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Eiskalte Gefahr

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Die BRK-Retter warnen ausdrücklich vor den Risiken und appellieren an die Eigenverantwortung der Menschen: Die Eisschicht muss mindestens zehn bis zwölf Zentimeter dick sein, um eine Einzelperson sicher zu tragen. Das ist derzeit im Landkreis noch nicht der Fall. (Foto: Leitner/BRK BGL)

Berchtesgadener Land – Die heimischen Gewässer frieren derzeit aufgrund der anhaltenden Minusgrade und der kurzen Tage mit tief stehender Sonne nach und nach zu. Die Eisdecken sind aber noch nicht tragfähig. Die BRK-Wasserwacht warnt ausdrücklich davor, die noch dünnen Schichten zu betreten, da die Gefahr, einzubrechen, einfach zu hoch ist.


Im südlichen Landkreis gibt es kein Gewässer mit einer durchgehenden Eisfläche, die schon sicher trägt. Am Hintersee in Ramsau geben weder die Gemeinde noch die BRK-Wasserwacht das Eis frei – trotzdem sind bereits viele Menschen auf dem See unterwegs. »Begehen geschieht immer auf eigene Gefahr«, betont der Technische Leiter der Ortsgruppe Berchtesgaden, Franz Kurz. Aktuell herrscht dort meist Spiegeleis vor, wobei die Stärke stark variiert: Im Bereich Richtung Zauberwald im Norden ist sie bereits zehn bis zwölf Zentimeter dick, in der Mitte des Sees aber nur drei bis fünf Zentimeter. Im Bereich des Zulaufs ist sie schwer einschätzbar und nicht tragfähig, weshalb Lebensgefahr besteht. Bis zum Schneefall am Montagabend ist das Eis gewachsen. Durch die Isolierschicht der Schneedecke schmilzt es aber wieder und wird unsicher. Am Königssee beginnt im Bereich der Seelände eine leichte Vereisung des Gewässers.

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Der Thumsee war am 30. Dezember noch komplett eisfrei und ist dann bis zum Montagabend auf etwa halber Fläche beginnend vom Parkplatz Süd aus zugefroren, allerdings nur sehr dünn. »Aufgrund des Schneefalls am Abend wurde die Eisfläche wieder geschwächt. Beim Betreten besteht Lebensgefahr«, warnt Kreis-Wasserwacht-Chef Rudi Schierghofer. Der Höglwörther See ist ebenfalls zugefroren, trägt aber nicht. Die Eisstockschützen haben sich einzelne tragfähige Flächen ausgeschoben, generell sind aber überall, auch schon am Rand, schwarze Löcher zu sehen, die auf eine sehr dünne Schicht hindeuten.

Der Abtsee bei Laufen ist aktuell von einer drei bis vier Zentimeter dünnen Schicht am gesamten Gewässer bedeckt, die noch nicht trägt, aber weiter wächst. »Es könnte durchaus sein, dass sie in den nächsten Tagen stark genug ist«, meint Ortsgruppenvorsitzender Christoph Scharf. Das Schönramer Filz wird seit Sonntag schon bei einer geschätzten Eisdicke von acht Zentimetern mit Schlittschuhen befahren.

Im Raum Freilassing sind die Weiher teilweise mit einer dünnen Schicht bedeckt. Ortsgruppenvorsitzender Peter Graf kennt aber keinen, der bereits trägt.

»Von außen, also ohne Bohrung, kann man die Eisdicke nicht bestimmen«, erklärt der Technische Leiter der BRK-Wasserwacht im Landkreis, Siegfried Hauber. Die Retter warnen daher ausdrücklich vor den Risiken und appellieren an die Eigenverantwortung der Menschen: Die Eisschicht muss mindestens zehn bis zwölf Zentimeter dick sein, um eine Einzelperson sicher zu tragen. Da die Stärke der Eisdecke aufgrund von Strömung und wechselndem Wasserstand variieren kann, sollte man sich im Zweifelsfall gegen Aktivitäten auf zugefrorenen Gewässern entscheiden.

Vor allem Kinder müssen über die Gefahren des Eises aufgeklärt und zum richtigen Verhalten angeleitet werden. Erst wenn es über einen längeren Zeitraum richtig kalt bleibt, bildet sich eine dicke Schicht aus, die auch mehrere Menschen trägt. ml