenario mitten im Berchtesgadener Bahnhof. Menschen haben da nichts verloren. Dann sind erneut die Roboter gefragt. Kilian Pfeiffer