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»Farbe unter meiner Haut«

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Ein riesiges Graffito im Innenraum ziert das neue Tätowier-Studio an der Maximilianstraße. (Fotos: Pfeiffer)
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Brian Kobo tätowiert seit vier Wochen in Berchtesgaden.
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Kobo-Kunst, entstanden mit Holzfarbstiften.

Berchtesgaden – Auf den Armen prangen Tattoos, am Oberkörper hat er einige und selbst am Hals offenbart sich oberhalb des T-Shirts ein buntes Bild: Brian Kobo ist wahrhaftig Tätowierer mit Leib und Seele. Und seit Kurzem mit einem eigenen Studio in Berchtesgaden vertreten. Sein Onkel, Mike Kobo, ist in der Tätowier-Szene international bekannt. Er hat schon viele unter der Nadel gehabt, vor allem Künstler: darunter Mötley Crüe und die Bandmitglieder von Guns 'n' Roses.


»Studio 13« prangt in geschwungenen Lettern als Graffito im neuen Studio von Brian Kobo an der Maximilianstraße. An einem 13. hat er seine Frau kennengelernt, an einem 13. haben sich die beiden das Eheversprechen gegeben. Kobo versteht Deutsch, er ist mit einer Deutschen verheiratet, wohnt in Salzburg. Und hat kürzlich beschlossen, ein eigenes Studio in Berchtesgaden zu eröffnen. In der Szene ist er bekannt. Tätowiert hat er schon in vielen Ländern, angefangen in den USA, am Hollywood Boulevard. Seit neun Jahren ist er in Europa, er ist ein Vielgereister. In mehreren europäischen Städten hat er Station gemacht, arbeitete dort als Tätowierer und machte sich nach und nach einen Namen.

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»Piks mich«

»Ich habe immer schon gern gezeichnet«, sagt Brian Kobo. Bereits als kleines Kind hat er gemalt, Figuren, Szenen, schöne Darstellungen. Das war der Auftakt zu seiner Karriere als »Tattoo Artist«, als Künstler, der mit kleinen Nadeln schöne Bilder in die oberen Hautpartien der Kunden sticht. Das Handwerk des Tätowierers wird häufig nachgefragt. »Tätowieren ist noch immer in.« Vor allem Jugendliche kommen, aber mittlerweile auch viele Ältere. »Vor Kurzem war eine 70-Jährige bei mir, sie wollte sich ein Unendlichkeitssymbol stechen lassen«, erzählt Brian Kobo mit einem Lächeln. Eine liegende Acht, derzeit ein hippes Zeichen, das sich viele Kunden stechen lassen wollen.

Brian Kobo ist skeptisch, wenn es darum geht, einem Trend zu folgen. Denn er weiß genau, dass Tattoos dauerhaft sind, »man trägt das Bild ein Leben lang mit sich herum.« Sich aus bloßer Laune ein Motiv stechen zu lassen, nur weil ein bestimmtes Symbol derzeit im Trend liegt, findet er nicht gut.

Der berühmte Tattoo-Onkel

Genau deshalb sei Aufklärung wichtig, das Gespräch mit dem Kunden, die Information darüber, dass ein Tattoo eine Entscheidung fürs Leben ist. Jeder Kunde soll sich die Zeit nehmen, darüber sprechen. »Ein Tattoo erzählt im besten Fall einen Teil der Lebensgeschichte.« Und diese ist bei manchen äußerst abwechslungsreich, wenn man sich allein auf die Kunstwerke bezieht, die auf so manchem Körper prangen.

Brian Kobo könnte man auch als Gesamtkunstwerk bezeichnen: Den Körper zieren viele Motive, abgedrehte Darstellungen, bunte Kunstwerke, persönliche Erinnerungen. Noch ist genug Platz frei, er wird auch in Zukunft unter der Nadel liegen, bestimmt auch im August. Dann kommt sein Onkel, Mike Kobo. Er ist nicht irgendein Tätowierer. In der Szene ist er weltbekannt. Das sagt nicht nur sein Neffe, das belegen zahlreiche Internetquellen. Sozusagen ein Star-Tätowierer, dessen Kundschaft Weltruhm erlangt hat. Die Musiker von Guns 'n' Roses fallen darunter, Mötley Crüe, Kiefer Sutherland, bekannt geworden durch die erfolgreiche TV-Serie »24«. Neffe Brian wird seinen Onkel in seinem Studio in Berchtesgaden begrüßen, er wird dort als Gast-»Tattoo Artist« mehrere Tage sein Können zeigen. Ein Datum, auf das sich Brian Kobo besonders freut.

»Berchtesgaden ist schön«

Der 35-Jährige liebt die Gegend, das ruhige Leben. Ganz anders als in Los Angeles, wo er auch lange Zeit tätowierte, Schauspieler, Musiker, Leute, die Geld haben. Heutzutage ist er froh, etwas auf den Boden der Tatsachen zurückgekommen zu sein. Weg vom oberflächlichen Großstadtleben, rein in die ländliche Idylle. »Mir gefällt es hier sehr gut«, sagt er, während er eine Dose eines bekannten Energy Drinks an die Lippen ansetzt.

Seit vier Wochen ist das Studio an der Maximilianstraße nun eröffnet, auf dem sozialen Netzwerk Facebook folgen »Studio 13« bereits mehrere Hundert Fans. Es hat sich herumgesprochen, dass es in Berchtesgaden einen neuen Tattooladen gibt. »Viele kommen bei mir vorbei, sagen einfach 'Hallo', wollen mich kennenlernen.« Brian Kobo hat einen gut gefüllten Terminkalender, mehrere Kunden pro Tag, die Szene ist auch im Talkessel groß. Bislang mussten Tätowierwillige entweder nach Bad Reichenhall oder Traunstein fahren. In Salzburg wartet man häufig Monate lang auf einen Termin.

Kundenwünsche erfüllt Brian Kobo in der Regel schon. Natürlich hat er einen eigenen Stil, »Schwarz-weiß-Tattoos«, sein Markenzeichen. Farbig geht natürlich auch. Die Möglichkeiten sind groß.

Wenn Brian Kobo nicht im Tattoostudio sitzt, bleibt er weiterhin Geschäftsmann: In Salzburg betreibt er eine Airbrush- und Spraypainting-Firma. Offiziell in Auftrag gegebene Graffiti, die dann Swimmingpools oder Hauswände zieren. Ein Buch, in dem Brian Kobos Arbeiten zu finden sind, zeigt, was er in den letzten Jahren, unter anderem in Österreich, verwirklicht hat. Aufträge der Stadt sind ebenso darunter wie private Kunstwerke, die die Wände in einem Anwesen mit Leben bereichern.

Die Energy-Drink-Dose ist inzwischen leer, jetzt kommt gleich der nächste Kunde. Mit einem ganz individuellen Wunsch. Brian Kobo freut sich auf das Tattoo. Er wird den Wunsch verwirklichen – dauerhaft. Kilian Pfeiffer

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