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Es muss nicht immer eine Medaille sein

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Abschlussbild mit (v.l.): Natalie Geisenberger, Anna Fernstädt, Tobias Wendl, Tobias Arlt, Johannes Höpfl, Norbert Loch, Felix Loch, Anke Wöhrer, Hansi Lochner, Tim Lobinger, Tina Hermann, Michelle Herzog, Christian Rasp und Ramona Hofmeister. (Fotos: Bittner)
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Bob-Pilot Hansi Lochner beim Autogramme schreiben.
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Beste Stimmung auf dem Weihnachtsschützenplatz.

Berchtesgaden – Die Einladungen für den großen Olympia-Empfang am Freitagabend in Berchtesgaden waren bereits zu Beginn der Spiele in Pyeongchang verschickt worden – also ehe überhaupt feststand, ob die qualifizierten heimischen Wintersportler Edelmetall mit nach Hause bringen würden. »Aber genau das ist unsere Intention«, sagt Bürgermeister Franz Rasp. »Wir wollen eine Teilnehmer-Ehrung, egal ob Medaillengewinn oder nicht. Denn es ist nicht hoch genug anzurechnen, überhaupt erst bei Olympischen Spielen dabei zu sein.« Er selbst habe »bei Felix gelitten und bei den Goldmedaillen mitgefiebert«.


Die Wettkämpfe in Südkorea zeigten gerade bei einem Sportler mehr als deutlich: Es ist keine Selbstverständlichkeit, mit Gold, Silber oder Bronze heimzukehren. Felix Loch, großer Rodel-Favorit und Titelverteidiger, musste sich in Führung liegend nach einem Fahrfehler kurz vor dem Ziel im vierten Lauf mit Rang 5 zufrieden geben – und zeigte gerade in seiner vielleicht größten »Niederlage« herausragende menschliche Größe: »Es gibt Schlimmeres auf dieser Erde«. Auf seinen Lapsus angesprochen, meinte der Wahl-Bayerisch Gmainer schmunzelnd: »Der Schlitten lief«. Nach rund einer Stunde des Unglücklichseins konnte er sich rasch mit der Realität anfreunden.

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Berchtesgaden besitzt große Erfahrung mit Sportlerehrungen, olympischen besonders. Die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK) lud die Bevölkerung ein und zauberte einmal mehr eine perfekte Veranstaltung auf den nicht ganz gefüllten Weihnachtsschützenplatz im Ortszentrum. Wasti Rasp heizte als »DJ Hasei« den früh erschienenen Besuchern und all jenen, die selbst bei frostigen Temperaturen auch danach noch blieben, gehörig ein. Während des offiziellen Programms mit Moderator Gerhard »Willi« Willmann spielte Königssee-Bahnsprecher Rasp die drei Medaillenläufe von Ramona Hofmeister, Natalie Geisenberger sowie Tobias Wendl/Tobias Arlt auf die große Bühnen-Leinwand. Freilich stand das von goldenem Konfettiregen empfangene Quartett im Mittelpunkt der Feierlichkeiten.

Grippe-krank auf der Bühne

Bronze-Snowboarderin Ramona Hofmeister (21) aus Bischofswiesen war »echt schlecht beinand«, wollte sich die Auszeichnung aber keinesfalls entgegen lassen. Schließlich hatte sie aufgrund einer schweren Grippe bereits den Rückflug mit ihren deutschen Olympia-Kollegen sowie den Empfang in Frankfurt verpasst. »Gold-Geisi«, wie TV-Reporter Peter Grube Natalie Geisenberger aus Miesbach bei ihrem vierten Lauf betitelte, trainiert seit rund 20 Jahren am Königssee. »Das ist längst meine zweite Heimat«. Ihre vielen Erfolge seien keineswegs Selbstläufer, vor allem auf der schwierigen Bahn in Pyeongchang war alles möglich. Nach einer kurzen Pause beginne schon bald wieder die Vorbereitung. »Nach dem Sommer werde ich sehen, ob es weiter für die Spitze reicht«, so die 30-Jährige, die sportlich alles erreicht hat. Die Heim-WM im Januar 2019 in Winterberg sei »auf alle Fälle noch ein Ziel«.

Schlussendlich sprangen die Super-Tobis Wendl und Arlt auf die Bühne. Die beiden überstrahlten fast alle(s) und waren im Anschluss die gefragtesten Autogrammschreiber bei den Kindern des Talzentzentrums. Nach ihrer dritten und vierten olympischen Goldmedaille durften die beiden 30-Jährigen auf Anoraks und Fahnen unterschreiben, ein Selfie mit den sympathischen Doppelsitzer-Rodlern war fast noch mehr gefragt. Das Duo gab bekannt, zumindest bis Peking 2022 weitermachen zu wollen. Tobias Wendl hatte Deutschland bei der Siegerehrung mit seinen eigenen Tränen zu selbigen gerührt, aber nicht – wie beim Empfang gescherzt wurde –, weil er die Fahnen nicht fand. Arlt hatte Wendl während der Hymne vorsichtig darauf hingewiesen, dass die Banner bei der zweiten Siegerehrung, also nach jener für die Teamstaffel, nun auf der anderen Seite aufgezogen würden.

Anke Wöhrer bekommt ein Baby

Zur Ehrung nach Berchtesgaden kamen auch die Snowboarder Johannes Höpfl (Platz 23 in der Halfpipe) und Anke Wöhrer, geborene Karstens. Sie hatte 2014 in Sotschi Silber geholt, landete in Korea auf Rang 21 und erwartet heuer ihr erstes Kind. Ob sie in Peking ihre vierten Olympischen Spiele in Angriff nehmen wird, ließ die 32-Jährige offen. Eingeladen waren auch Carolin Langenhorst und Alexander Bergmann (beide WSV Bischofswiesen), die am Wochenende jedoch beim Weltcup in der Türkei weilten.

Skeleton-Pilotin Anna Fernstädt (21/WSV Königssee) zeigte sich mit Olympia-Rang 6 zufrieden, Team-, Vereins- und Zimmerkollegin Tina Hermann mit Platz 5 weniger. Obwohl sie mit erst 25 Jahren wie Anna Fernstädt noch mindestens einmal Olympische Spiele in Angriff nehmen kann, hatte sich die dreifache Weltmeisterin auf dem Kopf-Vorausschlitten wesentlich mehr ausgerechnet. Genauso wie der amtierende Bob-Welt- und Europameister und Gesamt-Weltcupsieger Hansi Lochner (27/BC Stuttgart). Der Untersteiner und einer seiner Anschieber, Christian Rasp vom WSV Königssee, konnten sich mit etwas Abstand richtig über die Plätze 5 im Vierer und 8 im Zweier freuen. »Man muss erstmal bei Olympia dabei sein«, so Lochner. Rasp bestätigte: »Südkorea war ein Erlebnis«. Und Anna Fernstädt ergänzte, dass die deutsche Skeleton-Medaille – Weltmeisterin Jacqueline Lölling aus Siegen holte Silber – wichtig für ihren Sport gewesen sei.

Als Ehrengäste begrüßte Willi Willmann den Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Ramsauer, der freudig verkündete, dass »sein Bayern« Platz 3 im Medaillenspiegel belegte, Landrat Georg Grabner, zahlreiche Bürgermeister sowie BSD-Vorstandsvorsitzenden Thomas Schwab. Der zeigte sich mit elf Medaillen für seinen Verband stolz: »Wir haben sensationell abgeschnitten«. Mit von der Partie war Pidings Bürgermeister Hannes Holzner, der sich für den in seiner Gemeinde wohnenden Tobi Arlt freute.

Am Ende des offiziellen Programms überreichten Michelle Herzog und Tim Sobinger vom Talentzentrum Wintersport Berchtesgadener Geschenke, ehe eine La-Ola-Welle aller heimischen Olympiateilnehmer sowie ein Feuerwerk und brennende olympische Ringe am Dach des Hotels »Edelweiß« den Abend beschlossen. Der WSV Königssee und der EV Berchtesgaden hatten mit Bewirtungsständen für das leibliche Wohl gesorgt. Hans-Joachim Bittner