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Ex-Freundin massiv gewürgt

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Der Schönauer (r.), der seine Ex-Freundin massiv gewürgt hatte, muss für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis. (Archivbild: Kretzmer)

Berchtesgaden – Eine 46-jährige Frau aus Berchtesgaden schwebte nach einer massiven Attacke mit Würgen bis zur Bewusstlosigkeit durch ihren früheren 47-jährigen Freund, einen Lokführer aus Schönau am Königssee, in konkreter Lebensgefahr. Das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verhängte gestern gegen den teilgeständigen Angeklagten wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, wegen Nötigung und anderer Delikte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten.


Der Angeklagte hatte die Bewusstlose auch »wie eine Barbie-Puppe«, so eine Zeugin, in der Luft herumgeschleudert. Der rechtsmedizinische Sachverständige, Professor Dr. Fritz Priemer aus Wonneberg, wertete dies als lebensgefährdende Behandlung. Ohne Reflexe und Muskeltonus hätte zum Beispiel ein Genickbruch oder Ersticken die Folge sein können. Die Frau leidet bis heute unter Ängsten, Flashbacks, Schluckproblemen und einer posttraumatischen Belastungsstörung und benötigt noch immer psychologische Behandlung.

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Staatsanwalt Björn Pfeifer war im Plädoyer vom Vorwurf des versuchten Mords abgerückt. Ein Mordmerkmal sei nicht eindeutig nachzuweisen. Schwäche, Angst, den Traumjob zu verlieren, ausgenutzt zu werden – all das sei nicht mit der erforderlichen Sicherheit festzustellen. Der Angeklagte habe jedoch mit Tötungsvorsatz gehandelt, dazu weitere Delikte wie gefährliche Körperverletzung und Nötigung verwirklicht. Strafschärfend müssten die Folgen für die Geschädigte wirken, die konkret beziehungsweise abstrakt lebensgefährlichen Handlungsweisen und das Verletzungsrisiko: »Es war reiner Zufall, dass nicht mehr passiert ist.« Pfeifer forderte unter anderem wegen versuchten Totschlags eine Gesamtstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Nebenklagevertreter Hans-Jörg Schwarzer schloss sich an: »Wer vor der Tat sagt, ich bring dich um, und nach der Tat sagt, ich wollte sie umbringen, kann hinterher nicht sagen, ich wollte sie nicht umbringen.« Schwarzer erzielte per Adhäsionsvergleich ein Schmerzensgeld von 10 000 Euro.

Der Verteidiger, Sebastian Gaßmann aus Passau, hatte den emotionalen Hintergrund und das Vorgeschehen erläutert. Er verneinte einen Tötungsvorsatz, auch, weil er »erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Nebenklägerin« hege. So stehe nicht fest, dass der Angeklagte von »Umbringen« gesprochen habe. Selbst wenn man zu einem Tötungsvorsatz gelange, liege ein freiwilliger Rücktritt vor. Sein Mandant habe im Affekt gehandelt. Eine Haftstrafe von drei Jahren sei tat- und schuldangemessen. Im »letzten Wort« beschränkte sich der Angeklagte auf: »Sie hat es nicht verdient. Ich habe definitiv eine Strafe verdient.«

Oberärztin Verena Klein vom Bezirksklinikum in Taufkirchen hatte im psychiatrischen Gutachten erklärt: »Der Angeklagte glaubte, seinen Traumjob gefunden zu haben. Er hat sich vorgestellt, in diesem Umfeld alt zu werden.« Die konfliktreiche Partnerschaft und die Trennung hätten »das Traumgebilde gestört«. Nach der Trennung sei eine depressive Anpassungsstörung zu erkennen, aber nicht mehr zur Tatzeit.

Im Urteil hob Vorsitzender Richter Erich Fuchs hervor, der Angeklagte habe die Wohnung weitgehend finanziert. Nach der Trennung sei er mit der 46-Jährigen in Kontakt geblieben. Fuchs sprach von einem »Rosenkrieg« mit gegenseitiger Schlechtmacherei. Dem Angeklagten hätten arbeitsrechtliche Konsequenzen gedroht. Dies habe seine Wut auf das Opfer noch gesteigert. Den Umstand, dass die 46-Jährige noch lebe, habe die Frau »dem mutigen Eingreifen der 35-Jährigen zu verdanken«. Der Angeklagte habe ohne Zweifel mit Tötungsvorsatz gehandelt. Ein freiwilliger Rücktritt sei auszuschließen. Das Schwurgericht bejahte erheblich verminderte Schuldfähigkeit des 47-Jährigen – einen Affektstau »im Sinn einer wutentbrannten Explosion«. Ein Mordmerkmal lag nach Erich Fuchs nicht vor. kd