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Eintritt in eine besondere Welt

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Der Maler vor seinem Werk. Bis zum 11. Juli werden Siegfried Grubers Arbeiten aus fast fünf Jahrzehnten in der Galerie am Schloss gezeigt. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Kunst, sagte Siegfried Gruber an anderer Stelle, sei eine Beschäftigung, die ihm mehr bedeute als irgendetwas anderes. Das muss der Besucher der aktuellen Ausstellung der Galerie am Schloss nicht unbedingt als Richtschnur für seinen Rundgang durch Grubers Welten nehmen, aber es hilft vermutlich, sich in die Bildgeschichten, die der Berchtesgadener Maler und Zeichner in der aktuellen Ausstellung am Schlossplatz 5 bis zum 11. Juli präsentiert. »Siegfried Gruber – Werke 1968-2015« ist der schlichte Titel der Ausstellung, die tatsächlich einen beinahe repräsentativen Ausschnitt aus Grubers Schaffen liefert.


Die Kunstwelten Siegfried Grubers haben sich im Laufe seiner sich jetzt schon über Jahrzehnte erstreckenden Laufbahn verändert. Aber sie sind alles andere als die Illustrierung jeweils in Mode gekommener und wieder verschwundenen Trends, die der Berchtesgadener stets weiträumig umschiffte und als Trennmauer eine skeptische Grundhaltung zwischen sich und die aktuelle Kunstmode zog. Und so ist es ganz selbstverständlich ein Erlebnis der besonderen Art, sich auf das Spektrum Grubers, das von aktuellen Landschafts- und Genre-Gemälden bis zurück in die oft filigrane Grafikwelt der 60er- und 70er-Jahre reicht.

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Die Galerie von Jens Knüppel wirkt größer, großzügiger als bei vorausgegangenen Werkschauen. Den Bildern, im ersten Raum sind es in Mehrzahl in den vergangenen Jahren entstandene Ölbilder, wird Platz eingeräumt, sich auszubreiten und Wirkung zu erzielen.

Galerist Knüppel ließ es sich nicht nehmen, zur unprätentiösen Eröffnung der Ausstellung, auf seine »Favoriten« besonders aufmerksam zu machen. Etwa auf die erst heuer entstandene »Bräuhausstraße«, die der Maler gewissermaßen neu konzipiert. Er verschiebt geografische Details, gibt dem realen Brauhaus eine neue Nachbarschaft mit Grüngürtel und alpinem Hintergrund und liefert der dem Betrachter abgewandten Menschengruppe eine verdichtete Szenerie. Diese Dichte scheint Gruber mühelos in anderen Gemälden zu erreichen, etwa bei der »Rossfeldstraße«, die er im Winterkleid zeigt, mit Spaziergängern und Skifahrern bevölkert.

Auf der Treppe zum ersten Stock beginnt der Gang durch das grafische Werk des Zeichners. Hier spannt sich tatsächlich der Bogen über fast ein halbes Jahrhundert. Das Flächige, das die Arbeiten der Gegenwartsperiode des Künstlers unverwechselbar macht, findet sich in den vor Jahrzehnten entstandenen Radierungen, die teilweise mit Feder oder Farbstift »nachgearbeitet« wurden, kaum.

Der akribische, fast geniale Zeichner, lässt seine Motive mitunter aus einem geordneten Wirrwarr von Linien herauswachsen, zwingt den willigen Betrachter zum Genausehen und kann ihm Glücksgefühle bescheren, wenn er den Code zur Entschlüsselung gefunden hat. Seinen eigenen, der möglicherweise nicht mit dem des Künstlers übereinstimmen muss. Das »Selbstporträt« sei als Beispiel genannt. Die Radierung »Krieg« beeindruckt als politische Grafik. Während die Familie in Behaglichkeit zusammensitzt, wird hinter der trennenden Mauer gemeuchelt.

Siegfried Grubers Arbeiten sind mitunter mit einem philosophischen Ansatz behaftet. Und selten sofort und mühelos zu erschließen. Dafür verbleiben sie wohl ungleich länger im Kopf des Betrachters.

Die Galerie am Schloss von Jens Knüppel hat jeweils am Freitag von 15 bis 17 Uhr sowie an den Wochenendtagen von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Dieter Meister