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Feuerwehrmann wird selbst Hochwasser-Opfer

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Die Küche der Familie Lenz ist erst ein Jahr alt. So sah sie nach dem Abgang der Mure aus. Fotos: Anzeiger/Wechslinger
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Oberhalb des Hauses riss der Hang ab.
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Der Schlamm wälzte sich durch das ganze Haus.

Berchtesgaden – Eigentlich war es Peter Lenz immer gewohnt, anderen zu helfen. Als ehemaliger 2. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden und langjähriger aktiver Feuerwehrmann war der Berchtesgadener immer zur Stelle, wenn Not am Mann war. Jetzt ist Peter Lenz mit seiner Familie selbst in Bedrängnis geraten. Während der Hochwasserkatastrophe am Wochenende hat ein Hangrutsch sein ganzes Haus auf der Metzenleiten vermurt und großen Schaden angerichtet. Jetzt ist erst einmal Aufräumen angesagt im Haus »Wacht der Höh«.


Die Schlammmassen wälzten sich durch das ganze Gebäude und hinterließen in allen Räumen ein Bild der Verwüstung. Die Familie wurde deshalb in den frühen Morgenstunden des Sonntags zusammen mit den Hausgästen vorübergehend evakuiert.

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Als die schlimmsten Regenfälle vorbei waren, machte sich das Ehepaar Lenz mit den beiden Söhnen Alexander (15) und Thomas (17) schnell ans Aufräumen. Mit besonderen Pumpen ging Peter Lenz daran, erst einmal die größten Schlamm- und Erdreichmassen aus der Wohnung zu bekommen. Weit über einen halben Meter hoch standen die Schlammmassen in der Wohnung. Nach Schätzungen dürften es rund 15 Tonnen Schlamm, Wasser und Geröll gewesen sein.

Peter Lenz kann immer noch nicht glauben, was er sieht: »Mein Großvater hat das Haus im Jahr 1932 gebaut und es ist noch nie etwas passiert.« Jetzt muss das Haus erst einmal auf weitere Schäden überprüft werden. Peter Lenz erwartete Bürgermeister Franz Rasp und Marktbaumeister Helmut Graßl, um die Lage am Hang zu beurteilen. »Wir ziehen jetzt erst einmal zu meinen Eltern in die Stanggaß«, erklärte Gabi Lenz, die unter anderem den Totalschaden ihrer erst ein Jahr alten Küche hinnehmen musste. Aber auch die anderen Zimmer wurden total verwüstet.

Der Abstand vom Haus zum Hang betrug vor dem Hangrutsch drei Meter, jetzt stehen die Erdmassen direkt am Haus. »Da muss eine Werkstatt-Hütte abgerissen werden, um mit einem Bagger überhaupt an den Hang heranzukommen«, erklärt Peter Lenz. Der Mann, der immer für die anderen da war, darf sich jetzt wenigstens genauso über Hilfe von außen freuen. »Die Nachbarschaftshilfe ist super«, sagt er.

Dennoch merkte man gerade den beiden Lenz-Buben eine große Traurigkeit über die schlimmen Schäden an ihrem Elternhaus an. Beide packten mit ihren Eltern kräftig an, um die größten Schäden zu beseitigen und die Wohnung wieder einigermaßen von den Schlammmassen zu befreien.

»Es dauert halt einige Zeit, dann werden wir schon wieder zur Normalität zurückfinden«, zeigt sich Peter Lenz optimistisch. Schließlich musste er als ehemalige Feuerwehr-Führungskraft in seiner langen Dienstzeit schon so manches Leid mittragen. Christian Wechslinger