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»Entschuldigung, ich schau halt so blöd«

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Riesenstimmung herrschte nach der Aufführung der »Grießnockerlaffäre« im Saal mit den beiden bekannten Darstellern Sebastian Bezzel (vorne l.) und Simon Schwarz (vorne r). (Foto: Bittner)

Bad Reichenhall – »Der Kreisverkehr und der Hund sind die Hauptdarsteller«, sagt Sebastian Bezzel, der »Franz Eberhofer« aus den gleichnamigen bayerischen Krimi-Komödien.


Der vierte Eberhofer-Krimi »Grießnockerlaffäre« feierte am 3. August Deutschland-Premiere. Am Sonntag kamen Bezzel und Schwarz ins Park-Kino von Josef Loibl und Max Berger. Bezzel hielt sich bei seinem Besuch ein wenig zurück, während Gaudibursch Simon Schwarz, der »Birkenberger Rudi«, hüpfte und lachte und gestikulierte und somit für die gute Stimmung sorgte.

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Zusammen sind sie das perfekte Film-»Paar«, auch im echten Leben bestens befreundet. Bei »Schwere Jungs«, der Verfilmung einer olympischen Bob-Geschichte der frühen 1950er Jahre, haben sie sich kennengelernt. »Seitdem läuft diese Freundschaft mal so, mal so«, schmunzelt Bezzel, wobei sein Eberhofer-Blick dominiert. Auf die Frage, ob er diese Mimik erst entdecken oder gar erlernen musste, sagt er nur trocken: »Entschuldigung, ich schau halt so blöd.«

Mit begeisternden Jubelstürmen, aber kaum Fragen begrüßten die Reichenhaller Lichtspielhaus-Besucher die beiden Künstler: Den 46-jährigen Bezzel, geboren in Garmisch-Partenkirchen, und seinen genialen Schauspiel-Kollegen Schwarz, ebenfalls 46, geboren in Wien. Der bekam für eine Szene Leberwurstpaste auf sein fast haarloses Haupt, damit ihn der Filmhund »Joker«, in der Rolle »Ludwig«, abschleckt. Der treue vierbeinige Begleiter Eberhofers erhielt in der »Grießnockerlaffäre« wesentlich mehr Raum, genauso wie »Oma« Enzi Fuchs. »Das zeigt die immer wieder neuen Facetten der Reihe«, schätzt Schwarz. Filmort ist Niederkaltenkirchen, laut Birkenberger Rudi »Oberarsching«, in Wirklichkeit Frontenhausen im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau.

Bezzel lebte ab 2002 eine Zeit lang in Berlin und aktuell mit seiner Frau, Schauspielerin Johanna Christine Gehlen, in Hamburg-Ottensen. »Zum Glück habe ich aber viele Drehtage in Bayern«, meint er auf seine Heimat angesprochen. »Das macht das Leben im Norden leichter«, schmunzelt er. Die Eberhofer-Filme bereiten Bezzel viel Spaß, auch wenn jede Szene »brutal harte Arbeit« ist. Das verdankt das Team der Akribie des laut Bezzel »relativen Dreamteams« mit Regisseur Ed Herzog und Produzentin Kerstin Schmidbauer. »Sie überlassen nichts dem Zufall, bis zum letzten Komparsen muss alles perfekt stimmen, da wird nicht im Geringsten geschludert«, erzählt Schwarz. Das sei das Erfolgsrezept, gepaart mit der perfekten Abstimmung der Gags: »Wenn du da um eine Zehntel zu spät oder zu früh dran bist, kann es schon nicht mehr passen und der gewünschte Effekt verfehlt werden.«

Mittlerweile sei es ein Eberhofer-Kosmos, der wie ein Uhrwerk ticke: »Die Präzision ist einzigartig«, sagt Bezzel. Zu viel Gaudi bei den Dreharbeiten – »freilich kugeln wir uns schon auch mal, gerade bei den Musikszenen« – dürfen sie sich nicht erlauben: »Time ist schließlich Cash«, zwinkert Schwarz. Er und Bezzel kommen vom Theater und sind mittlerweile einem breiten Publikum aus Kino- und TV-Produktionen bekannt: »Tatort«, »SOKO«, »Der Bulle von Tölz«, »Nanga Parbat«, »Polt«, »Der Tatortreiniger« und viele mehr.

Am Ende ihres Besuchs bei Blitz, Donner und Dauerregen in der Kurstadt verrieten Bezzel – mit französischer Schirmkappe samt Seidenschal – und Schwarz in hellgrünen Shorts, dass es weitergeht. Im Herbst wird das »Sauerkrautkoma« gedreht, der fünfte Eberhofer-Krimi von Erfolgsautorin Rita Falk. »Wir schauen von Film zu Film, wie er jeweils ankommt«, sagt Bezzel auf die Aussichten angesprochen, wie weit es noch geht. Schließlich hat Falk insgesamt bereits acht Bücher der Reihe auf den Markt gebracht.

Der Film »Grießnockerlaffäre« ist morgen Freitag im Open Air Kino in Schönau am Königssee zu sehen. Hans-Joachim Bittner

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