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Eltern wehren sich gegen Kombiklassen

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Aufregung an der Grundschule Marktschellenberg: Hier soll es im kommenden Schuljahr – wie auch in Ramsau – nur noch drei statt bisher vier Klassen geben. Der Elternbeirat reichte eine Petition an den Bayerischen Landtag ein. (Foto: Wechslinger)

Marktschellenberg/Ramsau – Sowohl die Grundschule Marktschellenberg als auch die Grundschule Ramsau sollen nach Informationen des »Berchtesgadener Anzeigers« im kommenden Schuljahr eine Klasse verlieren. Durch die Bildung von sogenannten jahrgangsübergreifenden Kombiklassen wird sich die Klassenstärke deutlich erhöhen. »Es ist eine Unverschämtheit, sechs Wochen vor Schuljahresende eine solche Entscheidung, die nur mit Lehrermangel zu begründen ist, bekannt zu geben«, sagt der Marktschellenberger Elternbeirats- und Fördervereinsvorsitzende Thomas Jander. Eine Petition an den Bayerischen Landtag hat man am Wochenende auf den Weg gebracht.


Am 9. Juni war die Schulleitung der Grundschule Marktschellenberg nach Auskunft von Thomas Jander darüber informiert worden, dass im kommenden Schuljahr zwei Kombiklassen gebildet werden müssten, da nicht ausreichend Lehrerstunden vorhanden seien, um die Grundversorgung sicherzustellen. Dazu soll die jetzige 1. Klasse geteilt werden, die Kinder sollen in zwei Kombiklassen 1/2 und 2/3 aufgeteilt werden. Inklusive der 4. Klasse gibt es dann in Marktschellenberg künftig nur noch drei Grundschulklassen, eine Lehrerstelle würde eingespart.

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Thomas Jander stellt klar, dass man nicht grundsätzlich etwas gegen Kombiklassen habe. Hier gehe es aber nicht um ein pädagogisches Konzept oder um eine Notwendigkeit zum Erhalt der Schule, »sondern hier soll Personalmangel auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden.« Vor allem den Zeitpunkt der Bekanntgabe wenige Wochen vor Schuljahresende erzürnt Jander. »Es ist immer dasselbe: Solche Entscheidungen werden möglichst spät bekannt gegeben, damit der Widerstand möglichst gering ist.« Den Schwarzen Peter schiebt Thomas Jander nicht dem staatlichen Schulamt, sondern dem Kultusministerium zu. Das sei dafür verantwortlich, dass im Schulamtsbezirk 200 Lehrerstunden fehlen, um die Versorgung sicherzustellen. Im gesamten Landkreis Berchtesgadener Land sollen nach Janders Informationen an fünf kleinen Schulen Klassen gestrichen werden.

In Marktschellenberg will man sich mit der Entscheidung nicht abfinden. »Auch Bürgermeister Franz Halmich stärkt uns den Rücken«, sagt Jander, der sich bereits an den gebürtigen Schönauer Martin Güll, Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, gewandt hat. Außerdem hat der Elternbeirat am Wochenende eine Petition an den Bayerischen Landtag eingereicht. Darin verweist Jander insbesondere auf eine »Sondersituation« in Marktschellenberg. Denn in der dortigen Grundschule werden auch die Kinder des Kinderheims Bichlhof beschult. »Aus naheliegenden Gründen haben diese Kinder in der Regel einen höheren Betreuungsaufwand«, heißt es in der Petition. Allein im kommenden Jahr würden vier Kinder aus dem Bichlhof in der Marktschellenberger Grundschule unterrichtet, drei davon in der kommenden 1. Klasse. »Daher ist es aus pädagogischen Gründen eine enorme Verschlechterung der Situation, wenn sich diese Kinder statt in einer Jahrgangsklasse mit 15 Kindern in einer Kombiklasse mit über 20 Kindern wiederfinden«, schreibt Jander.

Kein Verständnis hat die Elternschaft in Marktschellenberg dafür, dass die jetzige 1. Klasse im kommenden Schuljahr einfach geteilt werden soll. Eine Hälfte der Kinder bildet dann die Klasse 1/2, die andere die Klasse 2/3. Nach zwei Jahren wird die Klasse dann in der 4. Jahrgangsstufe wieder zusammengeführt. »Das ist ein Hin-und-her-Geschiebe von Kindern, was viel Unruhe an die Schule bringt«, sagt Jander. Man reiße die Kinder förmlich auseinander.

»Grundsätzlich muss der Freistaat Bayern sein Budgetierungssystem für Lehrer ändern, um die Grundversorgung bei der Beschulung unserer Kinder sicherzustellen«, fordert Thomas Jander. Es gehe nicht an, ausgerechnet an den kleinsten Schulen im Landkreis Klassen zu streichen. Schließlich heiße es in den Vorgaben für die Klassenbildung, dass insbesondere in Landkreisen mit kleinteiliger Schulstruktur zusätzliche Stellen zur Klassenbildung zur Verfügung gestellt würden.

Der Elternbeirat der Grundschule Marktschellenberg fordert mit der in der letzten Woche beschlossenen Petition, dass die Entscheidung zur Bildung zweier Kombiklassen an der Grundschule Marktschellenberg rückgängig gemacht wird und dass der Schule ausreichend Lehrerstunden zugewiesen werden, um vier Jahrgangsklassen bilden zu können. Ulli Kastner