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Ehemaliger »Superstar« und Chartstürmer Tobias Regner begeistert Publikum im »Grünsteinstüberl«

Er brennt noch

Selbstbewusst und publikumsnah: Vollblutmusiker Tobias Regner. (Foto: Tessnow)

Schönau am Königssee – Vor neun Jahren gewann Tobias Regner die dritte Staffel der RTL-Castingshow »Deutschland sucht den Superstar.« Das haben viele noch in guter Erinnerung. Was aber folgen sollte, war eine Business-Karriere mit knallhart kalkuliertem Verfallsdatum. Am Samstagabend gastierte Regner mit seiner Coverband »Kulturschock« am Punzeneck. Der »Berchtesgadener Anzeiger« besuchte den sehr persönlichen Auftritt und erfuhr in einem Gespräch mehr über die Entwicklung des einstigen »Superstars.«


Über drei Stunden gaben die gut gelaunten Musiker Vollgas. Unterstützt von seinen top eingespielten Musikerfreunden präsentierte Tobi Regner seine Coverband »Kulturschock« und lieferte den Gästen beste »Unplugged-Schmankerl.« Dabei hatte es das Quartett anfangs gar nicht so leicht, sich gegen eine essende und gesprächsfreudige Gesellschaft durchzusetzen. Mit einem abwechslungsreichen Repertoire, tiefgreifenden Texten und einer persönlichen Performance gelang ein Auftritt vom Feinsten. Mal gefühlvoll, mal krachend.

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Zwei Westerngitarren, ein Cajón und der brillante mehrstimmige Gesang gestalteten einen stimmigen Konzertabend. Neben Regners Titeln kamen Coversongs wie »Mrs. Robinson« (Simon & Garfunkel), »Lemon Tree« (Fool's Garden), »Sweet Home Alabama« (Lynyrd Skynyrd) oder »Venus« von Shocking Blue beim Publikum besonders gut an.

Ein kleiner Blick in die Vergangenheit: Endlich hatte mal ein kerniger Kerl die immer gleich jaulenden Main-Stream-Mädels und gegelten männlichen Möchtegerns von der »DSDS«-Bühne geblasen. Mit Mut zum Mucken gewann Tobias Regner 2006 verdient den Wettbewerb. Besonders durch sein authentisches Rockpotenzial sang er sich in die Herzen vieler Fernsehzuschauer. Für die Hitsingle »I still burn« gab's Gold. Auch für den »Echo« 2007 wurde er zweifach nominiert. Diesen Hype genießt der sympathische Tobi heute allerdings nicht mehr. Er nutzte jedoch die gesammelten Erfahrungen, gewann an Selbstvertrauen und wagte eigene musikalische Wege zu gehen. Aus ihm ist ein anspruchsvoller Musiker geworden, der sich aller Bohlen-Schablonen entledigte.

Regner erinnert sich: »Irgendwann hatte ich es danach satt, mich dem Radio anzubiedern. Dort musst du dich einkaufen, um gespielt zu werden. Ich habe bis 2010 Musik für die Charts gemacht und gemerkt, dass das falsch war«, resümiert er. Jetzt spiele ich für mich selbst. Meine Motivation ziehe ich aus der Resonanz des Publikums.« Das konnten auch die Zuhörer am Samstagabend spüren. Als der Musiker die intimen Eigenkompositionen vortrug, tauchte er mit Herz und Seele in seine Songs ein. »Da bin ich auch auf der Suche nach mir selbst. Ich verarbeite meine persönlichen Erlebnisse in den Texten«, gestand der 32-Jährige gesprächsoffen.

Als der Ruhm von »DSDS« nachließ, musste Regner allerdings umdenken. Mit »I still burn« hatte er zwar einen Hit gelandet, aber der Erfolgsanschluss im Musikbusiness hatte seine Tücken. Zu vielen Geschäftsbedingungen galt es, sich zu unterwerfen. Seine Persönlichkeit wurde fremdgesteuert, Kompositionen überarbeitet. Alles ein ziemlich kompromissloser Zuschnitt in Richtung Massenkompatibilität. Das war nicht mehr er. Seine Vielseitigkeit und seinen Ausdruck wollte er sich aber nicht nehmen lassen. »Heute ist ›Kulturschock‹ nur eines von vielen daraus entstandenen Nebenprojekten. »Da gibt's zusätzlich noch meine ›Metallica-Tribute-Band‹ und ›Ge'läck‹, die Party-Rockband. Außerdem erteile ich Gitarrenunterricht«, zählt er zufrieden auf. Seine aktuelle CD »Ohne Netz und doppelten Boden« wurde am 10. April in Eigenregie veröffentlicht. Aufgenommen und produziert wurde das fünfte Studioalbum im Dachstuhl seines Elternhauses in Teisendorf. Idee und Produktion übernahm sein Bruder Michi, das Grafikdesign für die Covergestaltung kreierte Regner selbst. Die erste Single-Auskopplung »Nur mit dir« stellte er eindrucksvoll am Samstagabend dem Publikum vor.

Begeistert wurden auch frühere Titel wie »Alternder Clown« und »Weißt du eigentlich« aufgenommen. Richtig laut wurde es in einer der unvermeidlichen Zugaben bei »Nothing else Matters« (Metallica). Band und Publikum verbanden sich zu einer harmonischen Gesellschaft. Ebenso eingespielt war auch das Team von »Grünsteinstüberl«-Chef Hartmut Fehrmann. Die Mitarbeiter flitzten und schwitzten. Denn es war kuschelig warm und eng in den Räumlichkeiten. Nach dem musikalischen Dreistundenmenü waren alle satt und platt. Musiker und Gäste erlebten einen hautnahen Kulturabend. Am 15. August kommt der »Kulturschock.« erneut. Jörg Tessnow