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Elektromobilität und entschlackte Cockpits

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Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp und Brigitte Zobel von »teamwörk« eröffneten die zweitägige Automobilausstellung im Kongresshaus. Im Hintergrund ein Teil der Aussteller.
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Abfahrstation: Bei der E-Tankstelle des Autohauses Buchwinkler konnten Elektrofahrzeuge im Markt gestartet und getestet werden. (Fotos: Bittner)

Berchtesgaden – Das Auto war nach zwei Jahren wieder einmal zentrales Thema eines Wochenendes im Kongresshaus. »Zum letzten Mal vor dem Umbau«, wie Franz Rasp bei der Eröffnung schmunzelte. Der Bürgermeister bat augenzwinkernd all jene der insgesamt elf Aussteller, die ihre Fahrzeuge im hinteren Gebäudetrakt präsentierten, keine Spuren zu hinterlassen: »Denn dort haben wir schon renoviert.«


Die Elektromobilität beschäftigt alle Autobauer, bis auf einen: Fiat setzt darauf, den Verbrauch kontinuierlich zu senken, wie Matthias Höfler vom gleichnamigen Autohaus in der Gartenau informierte. Die »grüne Entwicklung« beim Autofahren ist mittlerweile den Kinderschuhen nahezu entstiegen. Letztlich entscheidet aber immer noch der Verbraucher: Für vierrädrige E-Fahrzeuge müssen nach wie vor bis zu 10 000 Euro mehr bezahlt werden als für die herkömmliche Variante. »Das rechnet sich noch nicht«, gab ein Autohändler unumwunden zu.

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Rund 70 Modelle von 16 Autoherstellern aus der ganzen Welt standen herausgeputzt auf trockenem Teppich-Terrain – bis auf einen: der halbseitig mit Dreck besprühte VW Amarok aus dem Autohaus Buchwinkler. Den Pick-up gibt es seit 2010, er bildete für jeden Besucher der Ausstellung das imposante Eröffnungsbild in feschem Metallic-Rot-Orange samt vier gewaltigen Scheinwerfern auf dem Dach. Thomas Buchwinkler präsentierte die drei Marken seines Hauses – VW, Audi und Skoda – im Eingangsbereich.

Umweltfreundlichkeit wird immer wichtiger

Umweltfreundlichkeit hat sich Leo Eppich aus dem gleichnamigen Toyota-Autohaus an der Salzburger Straße auf die Fahnen geschrieben. Der japanische Hybrid-Erfinder hat in den vergangenen drei Jahren drei Millionen E-Fahrzeuge in Deutschland verkauft. »Das sind gewaltige Zahlen, die zeigen, wohin der Trend geht«, so Eppich, der mit den Toyota-Modellen alle Altersklassen anspricht, unter anderem mit Autos ab 11 000 Euro.

Ein paar Meter weiter präsentierte Martin Eppich seine Seat-Fahrzeuge aus seinem seit 1988 bestehenden Autohaus. Er hat kein Hybrid-Fahrzeug in seiner Flotte, dafür eines in Erdgas-Benzin-Kombination mit gleichgroßem Tankvolumen. Bis zu 1 400 Kilometer Reichweite erzielt der Leon TGI damit. Das 1,4-Liter-Aggregat läuft mit Gas- und Benzindirekteinspritzung plus Abgasturboaufladung. Erst wenn der Gastank leer ist, wird auf Benzin gewechselt.

Matthias Höfler vom Fiat-Autohaus Max Höfler bedient in erster Linie das Zweitwagensegment und möchte sich »in schwierigen Zeiten« gar nicht mit den großen deutschen Herstellern messen. Mit dem 500x stand ein neues Modell in leuchtendem Rot als Nachfolger einer Ikone im Saal, mit dem Doblo ein Familien-Van in dritter Generation.

Die Marke Opel bietet in Berchtesgaden und Umgebung traditionell das Autohaus Reiner an. Prokurist Michael Loth informierte im Saal und präsentierte unter anderem den brandneuen Corsa mit bis zu 115 PS und Sechsganggetriebe. Auch die Opel-Modelle erfuhren in den vergangenen Jahren eine Minimierung der oftmals doch unübersichtlichen Tastenfelder im Cockpit. Künftig wird auf Touchscreens gesetzt, um die Bedienerkonsolen zu entschlacken und zu vereinfachen.

Ford-Modelle gibt es seit 1978 im Autohaus Angerer im Stangenwald. »Der Mondeo hat sich neu erfunden«, preist er ein neues Auto an und setzt noch einen oben drauf: »Ein Feuerwerk an Technologie, das Design kommt bestens an.« Der »Aktiv City Stopp« ist mittlerweile in allen Ford-Modellen integriert, obendrein können die Kunden auf eine »Verkehrsschild-Erkennung« vertrauen, die im Display angezeigt wird.

Diesel-Hybrid-Technik

Michael und Daniela Czech verkaufen in ihrem Autohaus am Hansererweg Peugeot. Neu ist ein 1,2-Liter-Motor mit nur 4,7 Liter Verbrauch und 110 PS. Der Trend bei den Franzosen geht zur Diesel-Hybrid-Technik, es gibt aber auch reine Elektromodelle, deren Batterien eine Reichweite bis zu 170 Kilometern ermöglichen. Neu ist der 208 GTi mit straffen Linien, sportlicher Persönlichkeit, aufregendem Innendesign und Leistung auf höchstem Niveau.

Mit Namen wie Qashquai, Sandero Stepway, Clio oder Captur beschäftigt sich Markus Benischke vom gleichnamigen Schönauer Autohaus fast täglich. Mit Renault seit den Anfängen 1962 sowie seit 2005 auch Dacia und Nissan müssen sich die Benischkes bestens auskennen. »Das funktioniert schon, und bei ganz außergewöhnlichen Fragen können wir ja nachschauen«, schmunzelt der Reichenhaller Filialleiter Christian Walch. Im April kommt mit dem Renault Espace ein neues Modell auf den Markt.

Mit der japanischen Marke Subaru beschäftigen sich Ludwig Stockklausner und sein Sohn Andreas. Sie führen das einzige Autohaus im Markt, das auch Anhänger anbietet. Zum zehnten Jubiläum können die Stockklausners zwei Sondermodelle des weltweit größten Allradherstellers anbieten, unter anderem den Outback mit Lineartronic-Automatikgetriebe ohne spürbare Schaltvorgänge. Das Besondere der Asiaten: »EyeSight«, das Fahrer-Assistenz-System mit Abstandswarner, Notbrems-, Kollisions-, Spurleit- und Spurhalteassistent – gekoppelt mit einem adaptiven Geschwindigkeitssystem.

Suzuki aus Japan und Ssangyong aus Korea vertritt das Autohaus Sauder in der Ramsau. Inhaber Markus Sauder präsentierte den nagelneuen Vitara, ein Kompakt-SUV als Allrad, mit LED-Scheinwerfern und einem radargestützten Abstandswarnsystem. Im Januar 2016 soll ein Hybrid-Fahrzeug mit »mildem« System auf den Markt kommen. Die Batterie kann dabei durch Energierückgewinnung beim Bremsen oder Rollen aufgeladen werden.

Vertreten durch Geschäftsführer Alois Landler präsentierte das Autohaus Moderegger im Großen Saal seine Marke BMW. Die BMW-Flotte setzt ausschließlich auf Allrad-Fahrzeuge sowie mit einem speziellen Konzept auf Elektromobilität. Der BMW i3 nutzt den Zweizylinder-Motor aus dem BMW-Roller C600 Sport als Range Extender und kommt so auf erstwagentaugliche Reichweiten. Obendrein werden die Münchner noch in diesem Jahr die neue Generation des SUV X1 auf den Markt bringen. Der Kompakte feiert vermutlich auf der IAA in Frankfurt, also im September, seine Premiere.

»Ein neues Auto ist eine feine Sache«

»So ein neues Autos ist schon eine feine Sache«, meinte eine Besucherin beim Verlassen des Kongresshauses am Samstag. »Wie die gut riechen, wenn man einsteigt«, schwärmte sie und meinte schmunzelnd: »Wahrscheinlich schau ich morgen gleich noch mal vorbei, weil der zweite Eindruck ja oft der wichtigere ist.« Am Sonntag erwischten die Veranstalter ihr gewünschtes Bewölkt-Wetter – viele Hundert Besucher strömten zur Ausstellung, die sich einmal mehr für alle Händler gelohnt hat. Hans-Joachim Bittner