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Fichten aus der Umgebung: »Alles ist Natur pur«

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Beim Christbaumverkauf des Forstbetriebs Berchtesgaden fand jeder sein passendes Bio-Bäumchen. Fotos: Anzeiger/kb
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Elisabeth Heiß (l.) und Anneliese Rieder (r.) gönnen sich nach dem Christbaumkauf einen Glühwein.
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Wer Wildfleisch kaufen wollte, brauchte viel Geduld in der langen Schlange. Dafür hatte Förster Hubert Grassl verschiedene Rezeptvorschläge parat.
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Zu hoch fürs Wohnzimmer? Kein Problem für Forstbetriebsmitarbeiter Wolfgang Krämer, der mit der Säge jeden Baum auf Wunschgröße kürzte.

Berchtesgaden - Seit über zehn Jahren verkaufen die Bayerischen Staatsforsten im Advent frisch eingeschlagene Weihnachts- und Grabbäume. Die Fichten stammen aus der heimischen Waldpflege und haben weder Dünger noch Pflanzenschutzmittel gesehen. Bei den Käufern sind die Bio-Bäume beliebt. Der Ansturm war auch heuer wieder riesig.


Freitagnachmittag, kurz vor 13.00 Uhr: Der Christbaumverkauf ist eröffnet. Auf der großen Wiese neben dem Forstamt sind in mehreren Reihen verschieden große Bäume aufgestellt. Wie der Blitz saust die Schar auf der Suche nach dem schönsten Prachtexemplar los. »Wie gefällt dir der?«; »Der ist zu groß«; »Der ist zu klein«; »Da drüben sind noch bessere«. All das rufen sich Ehepaare, Eltern und Kinder zu. Marion Aicher aus Berchtesgaden hat zusammen mit ihrer Mutter gleich einen ganzen Schwung Bäume ausgesucht. »Der Riesige da ist für uns zu Hause, ich hoffe, ich habe auch den Größten erwischt. Für die Kinder soll der Baum nämlich das größte Geschenk zu Weihnachten sein.« Marion Aicher kauft die Bäume jedes Jahr beim Forstbetrieb. »Weil ich gerne eine Fichte aus der Region haben möchte, Nordmanntannen gefallen mir nicht so gut. Eine Fichte ist einfach einheimischer.«

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Bei Anneliese Rieder hat der Baum in jedem Jahr eine Geschichte. »Der ist zwar ganz krumm, aber er mag auch gekranzt werden. Nicht nur die schönen Bäume kommen in die Stube, auch die schiachen.« Ruck, zuck ging es bei ihr und schon hielt sie ihr Traumexemplar in den Händen. »Drei Minuten. Man muss schnell sein, sonst ist nichts mehr da.«

Jetzt gönnt sie sich eine Tasse Glühwein zur Belohnung. Die Bäume vom Forstbetrieb würden nicht nur besonders gut riechen, sondern seien auch ganz frisch, weiß die Bischofswieserin. »Die Stubn muss nach Daxen riechen, das ist außerdem sehr gesund. Die ätherischen Öle gehen in die Lunge und dann wird man an Weihnachten nicht krank.« Ein gespritzter Baum komme ihr schon deshalb nicht ins Haus. »Die sind alle behandelt, damit sie länger halten.«

»Ein natürlicher Baum ist schon was anderes«, stimmt Elisabeth Heiß, ebenfalls aus Bischofswiesen, zu. In der Hand hält sie einen Daxen- und einen Mistelzweig. »Die kommen über die Haustür, wir haben Kinder, die noch heiraten müssen.«

Peter Renoth, stellvertretender Forstbetriebsleiter in Berchtesgaden, freut sich über die ungebrochene Nachfrage an den Bäumen aus seinem Revier. »Unser Erfolgsrezept ist, dass wir einheimische Produkte verkaufen, bei uns gibt es noch die Berchtesgadener Fichten, auch die kleinen Grabbäumchen sind bei uns erhältlich.« Renoth weiß zwar nicht, was genau auf den Plantagen gespritzt wird, damit die Bäume länger halten, »aber Chemie ist nie optimal. Bei uns gibt's nur das, was vom Himmel fällt und was aus dem Boden kommt. Alles ist Natur pur«.

In den letzten Wochen warnte die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) verstärkt vor behandelten Weihnachtsbäumen. Aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht sei ein Großteil davon alles andere als feierlich. »Die meisten Weihnachtsbäume stammen aus ökologisch bedenklichem Anbau in Monokulturen, die mit Chemikalien behandelt werden. Das ist schlecht für die Umwelt und den Menschen«, so Christian Beuter, Waldreferent beim WWF Deutschland. Um Schädlingen den Garaus zu machen, würde in herkömmlichen Plantagen oftmals eine wahre Chemiekeule eingesetzt: Herbizide für konkurrierende Gräser, Insektizide gegen Käfer sowie Mineraldünger für einen schnellen und einheitlichen Wuchs. Endgültig unchristlich werde es für die Umwelt, wenn die Bäume dann noch per Lastwagen durch die halbe Republik gekarrt werden. Um diese Gefahren zu umgehen, empfiehlt der WWF den Kauf eines heimischen Baumes mit FSC-Siegel, welches garantiert, dass der Baum aus einem Betrieb mit umwelt- und sozialverträglicher Waldwirtschaft stammt. So wie die Bäume des Forstbetriebs Berchtesgaden.

Damit man möglichst lange Freude an seinem Bio-Baum hat, empfiehlt Peter Renoth ihn bis zum Fest kühl und trocken zu lagern, in der Garage etwa oder auf dem Balkon. »In der Wärme des Wohnzimmers verliert jeder Baum nach zehn bis 14 Tagen Nadeln. Am besten ist es, wenn man in den Ständer etwas Wasser gibt, dann trocknet er nicht so schnell aus.« Renoth selbst hat seinen Christbaum noch nicht. Der wird erst kurz vorm Fest bei einem Waldspaziergang eigenhändig geschnitten und heimgeschafft. So, wie es sich für einen Förster gehört. kb