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Fast jeder Zweite hat schon gewählt

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Am Sonntag laufen ab 18 Uhr bei Martin Priller im Landratsamt die Fäden zusammen. Fotos: Anzeiger/Hudelist
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Robert Gridling vom Städtischen Bauhof in Bad Reichenhall ist für das Aufstellen von insgesamt 161 Wahlurnen in den Wahllokalen verantwortlich.
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Den Aufbau der Wahllokale im Gymnasium Berchtesgaden organisiert Hausmeister Robert Nixdorf. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgadener Land – Am Sonntag sind rund 75 000 Landkreisbürger aufgerufen, ihre Stimme für den Bayerischen Landtag sowie den Bezirkstag abzugeben. Doch bis zu 40 Prozent der Wähler haben dann schon längst ihre Kreuze gemacht, per Briefwahl. Für viele Gemeinden kommt der Ansturm so überraschend, dass die entsprechenden Umschläge ausgegangen sind. Das Landratsamt Berchtesgadener Land hat daher für seine 15 eigenen Gemeinden und für sieben Gemeinden im Landkreis Traunstein 1 000 zusätzliche amtliche Kuverts bestellt.


Der Trend hin zur Briefwahl hat sich bereits bei der Wahl 2008 abgezeichnet, die Stadt Freilassing hat darum bereits bei dieser Wahl ihre Urnen-Stimmbezirke von damals 13 auf jetzt zehn reduziert und dafür die Briefwahl-»Bezirke« auf fünf erhöht. Von den insgesamt 10 300 Wahlberechtigten in Freilassing haben 2 200 die Briefwahl beantragt, also jeder Fünfte. In anderen Gemeinden ist die Zahl noch höher, in Berchtesgaden sind es rund 35 Prozent, in Piding sogar 40 Prozent, also fast jeder Zweite.

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Martin Priller vom Landratsamt Berchtesgadener Land nennt drei Gründe für den Run auf die Briefwahl. »Zum einen ist die Pflicht weggefallen, den Briefwahlantrag zu begründen, zum anderen wollen viele die Fülle der Wahlzettel anscheinend lieber in Ruhe zu Hause ausfüllen.« Der dritte Grund ist das Internet. Viele Gemeinden wie zum Beispiel Freilassing haben auf ihrer Online-Seite einen Button eingerichtet, mit dem sich die Unterlagen sehr schnell und unbürokratisch bestellen lassen.

Der Trend zur Briefwahl stellt nicht nur die 22 Gemeinden im Stimmkreis 111 vor neue Herausforderungen, sondern auch das Landratsamt. »Der Markt an Wahlunterlagen und Kuverts ist leer gefegt, wir konnten bei einem Fachverlag gerade noch 1 000 Briefwahl-Kuverts bestellen, um den Gemeinden im Notfall aushelfen zu können«, so Wahlsachbearbeiter Priller. Bis Freitag, 15 Uhr, können in den Gemeinden noch die Unterlagen für die Briefwahl geholt werden, »bei der Stimmabgabe ist wichtig, dass die Briefwahl-Umschläge bis Sonntag, 18 Uhr, in der zuständigen Gemeinde sein müssen.«

Ein Abgeben der Briefwahl ist dann bis Sonntag, 18 Uhr, nur in der jeweiligen Gemeinde möglich, allerdings nicht in einem der zahlreichen Wahllokale. Wenn ein Wähler am Sonntag doch noch in ein Wahllokal will, kann er das tun, wenn er die Briefwahl nicht in Anspruch genommen hat und mit dem Wahlschein in ein Wahllokal kommt.

Im gesamten Stimmkreis, also im Berchtesgadener Land und in sieben Gemeinden des Landkreises Traunstein, sind rund 75 000 Bürger stimmberechtigt, die Wahllokale sind generell von 8 bis 18 Uhr geöffnet. »Wer um 18 Uhr noch im Wahllokal steht und wartet, darf seine Stimme natürlich noch abgeben.« Die insgesamt fünf Stimmzettel stellen nicht nur manchen Wähler, sondern auch die Gemeinden vor eine logistische Herausforderung. Ab 18 Uhr wird zuerst die Landtagswahl ausgezählt, hier wiederum zuerst der kleine Stimmzettel mit den zehn Direktkandidaten, also die Erststimme. Dann werden die 80 x 60 Zentimeter großen weißen Bögen für die Zweitstimme ausgezählt.

»Im ersten Durchlauf wird allerdings nur gezählt, welche Partei eine Stimme bekommen hat, die eigentlichen Namen werden später separat ausgezählt.« Die Auszählung der Direktkandidaten und der Parteien auf dem großen Bogen ergeben dann die erste Schnellmeldung, die jedes Wahllokal per Fax an die zuständige Gemeinde schickt. Diese sammelt dann alle Ergebnisse aus allen Wahlbezirken und übermittelt das Gesamtergebnis an das Landratsamt. »Bei uns werden die Ergebnisse auf ihre Richtigkeit hin überprüft und veröffentlicht«, erklärt Priller.

Gegen 19 Uhr werden im Landratsamt die ersten Schnellmeldungen erwartet, bei der Landtagswahl 2008 war die Gemeinde Schneizlreuth die Schnellste, sie lieferte ihre erste Schnellmeldung kurz nach 19 Uhr ab. Am längsten gedauert hat es vor fünf Jahren in Bayerisch Gmain, hier landete die erste Schnellmeldung erst nach 21 Uhr im Landratsamt.

In den Wahllokalen werden in der Zwischenzeit im dritten Arbeitsschritt die großen Bögen nach Bewerbern ausgezählt. Hier wird das Ergebnis dann mitsamt allen Bögen persönlich in den Gemeinden abgegeben, dort geprüft und veröffentlicht. »Diese Zählung dauert etwas länger, weil bei der Landtagswahl im Gegensatz zur Kommunalwahl und zur Kreistagswahl nicht mit einem Scanner automatisch ausgewertet werden darf.«

Die zweite Schnellmeldung wird erst ab 21 Uhr erwartet, sie zeigt dann, wie die einzelnen Bewerber auf dem großen Bogen abgeschnitten haben. Diese Meldungen kommen zum Teil dann sehr spät. 2008 war zum Beispiel Teisendorf das Schlusslicht, hier kam die zweite Schnellmeldung erst weit nach Mitternacht.

Erst wenn im Landratsamt alle ersten Schnellmeldungen und später die zweiten Schnellmeldungen aller 22 Stimmkreisgemeinden eingegangen sind, können die Ergebnisse an den Landeswahlleiter in München übermittelt werden. Während dann die Luft eigentlich schon draußen ist und sich die Medien auf die Kandidaten stürzen, werden in den Wahllokalen dann noch die blauen Stimmzettel für die Bezirkstage, wieder Erststimme und Zweitstimme, sowie die gelben Stimmzettel für die Volksentscheide ausgezählt.

Der »Berchtesgadener Anzeiger« wird am Sonntag live aus dem Landratsamt informieren. Sobald die ersten Schnellmeldungen aus den Gemeinden eingehen können diese unter www.berchtesgadener-anzeiger.de eingesehen werden. Michael Hudelist