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Eröffnungsfahrt im Dauerregen

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Die ersten Kehlsteinbesucher der Saison waren trotz trüben Wetters gut gelaunt (v.l.): Andreas Datz (RVO-Niederlassungsleiter), Silvia Erd-Fabritius (Kiosk Kehlstein-Abfahrtsstelle), Peter Renoth (Forstbetrieb Berchtesgaden), Elisabeth Rasp (dritte Bürgermeisterin Schönau am Königssee), Michael Wendl (Geschäftsleiter TRBK), Hans Kogler, Josef Moser (beide TRBK), Thomas Zumbrunnen, Martin Bambach, Ulrich Sedlbauer (alle vom Staatlichen Bauamt Traunstein), Josef Wenig (dritter Bürgermeister Berchtesgaden), Sebald König und Christine Götzelmann (beide Staatliches Bauamt Traunstein). (Fotos: Rothenbuchner)
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Die neuen Steinschlagschutzzäune sollen die Straße künftig schützen.

Berchtesgaden – Die neue Saison kann beginnen. In strömendem Regen machte sich gestern der erste RVO-Bus mit Vertretern der verantwortlichen Behörden auf den Weg zum Kehlstein. Ab heute soll der reguläre Betrieb starten, vorausgesetzt, es liegt kein Schnee.


Der späte Wintereinbruch sorgte heuer dafür, dass die traditionelle Eröffnungsfahrt mehrfach verschoben worden war. Jetzt, pünktlich zum Pfingstwochenende, war es endlich so weit. Trotz des nassen Wetters machte sich die Kehlsteinfamilie auf zur ersten Tour auf der 1938 gebauten Hochgebirgsstraße. Vor der ersten Fahrt hat sich auch in diesem Frühling wieder einiges getan.

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»Wir haben in diesem Jahr wieder alles unternommen, um einen sicheren Fahrbetrieb während der kommenden Saison zu gewährleisten«, sagte Sebald König vom Staatlichen Bauamt Traunstein, das die Kehlsteinstraße verwaltet. Eine wesentliche Maßnahme war die neue Absturzsicherung an der Schützenköpfl-Kehre. Die bisherigen Holzleitplanken hätten einen Bus im Ernstfall wahrscheinlich nicht halten können. Für die neuen Leitplanken hat man deshalb ein spezielles Stahlsystem verwendet. Außerdem wurden die Sockel, mit denen die Planken verbunden sind, zusätzlich verankert. »Die neuen Leitplanken werden einen Bus halten«, verspricht Thomas Zumbrunnen vom Staatlichen Bauamt Traunstein.

Um das Risiko durch Felsstürze zu vermindern, hat das Bauamt im Bereich nach dem Hirschtunnel neue Steinschlagschutzzäune aufgebaut. Die Netze sind mit zusätzlichen Bremselementen, die langsam nachgeben und somit den Sturz der Steine abdämpfen, gesichert und halten bis zu 1 000 Kilojoule. »Das Zeitfenster für die Arbeiten an der historischen Straße ist jedes Jahr kurz«, erklärte Zumbrunnen. Um rechtzeitig vor dem Saisonstart fertig zu werden, hat man einen Teil der Arbeiten für die Schutzzäune, etwa die Bohrungen für die Stützpfeiler, bereits im Herbst gemacht. Dennoch war noch einiges an der Privatstraße, die für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, zu tun.

Die Schneeräumarbeiten konnten heuer bereits am 1. März beginnen, zwei Wochen früher als im Vorjahr, und waren schon nach eineinhalb Tagen beendet. Aufgrund des späteren Schlechtwettereinbruchs mussten jedoch an sieben Tagen die Arbeiten eingestellt werden. Insgesamt wurden vor dieser Saison rund 250 000 Euro für Baumaßnahmen ausgegeben.

Während der Eröffnungsfahrt hatten die Teilnehmer Zeit, die Veränderungen genau unter die Lupe zu nehmen. Am Schützenköpfl betrachteten sie die neuen Leitplanken bei einem kurzen Zwischenstopp noch vom trockenen Bus aus. Beim nächsten Halt griffen dann aber alle nach ihren Regenschirmen. Trotz des ungemütlichen Wetters gingen sie die Straße entlang, um die neuen Schutzzäune gebührend zu bewundern und sich von Thomas Zumbrunnen und Sebald König Einzelheiten erklären zu lassen. Erst dann trieb der Regen alle wieder zurück in den wartenden RVO-Bus.

Dass dieser auf dem Weg nach oben anhält, war übrigens eine Ausnahme. Normalerweise fahren die Spezialbusse bei den Bergfahrten auf der einspurigen Straße durch. An den Ausweichstellen halten nur die ins Tal fahrenden Busse. Damit schone man unter anderem das Getriebe der stark beanspruchten Fahrzeuge, wie RVO-Niederlassungsleiter Andreas Datz erklärte. Die Straße zum Kehlsteinhaus stellt an Busse und Fahrer hohe Anforderungen. Daher werden auf dieser Strecke auch nur Personen eingesetzt, die über mindestens zwei Jahre Fahrpraxis in der Region verfügen.

Im vergangenen Jahr haben die Busse über 385 000 Fahrgäste befördert. Diese Zahl nannte Michael Wendl, Geschäftsleiter der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, nach der Ankunft am Kehlsteinhaus. Geöffnet waren die Kehlsteinbetriebe in der vergangenen Saison vom 8. Mai bis zum 25. Oktober. Im Herbst war der Fahrbetrieb an drei Tagen wegen Schneefalls eingestellt.

Ob der Schnee auch an diesem Wochenende Schwierigkeiten machen wird, konnte zum Zeitpunkt der Eröffnungsfahrt noch niemand sagen. Die Temperaturen bewegten sich allerdings gefährlich tief und der Regen ging zeitweise bereits in leichten Schneefall über. »Wir haben in der Küche beschlossen, morgen mit einer Notfallspeisekarte zu starten«, erklärte Wirt Norbert Eder, der seine Gäste mit einer gut geheizten Stube und heißen Weißwürsten erwartete. »Improvisation ist hier eine wichtige Tugend.« Er muss es wissen, denn Eder ist heuer die 27. Saison im Kehlsteinhaus.

Der wichtigste Wunsch der Kehlsteinfamilie ist auch heuer wieder eine sichere und unfallfreie Saison. Ein guter Anfang ist bereits gemacht, denn der behindertengerechte RVO-Bus brachte auch bei dieser Eröffnungsfahrt wieder alle sicher zurück ins Tal. Alexandra Rothenbuchner

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