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Podiumsdiskussion mit den Schülerinnen Mara, Anna-Lena, Lara, Josef Lutz, Bruna Simonetti, Kerstin Schnaitmann und Katharina Heyking (r.). (Foto: Brigitte Janoschka)

Fachtag zur Ganztagsbetreuung an den Schulen – »Outsourcen der Hausaufgaben«

Berchtesgadener Land – »Schule ist nicht mehr nur Lern- und Leistungsort, sie ist zum Lebensort geworden,« stellte Josef Lutz, Geschäftsführer bei Jonathan Soziale Arbeit, in seiner Begrüßung zum Fachtag zur »Offenen Ganztagsschule« fest. Zwar werde der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in der Schule erst ab August 2026 verwirklicht. Wie gelingt Ganztagsbetreuung aber schon jetzt?


Startklar führt in der Region bereits zehn Ganztagsbetreuungen und kooperiert mit den Schulleitungen, den Rathäusern, dem Landratsamt als Sachaufwandsträger und der Kinder- und Jugendhilfe. Damit diese Kooperation gelingt, müsse die Lebenswelt der Kinder, ihre Erziehung und Sozialisation in den Blickpunkt rücken.

Diesem Thema näherten sich die Referenten des Fachtags an. Nach der Begrüßung durch Silvio Gödickmeier, Geschäftsführer Startklar Soziale Arbeit Oberbayern, berichtete Barbara Rauscher, Koordinatorin für Ganztags-Angebote an den Gymnasien in Oberbayern-Ost, über ihre Tätigkeit als Lehrkraft am einzigen staatlichen Mädchengymnasium in ganz Bayern, dem Gymnasium Max-Josef-Stift in München. Es dürfe nicht nur um Aufbewahrung gehen, sondern um ein »gewinnbringendes Tun« unter den Aspekten »Bildung, Betreuung, Erziehung«. Die Erwartungen der Jugendlichen, Eltern, der Schulleitungen und Mitarbeiter im Ganztag sowie des Kultusministeriums zu erfüllen, sei schwierig und nur möglich mit einer guten Kommunikation als Basis.

Katharina Heyking, Koordinatorin der Bildungsregion BGL am Landratsamt als Mitveranstalterin des Fachtags, sprach über die »Familien ergänzende Betreuung« als zentrales Element für Chancengleichheit. Eine Bestandsaufnahme zum aktuellen Ganztag kam von jeweils drei Schülerinnen und Müttern bei der Podiumsdiskussion mit Josef Lutz. Die Abiturientin Mara zum Beispiel hat sich nach ihrer Zeit in der »Gata« (für Ganztag) als sogenannten »Quli« (Schülerin aus der Q 11 und Q 12, wobei Q für Qualifikationsphase steht) eingebracht, um den Jüngeren bei den Hausaufgaben zu helfen. Auch die 12-jährigen Anna-Lena und Lara fanden die frei wählbaren Freizeitangebote dort toll, ebenso wie die Tatsache, die Hausaufgaben in der Gata erledigt zu haben. Die alleinerziehende Mutter Bruna Simonetti freute sich, mithilfe dieser Einrichtung Familie und Beruf zu vereinbaren. Die beiden Söhne von Kerstin Schnaitmann waren damals die ersten »Qulis« in dem neuen Konzept am Karlsgymnasium. Gefragt nach weiteren Vorschlägen, kam der Wunsch nach einem gemeinsamen Mittagessen und Betreuungsmöglichkeit auch am Freitagnachmittag.

Isabelle Dubois vom Deutschen Jugendinstitut als Referentin für die kooperative Ganztagsbildung machte den neuen »Sozialisationsort Schule« zum Thema. Sie sprach auch über Konzepte zur Inklusion und zur partnerschaftlichen Kooperation. Aus Berlin referierte der Leiter der Ganztagsbetreuung an der Erika-Mann-Grundschule, Mike Menke vom Deutschen Kinderschutzbund Berlin zu Erfolgsfaktoren und zur Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe.

Workshops zum Sozialraum, zur Personalentwicklung von Fachkräften in der Ganztagsbetreuung und zum »Gelingen der Ganztagsbetreuung an Grundschulen« vervollständigten das Programm des Fachtags.

Brigitte Janoschka