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»Er kann auch ein lieber und netter Mensch sein«

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Marktschellenberg/Laufen – Mit »alles blöd gelaufen« beschrieb der 34-jährige Monteur aus Freilassing die vier Anklagepunkte. Im April 2013 soll er einen Soldaten in einer Königsseer Diskothek schwer verletzt haben, im Juli eine gemeinsame Wohnung in Marktschellenberg verwüstet haben. Kurz darauf soll er Lebensgefährtin und Schwiegermutter mit einem Molotowcocktail gedroht haben und schließlich noch einen Rentner im selben Haus verletzt haben. Der mehrfach vorbestrafte Monteur kam am Laufener Amtsgericht noch einmal mit Bewährung davon, muss sich aber einer Alkohol- und Psychotherapie unterziehen.


Die Gasse durch die Gäste in der Königsseer Diskothek sei schmal gewesen, erinnerte sich der 25-jährige Soldat. Zum ersten Mal hatte er dieses Lokal besucht. Vor ihm der Angeklagte, der immer wieder mit dem Ellbogen nach hinten gestoßen habe. Schließlich sei der Angeklagte mit Fäusten auf ihn losgegangen. »Die ersten Schläge habe ich abwehren können, dann hat er mich voll am Auge erwischt«, erinnerte sich das Opfer. Zunächst sei er auf dem linken Auge vollkommen blind gewesen. Eine Augenprellung, ein Ödem und Blutungen unter der Netzhaut attestierte die Salzburger Klinik. Ein halbes Jahr habe es bis zur vollständigen Heilung gebraucht. Auch ein 22-jähriger Security-Mann bestätigte das Verhalten des Angeklagten. »Der war besoffen, hat Leute angerempelt. Er wollte einfach pöbeln.«

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»Ich hatte an dem 13. Juli alles zum Grillen vorbereitet«, berichtete seine damalige Lebensgefährtin, »er ist trotzdem weggegangen.« Und gegen halb fünf Uhr morgens »sturzbesoffen« nach Hause gekommen. Der Streit eskalierte. Der 34-Jährige riss Lampe und Kabel von der Decke, riss Leisten aus dem Türrahmen, trat ein Loch durch die Wand. Die 33-Jährige floh mit den beiden gemeinsamen Kindern nach unten in die Wohnung der Mutter.

»Ich habe Angst vor ihm«, gestand die 56-jährige Kauffrau, »er hat angedroht, uns zu vernichten. Uns mit Gas in die Luft zu sprengen.« Andererseits: »Er kann ein seelenguter Mensch sein.«

Die angebliche Drohung mit einem Molotowcocktail ließ das Gericht ebenso fallen wie die angeklagte Körperverletzung eines 71-jährigen Rentners. Wie sich herausstellte, war der Rentner mit Pfefferspray auf den Angeklagten losgegangen. Blieben die Anklagepunkte Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Psychopathologisch sah Dr. Fredi Watzlawik bei dem Mann keine Auffälligkeiten, stimmungsmäßig jedoch zeigte er sich unzufrieden. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie erfuhr den Probanden als »emotional labil« mit »angeschlagener Selbstwertstruktur«, daneben einem »Aggressionsmuster unter Einfluss von Alkohol«. Damit sei die Steuerungsfähigkeit wohl eingeschränkt, von einer Minderung nach Paragraph 21 Strafgesetzbuch könne jedoch nicht ausgegangen werden.

Staatsanwalt Björn Pfeifer sah den Monteur schuldig in beiden Anklagepunkten. Er verwies auf das »Vorleben« des Angeklagten und dessen mehrfache »einschlägige Taten«. Andererseits habe er zweimal seine Bewährung durchgestanden. Pfeifer plädierte auf eine elfmonatige Freiheitsstrafe mit einer vierjährigen Bewährungszeit, dazu eine Therapieauflage.

»Mein Mandant ist reuig und geständig und er hat den Schaden wieder gutgemacht«, fasste Rechtsanwalt Florian Eder aus der Kanzlei Tradler zusammen. Der 34-Jährige habe bereits freiwillig mit einer Therapie begonnen, Vorfälle dieser Art seien nicht mehr zu befürchten. Eder hielt sieben Monate zur Bewährung für angemessen.

Richter Dr. Karl Bösenecker folgte dem Antrag des Staatsanwaltes und entschied auf elf Monate und eine dreijährige Bewährungszeit. Die Therapie muss sofort beginnen. »Er kann auch ein lieber netter Mensch sein«, so der Eindruck des Strafrichters, dagegen stünden die »nicht unerheblichen Aggressionsdelikte«. In seinem familiären Umfeld habe der Monteur »Angst und Schrecken« verbreitet. »Seine Lebensumstände waren und sind nicht ausgesprochen günstig«, so Bösenecker, mit therapeutischen Maßnahmen werde er hoffentlich sein Leben in den Griff bekommen. höf