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Faszinierend und berührend

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Dr. Elke Michel-Blagrave gelang auch diesmal, dem Publikum in der Christuskirche ein besonderes Konzert zu präsentieren. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Die eigene Freude an der Musik weiterzugeben, war eines der Anliegen von Dr. Heinz und Maria Loewe, als sie ihre Stiftung gründeten. Vor etwa einem Jahr starb Dr. Heinz Loewe, seiner Gattin nachfolgend. Aus diesem Anlass gab es ein Gedenkkonzert für den Stifter in der Christuskirche. Elke Michel-Blagrave, eine besonders vom Ehepaar Loewe geschätzte Musikerin, hatte ein besonderes Programm zusammengestellt und die passenden Musiker und Sänger dazu eingeladen.


Einleitend würdigten sowohl Pfarrer Peter Schulz als auch Paul Grafwallner das Engagement Dr. Heinz Loewes, der mit Ehefrau Maria die Stiftung gründete und mit ihr auch über den Tod hinaus die Förderung der Musik, insbesondere der Kirchenmusik, festschrieb. Dr. Heinz Loewe habe die Christuskirche besonders geliebt, sagte Paul Grafwallner, auch, weil sein Großonkel August Thiersch Architekt und Erbauer des 1899 fertiggestellten Gotteshauses war. Und was schon zu Lebzeiten des Ehepaares Loewe ein besonderes Anliegen war, solle sich auch fortsetzen. Insbesondere die von Dr. Elke Michel-Blagrave gestalteten kirchenmusikalischen Aufführungen stehen im Fokus der Förderung.

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Und unter der Leitung von Elke Michel-Blagrave stand auch dieses Konzert, das – wie schon so oft – ein begeisterndes war und sein Publikum rund zwei Stunden nach Beginn zufrieden in den Berchtesgadener Abend entließ. »Faszinierend ist für mich auch das Ensemble aus Salzburger Vokal- und Instrumentalsolisten, welches mit dem Kammerchor Berchtesgaden zu einer musikalischen Einheit gewachsen ist – einzigartig. Klein, aber feinst. Ich habe oft beobachtet und bewundert, mit welcher Hingabe das gesamte Ensemble ans Werk geht. Diese Musizierfreude unter der inspirierenden Leitung von Elke Michel-Blagrave zu erleben, ist ein Genuss.« Dieses dem Programmzettel entnommene Zitat von Dr. Heinz Loewe wäre eigentlich schon die passende Beschreibung des Konzertes. Aber es gab noch etwas mehr. Die Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart zu Beginn.

Die Salzburger Instrumentalsolisten waren in der Christuskirche wieder einmal auf vertrautem Terrain. Nach der geradezu flott-festlichen Einleitung setzten die beiden Soloinstrumente mit einer langen Trillerkette behutsam ein. Yen Zhang und Nabuya Kato wussten sich sicher, im gut austarierter Klang zwischen Solisten und Orchester. Die Geige klang am Anfang etwas flattrig, die Viola steuerte unaufgeregt brillanten Klang bei. Der zweite Satz wirkte zu Beginn etwas zu schnell, aber insgesamt war es ein herrliches Zusammenspiel. Wodurch das sauber spielende kleine Orchester und die Solisten für ein sehr gut austariertes Klangerlebnis sorgen konnten.

Johann Sebastian Bachs Kreuzstab-Kantate gehört zu seinen bekanntesten und wird oft gespielt. In der Christuskirche sang Oddur Jónsson die Bass-Partie. Als »Ersatzmann«. Und wie im Sport mitunter die Reservisten auf sich aufmerksam machen können, gelang das auch dem isländischen Bass in beeindruckender Weise. Den Schlusschoral »Komm, o Tod, du Schlafes Bruder«, bekannt aus dem berühmten Vilsmaier-Film, von André Eisermann auf der Orgel »intoniert«, übernahm der Berchtesgadener Kammerchor.

Simone Vierlinger war die einen weiteren Glanzpunkt setzende Solistin in Mozarts Motette »Exsultate, jubilate«. Am Ende stand der dritte Teil von Georg Friedrich Händels »Messias« auf dem Programm. Wohl, weil ihn Dr. Heinz Loewe liebte, wie der Programmzettel mitteilte. Tenor Martin Kiener und Altistin Silke Redhammer brillierten im Duett »O Tod, wo ist dein Stachel?«. Überzeugen konnten auch noch einmal Oddur Jónsson in der von ihm problemlos und mit starkem Ausdruck gesungenen und gestalteten Bass-Partie. »Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein?«, war die Frage, die Simone Vierlinger in ihrer Sopran-Arie stellte, und mit Sicherheit waren die Zuhörer bestimmt für und nicht wider sie. Auch der Berchtesgadener Kammerchor schlug sich gut, glänzte besonders im vielfach variierten Amen-Schlusschor. Leider namenlos, aber doch in hohem Maße beeindruckend gab sich der Mann mit der Solotrompete, mit brillantem Spiel und vor allem langem Atem, der zusätzlichen festlichen Glanz in »The trumpet shall sound« brachte. Dieter Meister