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Energie in Bischofswiesen bis 2030 zur Hälfte aus nachhaltigen Quellen?

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Der Anteil an erneuerbaren Energien ist in Bischofswiesen mit 14 Prozent beim Strom und 30 Prozent bei der Wärme schon recht hoch. Bis 2030 könnte er jeweils auf rund 50 Prozent ausgebaut werden. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – 4,2 Tonnen Treibhausgase produziert aktuell jeder Bischofswieser im Jahr. Sollten die im Energienutzungsplan für die Gemeinde vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden, könnte die Bilanz auf 2,3 Tonnen verbessert werden. Das betonte Manuel Münch, Klimaschutzmanager des Landkreises Berchtesgadener Land, am Dienstag bei der Präsentation des Energienutzungsplans für die Gemeinde Bischofswiesen im Gemeinderat.


Exakt 2 018 Gebäude hat man in zwei Jahren in der Gemeinde Bischofswiesen untersucht und ihren energetischen Istzustand festgestellt. Anhand eines Wärmekatasters hat man dann den Wärmeverbrauch berechnet. Für den Verbrauch von 96 830 Megawattstunden im Jahr sind zu 53 Prozent die Wirtschaft, zu 45 Prozent Privathaushalte und zu zwei Prozent kommunale Liegenschaften verantwortlich. 30 Prozent der Energie kommen in Bischofswiesen aus erneuerbaren Energien, unter anderem durch zehn Wasserkraftwerke, der Großteil der Wärmeenergie kommt mit 47 Prozent aus dem Heizöl.

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»Durch eine Sanierung von rund 490 Wohngebäuden bis zum Jahr 2030 könnten in Bischofswiesen rund 18 Prozent des privaten Wärmebedarfs eingespart werden«, sagte Manuel Münch. Auch beim Ausbau der Solarthermie (von 846 auf 1 812 Megawattstunden) und bei der Fotovoltaik (von 1 645 Megawatt auf rund 6 315 Megawattstunden) sieht Münch großes Potenzial. Die Möglichkeiten der Geothermie müssten dagegen im Einzelfall geprüft werden.

Bei der Wasserkraft kann man laut Energienutzungsplan noch von 1 286 auf 1 829 Megawattstunden zulegen, bei der Fernwärme von 10 600 auf 19 100 Megawattstunden. Das ist durch den Ausbau des bestehenden Fernwärmenetzes (Stanggaß) sowie durch den Bau eines Fernheizkraftwerks für den Bereich Winkl möglich (Eigenes Fernheizkraftwerk für die Siedlung Winkl?). Der Anteil an erneuerbaren Energien in Bischofswiesen könnte bis zum Jahr 2030 auf 48 Prozent beim Stromverbrauch und auf 50 Prozent bei der Wärmeerzeugung erhöht werden.

Neben den genannten Maßnahmen bei der Fernwärme werden im Energienutzungsplan weitere mögliche Projekte genannt. Dazu gehören ein künftiger Wärmeverbund Bürgerzentrum/Schule, die Installation einer Solarthermie- und Fotovoltaikanlage für das Naturbad Aschauerweiher, die Erneuerung der Energieversorgung im Kindergarten Winkl, in Wasserwerk und Bauhof, gegebenenfalls die Anbindung der geplanten Neubauten am Burgergraben an die Fernwärme, die Optimierung einer Wasserkraftanlage und der Neubau einer weiteren Wasserkraftanlage sowie die sukzessive Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik.

Verschiedene Maßnahmen wie die im Aschauerweiherbad stießen bei Paul Grafwallner auf Gefallen. Allerdings äußerte der UBB-Sprecher in Sachen Fernwärme Winkl erhebliches Misstrauen gegenüber der Genehmigungsbehörde Landratsamt. Grafwallner spielte damit auf juristische Auseinandersetzungen wegen genehmigter Wasserkraftanlagen an. Dagegen nahm Hans Metzenleitner (SPD) die Behörde trotz mancher Fehler in Schutz. »Dort wird im Allgemeinen gute Arbeit geleistet«, sagte der SPD-Sprecher und nannte sich einen »Verfechter des Leuchtturmprojekts Heizkraftwerk«. Nun gehe es darum, möglichst viele Bürger ins Boot zu holen. Außerdem brauche man entsprechende Förderprogramme von Bund und Land.

Die entsprechenden Beschlüsse zum Energienutzungsplan will der Gemeinderat am 15. Mai fassen. »Das wird dann unser Masterplan, in dem steht, wann wir was umsetzen«, fasste Bürgermeister Thomas Weber zusammen. Ulli Kastner