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Einsatz im Reich der Mitte

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Bei der Arbeit (v.r.): Peter Wörnle, Teammitglied Wu und die Dolmetscherin Ning Yanmin waren beauftragt, Ideen für das Konzept »100 Hektar« zu entwickeln. Ziel ist eine touristische Erholungsanlage. Foto: Anzeiger/av

Berchtesgaden - Eine aufregende Mission führte den Berchtesgadener Peter Wörnle nach China. Der Ingenieur für Landespflege engagiert sich bei SES, dem Senioren-Experten-Service. Diese Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit ist eine gemeinnützige GmbH, bei der Menschen im Ruhestand ihr Wissen und ihre Erfahrung international zum Einsatz bringen.


Eine Fläche in der Zaozhuang-Provinz in China, rund 100 Hektar groß, touristisch zu erschließen - das war die Mammut-Aufgabe, die es zu bewältigen galt. Die gemeinnützige Organisation SES schickte Peter Wörnle im Oktober für dreieinhalb Wochen dorthin, um ein Konzept für die riesige Fläche gleich neben einem Spa namens »Hot Spring« (heiße Quelle) zu entwickeln. Es sollte eine Art Vergnügungspark mit mitteleuropäischem Einfluss werden, vergleichbar mit einem Disneyland mit Skihalle.

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Über dieses Unterfangen und seine Eindrücke von der Reise gab Wörnle am Donnerstag einen Vortrag beim Seniorenstammtisch im Pfarrheim St. Andreas. Die Teilnehmer staunten nicht schlecht über die eine oder andere Gewohnheit der Chinesen. Zum Beispiel die festlich zelebrierten Geschäftsessen, zu denen neben exotischen Speisen jede Menge Schnaps als Zeichen der Gastfreundschaft gehört. Genauso über getrocknete Seegurken, die besonders Männer wegen des Proteingehalts zu sich nehmen, wobei ein Gramm der merkwürdigen Delikatesse bereits umgerechnet zehn Euro kostet.

Die ersten beiden Tage der Reise verbrachte Wörnle in Peking. Dort fotografierte er etwas, das man auch nicht jeden Tag sieht. Einen Mann, der mit einem Fahrrad mit einem Anhänger voller Rollrasen durch die Stadt fährt. Dazu einen haushohen Korb voller bunter Blumen oder auch ein komplettes Bild bestehend aus echten Pflanzen. Gärtnerische Kunst ist dort häufiger anzutreffen. Auch Drachen, die mitten in der Großstadt in den Himmel steigen, sind in Deutschland wohl eher ein seltener Anblick. Am dritten Tag ging es dann mit einem Schnellzug in die Zaozhuang-Provinz, und das mit einer Geschwindigkeit von 302 Stundenkilometern. Dort befinden sich das Hotel »Hot Spring« und das benachbarte Land, das teilweise von Bauern bewirtschaftet wird und nun zu einem Erholungspark werden soll.

In China immer mit von der Partie war Wörnles Dolmetscherin Ning Yanmin, die ihm mit einem Team mit Rat und Tat zur Seite stand, um das Konzept »100 Hektar« zu erstellen. Als Arbeitsplatz diente dem Landschaftspfleger Peter Wörnle nur ein kleiner Tisch in seinem Hotelzimmer. Auch durfte er wegen Sicherheitsbestimmungen die große Fläche jenseits des Hotelzauns nur ein einziges Mal begehen. Mit diesen Umständen muss man in dem viertgrößten Land der Erde eben zurechtkommen.

Trotz aller Hindernisse unterbreitete Wörnle seine Ideen den Betreibern der Einrichtung. »Sie wollten so eine Art Disneyland aufziehen«, erzählt der Landschaftspfleger, »ob sie das tun, ist eine Frage. Ob sie meine Ideen verwirklichen, ist auch unsicher.« Zu seinen Ideen gehören verschiedene Bereiche, die im Sommer oder im Winter zur Erholung genutzt werden können, zum Beispiel eine Indoor-Skihalle. Aber die Grundidee ist es, auch einem Publikum mit mittlerem Einkommen Möglichkeiten zur Erholung zu gewährleisten.

Die Stiftung Senioren-Experten-Service setzt sich weltweit ein, um das hiesige Wissen und die Erfahrung mit anderen Ländern zu teilen und so die internationale Zusammenarbeit zu fördern. Die mehr als 10 000 Senior-Experten sind im aktiven Ruhestand tätig und leisten weltweit Hilfe zur Selbsthilfe. Sie stehen mit ihrem Fachwissen aus über 50 Branchen mit Rat und Tat zur Verfügung. So verwirklicht die Organisation sein Credo »Zukunft braucht Erfahrung«. av