weather-image
29°

Erfolgreiche Themenwoche "Aktiv gegen Depression"

3.8
3.8
Bildtext einblenden
Christoph Gensch (Deutsche Rentenversicherung), Philipp Hämmerle (Klinikleiter der Schön Klinik Berchtesgadener Land), Landrat Georg Grabner, Lena Gruber (Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus Berchtesgadener Land) und Dr. Robert Doerr (Chefarzt des Fachzentrums Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Schön Klinik Berchtesgadener Land) sowie das Organisationsteam der Themenwoche „Aktiv gegen Depression“ aus dem Landratsamt Berchtesgadener Land, Katharina Theißig (Amt für Kinder, Jugend und Familien, Familienförderung), Dr. Udo Langenhorst (Gesundheitsamt), Barbara Müller (Seniorenbeauftragte für den Landkreis Berchtesgadener Land) und Caroline Puhlmann (Mitarbeiterin der Seniorenbeauftragten) Foto: Landratsamt Berchtesgadener Land

Eine Woche lang stand im Landkreis Berchtesgadener Land das Thema „Depression“ im Fokus. Das breitgefächerte Programm mit dem Motto „Aktiv gegen Depression“, das mit zahlreichen Akteuren aus dem Bereich der psychischen Gesundheit zusammengestellt wurde, fand großen Anklang, was sich in den durchweg guten Besucherzahlen widerspiegelte.


Zum Abschluss der Themenwoche kamen zahlreiche Besucher in das Park-Kino Bad Reichenhall, wo der Film „Helen“ ausgestrahlt wurde. Der Film zeigt die katastrophalen Folgen einer schweren Depression, lässt jedoch am Ende auch Raum für Hoffnung.

Anzeige

Im Anschluss stand Psychotherapeutin Dr. Angela Schönherr zur Reflektion des Films für Fragen zur Verfügung. Dabei kam sie auf die Entwicklung einer Depression zu sprechen und zeigt diese anhand des Films auf.

Helen ist die Hauptdarstellerin des Films, die an einer schweren Depression erkrankt. Sie ist Musikprofessorin und lebt mit ihrem Mann, den sie liebt, und ihrer 13-jährigen Tochter zusammen. Schönherr greift bei ihren Erläuterungen den Begriff eines „Seelenkontos“ auf.

Bildtext einblenden
Landrat Georg Grabner bei der Begrüßung zur Auftaktveranstaltung der Themenwoche „Aktiv gegen Depression“

Wir müssen darauf achten, dass unser Seelenkonto regelmäßig gefüllt wird, um die täglichen Anforderungen des Lebens meistern zu können. Das Seelenkonto der Hauptdarstellerin beschreibt Schönherr als unausgeglichen. Als sich bei ihr die ersten Symptome einer Depression wie Schlaflosigkeit, Niedergeschlagenheit und Lustlosigkeit einstellen, fühlt sie sich überfordert und kommt nur noch ihren Pflichten, wie dem Job oder die Tochter zur Schule zu bringen, nach. Bei ersten Anzeichen rät Schönherr, aufmerksam zu sein und sich bewusst für Dinge zu entscheiden, die einem Freude bereiten und damit seelische Energie zurückgeben.

Zwei Ausstellungen konnten im Laufe der Woche besichtigt werden

In der Schön Klinik Berchtesgadener Land war die „LebensBilderReise“ ausgestellt, die Betroffene in Bildern und Hörbeiträgen zu Wort kommen lässt. Diese Ausstellung ist in Zusammenarbeit des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege mit dem Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung und der Schön Klinik in Prien am Chiemsee entstanden.

Bildtext einblenden

Zum Auftakt der Themenwoche am Montag waren rund 70 Besucher in die Schön Klinik Berchtesgadener Land gekommen. Nach den Grußworten von Landrat Georg Grabner und Klinikleiter Philipp Hämmerle führte Dr. Rober Doerr, Chefarzt des Fachzentrums für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, in die Thematik ein.

Bildtext einblenden
Ausstellung „LebensBilderReise“

Christoph Gensch von der Abteilung Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung referierte im Anschluss zu den medizinischen Rehabilitationsleistungen in Bezug auf depressive Erkrankungen. Nach den Vorträgen war Gelegenheit, sich die Ausstellung anzusehen und mit den Referenten und anderen Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Ausstellung „GRENZen erLEBEN“

In der zweiten Ausstellung „GRENZen erLEBEN“, die in der Caritas-Tagesstätte für psychische Gesundheit aufgebaut war, konnten die Besucher Teilsymptome einer Depression erleben und nachempfinden.

Bildtext einblenden
Ausstellung „GRENZen erLEBEN“

Dr. Jutta Stadlbauer, Psychotherapeutin im Landkreis Berchtesgadener Land, hatte als damalige Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Caritas Traunstein die Idee für die Ausstellung, die dann zusammen mit der Universität Salzburg konzipiert wurde. Ihre Tochter, Mag. Tanja Stadlbauer, hat als damalige Studentin die Ausstellung mit entwickelt.

Hinter der Ausstellung steckt der Gedanke „aufzuzeigen, dass es natürlich schöne Dinge in der Welt gibt, Depressive aber wie hinter einer Glaswand leben“, so Stadlbauer. Ein dunkler, freudloser Gang steht für die Enge und Ausweglosigkeit, in der sich ein Betroffener befindet. Über einen Kopfhörer hören die Besucher typische, depressive Gedankenschleifen, die es kaum möglich machen, etwas Positives aufzuschreiben. Eine Bleiweste vermittelt dem Besucher die Schwere der Situation in einem trägen Körper.

Bildtext einblenden
Ausstellung „GRENZen erLEBEN“

Die Ausstellung macht die Depression auch für psychisch Gesunde spürbar, um Verständnis und Empathie für Erkrankte zu fördern. Mitarbeiter der Caritas-Tagesstätte und Fachambulanz, des Sozialpsychischen Dienstes und niedergelassene Psychotherapeuten standen dem Besucher nach der Ausstellung zum Austausch und weiterer Information zur Verfügung.

Sechs Vorträge mit unterschiedlichen Themen und ein gemeinsamer Spaziergang für Interessierte, Betroffene, Angehörige und Fachkräfte

Im kbo-Inn-Salzach-Klinikum referierte Chefarzt Dr. Rupert Müller zum Thema „Depression und Suizidalität“. Er erläuterte, dass die Erkrankung den ganzen Menschen betrifft. Betroffene sind in ihrer Denkfähigkeit, Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Aufgrund der Antriebslosigkeit fällt es Betroffenen außerdem schwer, körperlich aktiv zu sein. Eine Depression kann einen hohen Schweregrad erreichen, bei dem der Suizid leider auch ein reales Risiko darstellt.

Zum Thema „Depression und Burnout“ referierte Dr. Bernd Magenau, ehemaliger Leiter des Sozialpsychiatrischen Zentrums Berchtesgadener Land, in der Volkshochschule Bad Reichenhall. Er erläutert die drei Phasen, die zum Burnout führen, darunter zunächst eine chronische Müdigkeit gefolgt von Gleichgültigkeit und Reizbarkeit und in Phase drei oftmals ein Rückzug mit emotionaler Abkopplung vom Umfeld. Dennoch sind die Symptome sehr individuell und können je nach Persönlichkeit und Situation sehr unterschiedlich sein. Zur Vorbeugung rät Magenau zur mehr Achtsamkeit. Er schlägt den Zuhörern vor: „Schaffen Sie sich selbst Belohnungen.“

Ein Vortrag für Angehörige psychisch kranker Menschen fand im Café Harlekin des Sozialpsychiatrischen Dienstes statt und stand unter der Überschrift „Und wer fragt nach mir?“. Referentin Eva Straub ist seit vielen Jahren in der Selbsthilfe für Angehörige aktiv und engagiert sich im Landesverband Bayern und im Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker. Dem Betroffenen auf dem Weg durch die Krankheit zur Seite zu stehen, ist für Angehörige nicht einfach. Straub rät diesen daher, vor allem auf sich selbst Acht zu geben und auf Nichts zu verzichten, denn sie haben auch immer noch die Verantwortung für sich selbst. Zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen und seinen Freizeitaktivitäten nachzugehen, müssen Angehörige häufig bewusst lernen. Ist man ausgeglichen und entspannt, ist das nicht nur für den Angehörigen selbst, sondern auch für den Betroffenen die beste Situation.

Über „Demenz und Depression im Alter“ informierte Sabine Tschainer, Leiterin des Instituts „aufschwungalt“, die viele Jahre im Vorstand der Alzheimergesellschaft tätig war. Die Krankheitsbilder „Demenz“ und „Depression im Alter“ überschneiden sich häufig, weshalb eine eindeutige Diagnose oft nicht einfach ist. Die Referentin betonte jedoch, dass man zwischen den beiden Krankheiten gut differenzieren müsse. Die richtige Diagnose sei insbesondere deshalb wichtig, weil es bei Depressionen, im Gegensatz zur Demenz, gute Möglichkeiten der Therapie gäbe. „Lassen Sie sich gut beraten zu den Krankheitsbildern Demenz und Depression! Depressionen sind behandelbar und für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung sowie für ihre Angehörigen haben sich in den letzten Jahren gute Hilfs- und Unterstützungsangebote entwickelt“, riet die Referentin den interessierten Zuhörern im Landratsamt Berchtesgadener Land.

In der Kreisklinik Bad Reichenhall referierte zum Thema „Depression rund um die Geburt“ Dr. Alexandra Whitworth, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin aus Salzburg. Nach der Geburt eines Kindes kann es bei bis zu 15% der Mütter zu einer deutlichen, anhaltenden depressiven Verstimmung, der sogenannten postpartalen Depression kommen. Als Ursachen nennt Whitworth unter anderen eine bestehende Depression vor oder in der Schwangerschaft, was oftmals mit dem Absetzen von Langzeit-Medikationen zusammenhängt. Psychisch kranken Frauen im gebärfähigen Alter rät sie die Medikamenteneinnahme niemals abrupt abzusetzen, sondern in Abstimmung mit dem Facharzt  in Ruhe abzuwägen. Weitere Risikofaktoren für eine postpartale Depression sind sozioökonomische Belastungen, fehlende soziale Unterstützung, Partnerkonflikte, Schwangerschaftskomplikationen oder auch die Änderungen, die mit der Geburt als Lebensereignis einhergehen, wie zum Beispiel ein gestörter Schlaf. „Für eine möglichst rasche und erfolgreiche Behandlung sind das sensible, peripartale Management in multiprofessioneller Zusammenarbeit und ein frühzeitiges Erkennen wesentlich“, so Whithworth.

Dr. Michael Bauer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, referierte in der Caritas-Tagesstätte zum Thema „Depression bewältigen – im Leben bleiben“. Zunächst verschaffte er den Zuhörern einen Überblick über die Ursachen, Symptome und Formen der Krankheit. Im zweiten Teil ging er darauf ein, wie es trotz der Diagnose Burnout gelingt, im Leben zu bleiben und die Krankheit erfolgreich zu bewältigen. Depressionen haben gute Heilungschancen. Oftmals werden unterschiedliche Therapiemöglichkeiten miteinander kombiniert. Je nach Schweregrad der Depression sind Medikamente zur Bewältigung der Krankheit notwendig, so Bauer. Die sogenannten Antidepressiva helfen, das veränderte Botenstoffsystem wieder zu regulieren. Um einen Therapieerfolg zu erzielen, muss die Dosierung auf den Patienten abgestimmt sein, was regelmäßige Gespräche mit dem Facharzt erfordert. Darüber hinaus verlieren depressive Menschen mit der Zeit oftmals an Tagesstruktur. Hierbei unterstützt die Tagesstätte der Caritas mit ihren vielfältigen Angeboten.

Zu einem „Aktiv-gegen-Depression-Spaziergang“ lud die Selbsthilfekontaktstelle Berchtesgadener Land unter Leitung von Marie-Therese Roozen ein. Auf dem „Erholungsweg der Seele“ in Freilassing spazierte die Gruppe aus Betroffenen, Angehörigen und Interessierten durch Maisfelder und Wald. Neben Roozen wurde die Gruppe von Psychologin Katrin Buckel und der Leiterin der Selbsthilfegruppe Depression, Edith Kumm, begleitet. Bewegung an der frischen Luft zählt zu einer sinnvollen Alltagsmaßnahme, die depressiven Menschen bei ihrem Weg aus dem Stimmungstief unterstützen kann. Das Thema Bäume und Steine zog sich wie ein roter Faden durch den Spaziergang. Die Teilnehmer bekamen zu Beginn einen Saalachstein mit auf den Weg, auf dem sie im Laufe des Spaziergangs einen Wunsch niederschreiben konnten. Ein Gedicht, ein Text und Gedanken zu Stolpersteinen auf dem Weg durchs Leben waren kleine Inputs, die die Teilnehmer miteinander ins Gespräch brachten. Bei schönstem Herbstwetter verlief der Spaziergang kurzweilig und ungezwungen.

Gelungenes Kooperationsprojekt

Die Themenwoche „Aktiv gegen Depression“ wurde fachbereichsübergreifend mit dem Amt für Soziales und Senioren, dem Amt für Kinder, Jugend und Familie und dem Gesundheitsamt im Landratsamt Berchtesgadener Land in Zusammenarbeit mit zahlreichen Akteuren der psychischen Gesundheit im Landkreis organisiert. Somit wurde in der Gesundheitsregionplus Berchtesgadener Land das Schwerpunktthema „Depressionen bei Erwachsenen“ des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege mit vielen Aspekten aufgegriffen. Landrat Grabner dankt allen Akteuren, die sich in das Programm eingebracht haben. „Ich freue mich, dass wir mit der Themenwoche ein Stück dazu beitragen konnten, über die psychische Gesundheit und insbesondere das Krankheitsbild Depression aufzuklären, zu informieren und zu sensibilisieren.“

Text und Fotos: Landratsamt Berchtesgadener Land