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Es fährt kein Schiff am Königssee

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Ein geblasenes Echo am Königssee wird es heute, Montag, am Königssee nicht geben. Bei dem angekündigten Warnstreik sollen die Elektroschiffe in der Werft bleiben. (Foto: Archiv/Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Nach einer erfolglosen vierten Verhandlungsrunde am Freitag (der »Berchtesgadener Anzeiger« berichtete) ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) heute, Montag, die Beschäftigten der Bayerischen Seenschiffahrt GmbH zu einem ganztägigen Warnstreik auf. Zeitgleich sollen auch jene Beschäftigten, die in der Seenschifffahrt arbeiten, aber beim Freistaat angestellt sind, an einem Solidaritätsstreik teilnehmen.


»Damit wird die Schifffahrt auf dem Königssee völlig zum Erliegen kommen. Auf dem Tegernsee, dem Ammersee und dem Starnberger See wird es starke Beeinträchtigungen im Linienbetrieb geben«, kündigte der stellvertretende Landesbezirksleiter von ver.di Bayern, Norbert Flach, in einer Pressemitteilung an. Die Verhandlungen werden am Dienstag fortgesetzt. »Wir hoffen, dass in diesen Verhandlungen endlich ein akzeptables Verhandlungsergebnis erzielt werden kann«, erklärte Flach.

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Der Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt, Michael Grießer, teilte auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« am Sonntagmittag nur mit, dass die Verhandlungen am Freitag gescheitert seien. »Bislang sind wir noch zu keinem Abschluss gekommen«, sagte Grießer. Zu konkreten Forderungen wollte er sich nicht näher äußern.

In schriftlicher Form äußerte sich hingegen Norbert Flach: In den bisherigen Verhandlungsterminen hätten sich weder der Anteilseigner noch die GmbH hinreichend genug auf die Forderungen von ver.di und der Beschäftigten zubewegt – deshalb seien jetzt Warnstreiks unausweichlich geworden. »Der Tarifkonflikt kann schnell beendet werden – den Schlüssel dazu hält allerdings Finanzminister Söder in der Hand«, betonte Flach.

Zum Hintergrund: Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen hatte 1997 eine GmbH gegründet und die Betriebsführung der Seenschifffahrt von der staatlichen Schlösser- und Seenverwaltung auf die GmbH übertragen. Mit dem Ziel, »mit der GmbH aus der Tarifbindung des öffentlichen Dienstes herauszukommen und ein Geschäftsmodell zu etablieren, was auf niedrigeren Löhnen und Arbeitsbedingungen außerhalb von Tarifverträgen basiert«, heißt es bei ver.di.

Die bis dahin staatlichen Beschäftigten sollten in die GmbH wechseln. Angesichts der unsicheren Arbeitsbedingungen widersprachen allerdings alle Beschäftigten dem Betriebsübergang. Damit blieben die »Altbeschäftigten« im Tarifrecht des öffentlichen Dienstes, während Neueinstellungen »mit deutlich schlechterer Bezahlung und schlechteren Arbeitsbedingungen erfolgten.« Kilian Pfeiffer